Was heißt das?

Supplemente: Made in Germany

Supplemente sind ein ambivalentes und höchst emotionales Thema im Bodybuilding. Während die einen in den Herstellern die Verkörperung des Bösen sehen, schwören andere auf die Notwendigkeit und könnten sich einen Bodybuildinglifestyle ohne Shaker, Pillen und Pülverchen überhaupt nicht vorstellen. Wenn etwas eine solche Bedeutung für viele Menschen einnimmt, neigt man schnell zu einer gewissen Emotionalität und verrennt sich aufgrund mangelnden Hintergrundwissens leicht in Dinge. Der folgende Artikel soll daher helfen, ein paar grundlegende Aspekte zum Thema "Supplemente: Made in Germany" zu verstehen.

Foto: Pixabay / CC BY

Was sind Supplemente?

Um zunächst nachvollziehen zu können, was da überhaupt in Deutschland produziert wird, sollte man sich bewusst sein, was Supplemente oder zu Deutsch Nahrungsergänzungsmittel überhaupt sind. Es handelt sich dabei um Lebensmittel, die im Rahmen der "Verordnung über Nahrungsergänzungsmitteln" einigen Auflagen unterliegen.

Demnach ist ein Nahrungsergänzungsmittel ein Lebensmittel, das
  1. dazu bestimmt ist, die allgemeine Ernährung zu ergänzen,
  2. ein Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung allein oder in Zusammensetzung darstellt und
  3. in dosierter Form, insbesondere in Form von Kapseln, Pastillen, Tabletten, Pillen und anderen ähnlichen Darreichungsformen, Pulverbeuteln, Flüssigampullen, Flaschen mit Tropfeinsätzen und ähnlichen Darreichungsformen von Flüssigkeiten und Pulvern zur Aufnahme in abgemessenen kleinen Mengen, in den Verkehr gebracht wird.
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an rechtlichen Regelungen, die bei der Bewerbung dieser Produkte beachtet werden müssen.

So sind irreführenden Bezeichnungen, Angaben und Aufmachungen nicht erlaubt (§ 11 LFGB) und der Bezug zu Krankheiten darf bei der Bewerbung nicht erfolgen (§ 12 LFGB). Die Werbung für Supplemente darf darüber hinaus nicht zu übermäßigen Verzehr führen (Artikel 3 der Health Claims Verordnung) oder andeuten, dass der Verzicht zu Gesundheitsmängeln führe (Artikel 12 Health Claims Verordnung). Zuletzt ist es verboten, Angaben zu verwenden, die schlankmachende, schlankheitsfördernde oder gewichtsverringernde Eigenschaften besitzen, wenn es sich bei dem Produkt nicht um Lebensmittel im Sinne der Diätverordnung handelt (§ 6 NKV).

Qualitätsstandards von Supplementen?

Zunächst einmal kann man davon ausgehen, dass in Lebensmitteln (also auch Supplementen), die man in Deutschland kaufen kann, auch das drin ist, was draufsteht. Dies wird über die sogenannte Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung geregelt, wonach in Lebensmitteln alle Zutaten, die darin enthalten sind, aufzuführen sind. Dies schließt Lebensmittelzusatzstoffe und Aromen mit ein.

Die Reihenfolge muss darüber hinaus absteigend nach jeweiligem Anteil zum Zeitpunkt der Herstellung sein. Was an erster Stelle steht, hat somit den größten Gewichtsanteil.

Überprüfung der Inhaltsstoffe

Was kann aber noch über die Inhaltsstoffe von Supplementen gesagt werden? Zum einen besteht die Möglichkeit zur Analyse von beispielsweise Proteinpulvern. Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass es immer gewisse Rohstoffchargen gibt, aus denen ein Produkt angemischt wird. Das bedeutet, theoretisch kann jede Charge deutlich andere Werte aufweisen. Hier sind durchaus die Hersteller in der Verantwortung entsprechend gewissenhaft einzukaufen und die Qualität zu überwachen.
Als Endverbraucher steht einem selbst aber jederzeit die Möglichkeit offen, einen Beutel selbst in ein Labor zur Analyse zu schicken. Dies ist beispielsweise bereits für ca. 20 Euro bei entsprechenden Laboren für eine Untersuchung des Proteingehalts möglich, so dass jedermann jederzeit die Kontrolle in der eigenen Hand behält.
Wer also Zweifel an jeglicher Unabhängigkeit hat, muss sich auf nichts Verlassen. Ein Beispiel wäre Food Jena, wobei dieses lediglich veranschaulichen soll, wie einfach die Überprüfung für jedermann wäre. Es gibt darüber hinaus natürlich weitere Labore in Deutschland.

Kölner Liste

Eine weitere von Verbrauchern immer wieder gewünschte Überprüfung stellt die sogenannte Kölner Liste dar. Hierbei werden vom Olympiastützpunkt Rheinland Nahrungsergänzungsmittel auf Dopingmittel überprüft, was vor allem für Sportler olympischer Disziplinen, die unangekündigte Kontrollen durchlaufen, von Bedeutung ist.

Auf der Homepage der Kölner Liste findet man eine Datenbank, die sowohl die untersuchten Produkte als auch das Untersuchungsdatum zeigt.

Hierbei ist zu beachten, dass eine jährliche Überprüfung genügt, um das Zertifikat führen zu dürfen. Je nach Herstellungsmengen ist es aber durchaus üblich, dass mehrere Margen eines Supplements innerhalb eines Jahres produziert werden.

Unterm Strich sollte man sich aber auch im Klaren sein, dass die Hersteller selbst kein Interesse an einem Skandal wie im Jahr 2000 haben, als im Kreatin einiger Anbieter Reste von Nandrolon gefunden wurden und große Medien außerhalb des Bodybuildingbetriebs das Thema aufgriffen.


Made in Germany: Was bedeutet das?

Die Deklarierung "Made in Germany" gibt es seit knapp 130 Jahren und war ursprünglich eine Warnung für britische Verbraucher vor billig hergestellter deutscher Ware. Wenn man so möchte, hatte diese Kennzeichnung damals den Status, den wir heute "Made in China" zuschreiben, ohne damit etwas über die Qualität chinesischer Produkte aussagen zu wollen.

Ob ein Hersteller "Made in Germany" auf sein Produkt schreibt, ist diesem heutzutage selbst überlassen, da es kein Qualitätssiegel im eigentlichen Sinn darstellt. Das liegt auch daran, dass es keine klare rechtliche Definition des Begriffs gibt, sondern vielmehr verschiedene Gerichtsurteile seit 1973, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen, wann ein Produkt "Made in Germany" genannt werden dürfe:
  • Zusammenbau der Einzelteile in Deutschland
  • mindestens 51 % der verwendeten Teile stammen aus Deutschland
  • mindestens 45 % der Wertschöpfung wurden in Deutschland realisiert
Was bedeutet das für Nahrungsergänzungsmittel?

Können Supplemente "Made in Germany" sein?

Überprüft man die drei genannten möglichen Definitionen, kann die zweite für Nahrungsergänzungsmittel nicht zutreffen, da es diverse Rohstoffe nicht in Deutschland für die Supplement-Industrie zu kaufen gibt. Dies kann also kein gültiger Maßstab sein, ob Supplemente "Made in Germany" sind.

Wertschöpfung beschreibt den Prozess, dass durch die weitere Verarbeitung der Warenwert erhöht wird. Das bedeutet vereinfacht beschrieben: Ich kaufe Ware zum Wert von Summe X ein und verkaufe das daraus hergestellte Produkt für Preis Y. Wenn die Rohstoffe für Supplement Z beispielsweise 10 € kosten würden und das fertige Produkt für 14,50 Euro verkauft wird, wäre der dieser Punkt erfüllt. Ein anderes Beispiel wäre den Rohstoff Creatin Monohydrat zu kaufen und in Deutschland mittels entsprechender Bearbeitung daraus Creapure herzustellen. Dem Rohstoff wird nichts hinzugefügt, aber die finale Bearbeitung erfolgt in Deutschland und das entstandene Produkt wird für einen höheren Preis verkauft, als der eigentliche Rohstoff.

Die dritte Definition verlangt, dass das Endprodukt aus den Einzelbestandteilen (Rohstoffen) in Deutschland zusammengefügt wird. Also werden beispielsweise Aminosäuren gekauft und in Deutschland mit Aromen vermischt.

Ist "Made in Germany" ein Qualitätsmerkmal?

Sagt eine dieser drei Optionen irgendetwas über die Qualität eines Produkts aus? Jain. Es ist korrekt, dass in Deutschland hohe Qualitätsstandards bei der Hygiene herrschen. Wenn diese nicht eingehalten werden, führt dies zu Strafen. Das bedeutet aber nicht, dass die Herstellung sauberer als in anderen Ländern abläuft, da diese Standards auch dort eingehalten werden können.

Keine Aussage trifft es letztendlich über die Rohstoffqualität, zumal diese, wie angesprochen, zum Teil gar nicht aus Deutschland stammen können. Hier ist der Produzent in der Pflicht, aber der Verbraucher ist nicht unmündig: Wer es wirklich wissen will und einem Hersteller nicht vertraut, kann, wie ebenfalls bereits angesprochen, Produkte jederzeit in unabhängigen Laboren untersuchen lassen.

Hinweis: Der Autor dieses Artikels bietet individuelle Trainings- und Ernährungsberatung und -betreuung an. Weiteres erfahrt ihr unter ► become-fit.de oder schaut einfach auf seiner ► Facebookseite vorbei.

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