Rechtliche Bestimmungen und Werteermittlung

Supplemente: Woran erkenne ich, ob ich welche benötige?

Nahrungsergänzungsmittel, oft als „Supplemente“ bezeichnet, sind ein Sammelsurium an Produkten, die mal mehr oder mal weniger Leistungssteigerung, Fettverlust, Muskelaufbau, volleres Haar oder einfach nur mehr Glück bei der hübschen Nachbarin versprechen. Dinge, die der Zauberer von Oz nicht gewagt hätte anzupreisen, werden heutzutage in bunten Dosen an jedermann verkauft, der bereit ist sein Geld zu investieren. Alles Abzocke! Alles Quatsch! – Wirklich? Natürlich nicht! Und dennoch haben Supplemente heutzutage einen oftmals fragwürdigen Ruf, was an einer Vielzahl von Gründen liegt.

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Falsche Erwartungen, falsche Werbeversprechen oder schlichtweg falsche Anwendung: Supplemente haben durchaus ihre Daseinsberechtigung, wenn die Anwender sich deren Wirkung tatsächlich bewusst sind und diese realistisch bewerten. Hier liegt jedoch oftmals bereits das Problem. Ich weiß selbst, wie schnell man das ein oder andere Produkte ergänzt, um es einfach einmal ausprobieren zu wollen, und am Ende feststellt, dass man täglich über ein Dutzend Supplemente zu sich nimmt, die man alle braucht. ALLE!

Das soll allerdings nicht missverstanden werden: Ich bin ein überzeugter Nutzer von Nahrungsergänzungsmitteln und habe eine Reihe an Produkten selbst zu Hause. Auf der anderen Seite habe ich mein erstes Eiweiß aber auch bereits vor fast 20 Jahren gekauft und in all den Jahren viel Mist ausprobiert und noch mehr Supplemente kommen und gehen gesehen. Der vorliegende Text soll einen Überblick über Nahrungsergänzungsmittel geben und die Frage klären: Braucht man Supplemente?

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Was sind Supplemente?


Aber was sind Supplemente überhaupt? Dies ist, wie so vieles in Deutschland, per Gesetz definiert, so dass Nahrungsergänzungsmittel sich vor allem zu Diätlebensmitteln, Arzneimitteln und Novel Foods abgrenzen. Was auf den ersten Blick ein wenig kleinkariert anmuten könnte, hat durchaus Folgen für die Praxis, wie wir gleich noch sehen werden.
  • Supplemente werden in der Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (NemV) als Lebensmittel definiert, die
    1. dazu bestimmt sind, die allgemeine Ernährung zu ergänzen,
    2. ein Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung allein oder in Zusammensetzung darstellen und
    3. in dosierter Form, insbesondere in Form von Kapseln, Pastillen, Tabletten, Pillen und anderen ähnlichen Darreichungsformen, Pulverbeuteln, Flüssigampullen, Flaschen mit Tropfeinsätzen und ähnlichen Darreichungsformen von Flüssigkeiten und Pulvern zur Aufnahme in abgemessenen kleinen Mengen, in den Verkehr gebracht werden.
    Doch damit sind die Regelungen noch lange nicht abschlossen, denn auch was die Bewerbung von Supplementen angeht, gibt es inzwischen einige rechtliche Einschränkungen, die vielleicht die ein oder andere Beobachtung erklären, die der Leser bereits einmal gemacht hat:
    • Gemäß § 4 Abs. 4 der "Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel“ (NEMV) darf Werbung für Supplemente nicht suggerieren, dass eine normale Ernährung nicht ausreichen würde. Entsprechend liest man häufig den Hinweis, dass Supplemente keine ausgewogene Ernährung ersetzen.
    • Laut § 11 des „Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuches“ (LFGB) sind irreführende Bezeichnungen, Angaben und Aufmachungen nicht erlaubt.
    • § 12 des „Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuches“ (LFGB) verbietet die Bewerbung von Supplementen im Bezug zu Krankheiten. Während man also in einigen Publikationen immer mal wieder beispielsweise liest, dass die Aminosäure Arginin bei Bluthochdruck helfen würde, wäre dies im Rahmen von Werbung für Supplemente niemals erlaubt.
    • Artikel 3 der EU-Verordnung Nr. 1924/2006 („Health-Claims-Verordnung“) gibt vor, dass die Bewerbung nicht zu einem übermäßigen Verzehr führen darf. In Kombination mit dem bereits genannten Hinweis bezüglich einer ausgewogenen Ernährung ist dies mit ein Grund, dass bei Proteinpulvern meist nur ein Shake pro Tag vorgeschlagen wird.
    • In Artikel 12 der EU-Verordnung Nr. 1924/2006 („Health-Claims-Verordnung“) wird geregelt, dass keine Aussagen getroffen werden dürfen, dass ein Verzicht zu Gesundheitsmängeln führen würde.
    • § 6 Abs. 1 Satz 1 der „Verordnung über nährwertbezogene Angaben bei Lebensmitteln und die Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln“ (NKV) verbietet es, Angaben zu verwenden, die darauf hindeuten, dass ein Lebensmittel schlankmachende, schlankheitsfördernde oder gewichtsverringernde Eigenschaften besitzt.

  • Diätlebensmittel sind Lebensmittel im Sinne von § 14a der Diätverordnung, die für eine kalorienarme Ernährung zur Gewichtsverringerung gedacht sind. Aber auch Lebensmittel für bestimmte Käufergruppen wie Diabetiker oder Säuglinge werden unter diesem Begriff zusammengefasst: So hatte Diätschokolade, die es früher in vielen Supermärkten gab, nichts mit Kalorienreduzierung zu tun, sondern war mit Fructose hergestellt, um für Diabetiker essbar zu sein.

  • Arzneimittel sind dazu bestimmt Krankheiten, Leiden, krankhafte Beschwerden zu heilen, lindern oder verhüten. Diese unterliegen dem Arzneimittelgesetz und sind nur nach Zulassung verkehrsfähig. Wichtig ist, dass Lebensmittel (und damit Nahrungsergänzungsmittel) von Aufmachung und Verpackung her nicht mit Arzneimitteln verwechselt werden dürfen. Wer sich an alte Bodybuildingzeitschriften erinnert, weiß, dass sich Hersteller nicht immer daran hielten.

  • Novel Foods sind schließlich Lebensmittel, die vor dem 15.05.1997 noch nicht in nennenswertem Umfang in der EU für den menschlichen Verzehr genutzt wurden. Darunter fallen sowohl exotische Früchte wie auch manche Elektrolytgetränke. Egal welches Produkt bzw. welche Zutat diese allgemeine Regelung betrifft: Das letztendliche Produkt ist zulassungspflichtig! In der Konsequenz gab es bereits Booster, die ihre Rezeptur ändern mussten, da sie Pflanzenstoffe enthielten, die unter die Novel-Foods-Verordnung fielen. Das bedeutet nicht, dass diese Produkte schädlich oder gefährlich gewesen wären, sondern nur, dass kein Hersteller bereit war, die kostspielige Zulassung zu durchlaufen. Wie wichtig die jeweilige Zutat für das letztendliche Produkt dann schließlich in der Praxis wirklich war, soll jeder Leser selbst bewerten.

Wir kennen nun die rechtliche Einordnung von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Frage wäre aber, ob wir als Sportler überhaupt solche Produkte benötigen?

Brauche ich Nahrungsergänzungsmittel?


Bevor wir uns einen kleinen Überblick darüber verschaffen wollen, welche Supplemente es gibt und woran man die Qualität der Produkte festmachen kann, sollte zunächst geklärt werden, ob wir überhaupt Nahrungsergänzungsmittel benötigen. Während man auf der einen Seite immer wieder anekdotische Berichte von Spitzensportlern hört, die Kapseln und Pulver als Quatsch abtun, wird man in der Fitness- und Bodybuildingszene nicht lange nach Sportlern suchen müssen, die voller Überzeugung Proteinpulver, Kreatin oder Fischöl-Kapseln kaufen. Braucht man das wirklich?

Zunächst einmal sollte man sich bewusst sein, dass Supplemente auf Deutsch aus guten Gründen Nahrungsergänzungsmittel heißen. Sie sollen die Ernährung nicht ersetzen oder das Unmögliche möglich machen, sondern einen potentiellen Mehrbedarf ausgleichen. Ein solcher Mehrbedarf an bestimmten Nährstoffen kann aus unterschiedlichen Gründen entstehen, weshalb kein Supplement pauschal für jeden Sportler zur Pflicht ernannt werden kann. Selbst Proteinpulver, die für die meisten Fitnesssportler und Bodybuilder fester Bestandteil des Lifestyles sind, liefern letztendlich nur einen Makronährstoff, der auch über Nahrungsmittel zugeführt werden könnte. Warum es dennoch sinnvoll sein kann, beispielsweise Proteinpulver zu nutzen, werde ich noch erklären.

Die Frage, ob man von einem Nährstoff mehr benötigt, als man über die Ernährung zuführt bzw. zuführen kann, ist also von zwei Seiten zu betrachten:
  1. Wie ist die Zufuhrempfehlung?
  2. Erreiche ich die Zufuhrempfehlung oder gehöre ich zu einer Gruppe, die eine zusätzliche Zufuhr benötigt?
Schauen wir uns die beiden Punkte etwas genauer an.

1. Die Zufuhrempfehlung von Nährstoffen

Nicht für alle Supplemente gibt es sinnvolle Zufuhrempfehlungen. Ein Trainingsbooster stellt beispielsweise ein Nahrungsergänzungsmittel dar, das man in erster Linie aus Spaß und zur Motivation nutzt. Ein Bedarf im eigentlichen Sinne existiert dafür natürlich nicht.

Anders sieht es dagegen beispielsweise mit der Proteinzufuhr aus. Sportler, die Muskelaufbau betreiben wollen, benötigen Eiweiß, wenn auch nicht so viel, wie teilweise angenommen wird. Verschiedenste Studien kamen in den letzten Jahren zu einem Bereich von 1,3 bis 1,7 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht. Für eine 75 Kilogramm schwere Person läge die Empfehlung somit bei 97,5 bis 127,5 Gramm Eiweiß pro Tag. In diesem Zusammenhang sollte allerdings betont werden, dass ein erhöhter Proteinkonsum in der Diät durchaus von Vorteil sein kann, da der Körper dieses weniger effektiv für die Energiegewinnung nutzten kann und praktisch kein Körperfett aus Protein entsteht.

Für die meisten Mikronähstoffe und Vitamine sieht es dagegen anders aus. Dort werden Empfehlungen für die einzelnen Nährstoffe aufgrund von Beobachtungen in der Vergangenheit oder Schätzungen abgegeben, wobei die Werte sich im Laufe der Zeit wandeln können und auch länderübergreifend unterschiedlich sind. So erhöhte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beispielsweise ihre Empfehlung für die Vitamin D-Zufuhr im Jahr 2012 auf 20 Mikrogramm täglich. Das war eine Vervierfachung!

Generell zielen die Empfehlungen bezüglich der Mikronährstoffzufuhr auf Werte ab, bei denen eine 95-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Nutzer keine Mangelerscheinungen zeigt. Eine optimale und leistungsmaximierende Zufuhr ist damit aber nicht angestrebt. Allerdings werden selbst die empfohlenen Werte von vielen Personen nicht erreicht, was zum zweiten Punkte führt:

2. Erreiche ich die Zufuhrempfehlung?

Im Jahr 2008 wurde in Deutschland die „Nationale Verzehrsstudie II“ (NVS II) durchgeführt, auf deren Ergebnisse wir über 10 Jahre später noch immer verweisen müssen. Damals wurden die teilnehmenden Deutschen gefragt, was sie in den letzten 4 Wochen gegessen hätten. Kannst du diese Frage für dich selbst exakt beantworten? Vermutlich nicht. Entsprechend vorsichtig sollte mit den Aussagen der Studie umgegangen werden.

Neben den Ernährungsdefiziten, die in der Verzehrsstudie zu Tage getreten sind, gibt es aber tatsächlich auch Situationen, in denen Menschen einen Mehrbedarf haben können: Raucher oder Schwangere gehören beispielsweise zu Risikogruppen. Aber auch sehr intensiv Sport treibende Menschen, die im Rahmen einer Diät vielleicht noch eine eingeschränkte Lebensmittelauswahl umsetzen, können einen erhöhten Bedarf entwickeln. Dies gilt insbesondere dann, wenn man im Alltag gleichzeitig dauerhaft Stress ausgesetzt ist.

Mögliche Symptome einer Mangelversorgung sind dabei allerdings diffus und praktisch nicht auf einen Mikronährstoff begrenzt – zumal Vitaminpillen kein Wundermittel sind, das beispielsweise unzureichenden Schlaf ausgleichen könnte. Was heißt das nun also? Muss ich beispielsweise Vitamin-Tabletten nehmen? In der Regel vermutlich nicht, wobei Vitaminpillen ein gutes und kostengünstiges Back Up sein können. Gleiches gilt beispielsweise für eine Supplementierung von Kreatin, wie Professor Dr. Dr. Jürgen Gießing ausführlich erläuterte.

Für Eiweißpulver gilt dagegen, dass diese insbesondere eine geschmackliche Abwechslung darstellen und die Möglichkeit bieten, beispielsweise den Fleischkonsum einzugrenzen. Wer es ganz genau nehmen will, kann zudem bewusst zum richtigen Protein zur richtigen Zeit greifen.

Kriterien für die Auswahl sinnvoller Supplemente


Bei all diesen Punkten sollte jedoch nie aus den Augen verloren werden, dass Supplemente immer noch Nahrungsergänzungsmittel bleiben, und dass man insbesondere keine falschen Hoffnungen in sonderbare Werbeversprechen stecken sollte.

Alexandra Schenk führte in ihrem sehr empfehlenswerten Grundlagenwerk „Ernährung im Top-Sport“ eine Checkliste auf, anhand derer man selbst überprüfen kann, ob das jeweilige Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sinnvoll ist oder nicht.

Checkliste: Ist ein Supplement sinnvoll?

  1. Verspricht das NEM eine schnelle Verbesserung der Leistungsfähigkeit oder Gesundheit?
  2. Enthält es irgendeine(n) geheime(n) oder magische(n) Inhaltsstoff / Zusammensetzung?
  3. Basiert die Vermarktung hauptsächlich auf Anekdoten, Fallgeschichten, Zeugenaussagen?
  4. Werden Star-Athleten oder populäre Persönlichkeiten in die Werbung einbezogen?
  5. Wird eine simple Wahrheit über einen Nährstoff in Bezug auf die Leistung oder Gesundheit übertrieben dargestellt?
  6. Muss die Integrität des wissenschaftlichen und medizinischen Establishments in Frage gestellt werden?
  7. Wird das NEM in Sport- oder Gesundheitszeitschriften beworben, deren Herausgeber solche Produkte auch verkaufen?
  8. Wir das NEM von derjenigen Person, die es empfiehlt, auch verkauft?
  9. Werden als Belege für die Behauptungen Ergebnisse einer einzelnen Studie oder wird schlecht kontrollierte Forschung herangezogen?
  10. Ist das Produkt teuer, vor allem im Vergleich zu den Kosten für gleichwertige Nährstoffe in Lebensmitteln des üblichen Verzehrs?
  11. Gibt es für eine kürzlich gemachte Entdeckung keine einzige andere Quelle?
  12. Sind die Claims (Behauptungen) zu schön, um wahr zu sein? Verspricht das NEM das Unmögliche?
Sobald auch nur eine Frage mit „Ja“ beantwortet werden kann, ist laut Schenk Skepsis angebracht.

Das bedeutet nicht, das jeweilige Supplement sei nutzlos. Der Nutzer sollte allerdings kritisch sein und sich eventuell noch einmal genau informieren, bevor Geld in falsche Hoffnungen investiert wird.

Fazit zu Supplementen


Nahrungsergänzungsmittel können eine sinnvolle Unterstützung bei der Erreichung sportlicher Ziele sein. Beim Kauf sollten jedoch keine überzogene Erwartungen eine Rolle spielen. Eine sinnvolle Basis stellt ein gutes Whey-Protein-Pulver bzw. ein Soja-Isolat für Veganer dar. Ob man dann ein Vitaminpräparat, Kreatin Monohydrat oder Fischöl nutzt, die allesamt zur Optimierung beitragen können, sollte jeder selbst entscheiden.

Hinweis: Der Autor dieses Artikels bietet individuelle Trainings- und Ernährungsberatung an. Weiteres erfahrt ihr unter become-fit.de oder schaut einfach bei seinem Podcast-Magazin TheCoachCoachCorner vorbei.


Weitere Infos zum Thema Supplemente

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