Traditionelles Karate–Do - Teil 1

Die Geschichte des Karate-Do


Das heutige Karate kam von Okinawa, der größten Insel der Ryuku - Inseln. Okinawa liegt sehr weit weg von Kyushu etwa 500 Kilometer, von Taiwan etwa 600 und vom chinesischen Festland sogar 800 Kilometer.

Dennoch kreuzten sich in Okinawa viele Handelswege, sodass viele politische Flüchtlinge auf den Inseln eine Zuflucht vor der Verfolgung suchten. Im 12. Jahrhundert, als die Samurai ihre letzte Schlacht bei Dannoura gegen die siegreichen Truppen der Minamoto verloren, flohen viele nach Okinawa. Dadurch konnten die Bewohner von Okinawa die sehr guten Kampfkünste kennen lernen und der erste König von Ryukyu, Chunten (im 13. Jh.), widmete dem Kriegshandwerk viel Aufmerksamkeit. Eine sehr lange Zeit konnte sich Ryukyu seine Selbständigkeit bewahren, bis 1372 der König Satsudo die Oberhoheit Chinas anerkannte. Der Ming-Kaiser entsandte sofort einen Botschafter, welcher jedoch kurze Zeit später durch einen Militärbevollmächtigten ersetzt wurde. Kurze Zeit später trafen in der Hauptstadt Naha viele chinesische Siedler ein, die die Einwohner in der Seefahrt, der Buchdruckerkunst und in anderen Handwerken unterrichteten. Mit dem Eintreffen der Chinesen begann auch die Verbreitung des chinesischen Kempo. Es gibt auch die Auffassung, dass das Karate als autochone Kampfkunst auf Okinawa entstanden sei, aber das kann nicht durch Tatsachen begründet werden, genau wie man den chinesischen Einfluss nicht überbewerten sollte. Bereits im 14. Jh. entstanden auf Okinawa viele neue Stile, Formen und Richtungen. Leider gibt es nur sehr schlechte Überlieferungen bis ins 18. Jahrhundert hinein, sodass keinerlei konkrete Aussagen getroffen werden können über das Karate in Okinawa. Fest steht nur, dass es vorhanden war. 1429 vereinigte der König Shahashi die drei Gebiete Okinawas, und um Aufstände zu unterbinden, verbot er das Tragen von Waffen. Ausgenommen davon waren die höchsten Feudalherren, Beamten und Soldaten. Damit war das Volk der Willkür dieser Herrscher ausgesetzt. Viele suchten nun einen Ausweg und erlernten das Kempo. Im 17. Jahrhundert wurde das Volk wiederum hart bestraft, weil es sich an einem Feldzug gegen Korea nicht beteiligte, damit unterwarf Japan das Volk und es wurde alle geknechtet. Wiederum war es verboten scharfe Waffe zu besitzen und es begann eine Jagd nach den Schwertern (katanagari). Um eine Waffenherstellung unmöglich zu machen, wurden alle Schmieden geschlossen, sowie die gesamten metallischen Gegenstände den Einwohnern entzogen. Die Bauern waren nicht mehr in der Lage sich zu wehren und deshalb gründeten sie geheime Sekten, in denen Sie das Kempo trainierten.

An erster Stelle standen die Orte Naha, Shuri und Tomari. Somit entstanden die Stile Naha Te, Shuri Te und Tomari Te. Während des gesamten 17. Jahrhunderts agierten die Schulen (te) im Untergrund und die Schüler legten einen Blutschwur ab, das Geheimnis zu wahren. Hier entstanden nun Trainingsmethoden wie das Schlagen in einen Eimer voller Bohnen oder das Makiwara. Auch Waffen wie der Bo, das Nunchaku, das Kama, das Tonfa oder die Sai-Gabeln entstanden in dieser Zeit. Als nun im 18. Jahrhundert der Befreiungskampf gegen die Japaner sich beruhigte und sich die Verschmelzung friedlicher Kulturen abzeichnete, kamen die Meister der verschiedenen Stile aus ihrem Untergrund. Leider ist nicht festzustellen, welche Meister im Untergrund tätig waren und somit vermutet man, dass sich die Bauern bei den Chinesen damals Rat geholt haben. Bis zum 20. Jahrhundert wurde das Karate auf Okinawa in zwei Schriftzeichen dargestellt. Einmal das Schriftzeichen Kara (China) und zum zweiten Te (Hand).

Der Vater des modernen Karate Gichin Funakoshi änderte im 20. Jahrhundert das Schriftzeichen Kara (nun in der Bedeutung "Leere oder Himmel").
Jeder dieser damaligen Kempo-Meister lieferte einen Beitrag zur Entstehung des Karate auf Okinawa, aber einer ganz besonders. Sein Name ist: Matsumura Sokon aus Shuri. Er ist der Vater des Shurinryu. Er lehrte ein hartes, schnelles und kraftvolles Karate.

Seine Hauptforderungen waren Schnelligkeit, Plötzlichkeit, Kraft und beste Kenntnisse der Basistechniken.
Matsumura dominierte eine ganze Zeit auf Okinawa. Wesentlich verbessert wurde der Stil durch seinen Schüler Asato Anko. Alle Gründer der moderen Stile wie
  • Funakoshi Gichin (Shotokan)
  • Miyagi Chojun (Gojoryu)
  • Mabuni Kenwa (Shitoryu)
  • Higaonna (Kanryo)
waren seine Schüler. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kristallisierten sich zwei Stilrichtungen heraus, die eine war Shoreiryu und die andere Shorinryu. Beide Stile wurden sehr geliebt vom Volk, wobei sich viele immer mehr dem Shorin-Stil zuwendeten, weil er leichter war.

Bis heute hat das Karate viele Stile dazu bekommen oder alte wurden wieder aktiviert und jeder Meister versucht Verlorenes wiederzubeleben.

Der Vater des Karate-Do

Der Vater des Karate-Do Gichin Funakoshi wurde 1869 (- 1957) auf Okinawa im Bezirk Yamakawacho geboren. Er war der einzige Sohn einer einfachen Samurai - Familie der damaligen Shizoku -Klasse (privilegierte Klasse). Sein Vater war ein Spezialist im Kampf mit dem Kon (okinawaischer Stock).

Seine Kindheit verlebte er bei seinem Großvater Gifu, einem bekannten konfuzianischen Gelehrten. Von ihm lernte Gichin Funakoshi die vier großen chinesischen Klassiker. Bereits während seiner Grundschulzeit begegnete Gichin Funakoshi dem Meister Anko Azato, dem inneren Schüler (Uchi Deshi) des Meisters Matsumura und begann bei ihm den Unterricht im Karate Do.

Oftmals war Meister Itosu bei Azato zu Gast, da beide Meister eng befreundet waren. Während sich die Meister auf der Veranda unterhielten, übte Funakoshi allein im Hof. Stets sparte Meister Azato mit Lob und tadelte viel. Dabei war ein Ziel seiner Ausbildung, Empfindungen wie Verbitterung und Erniedrigung zu überwinden.

Damals wurde Karate noch im Geheimen geübt. Deshalb ging Funakoshi jeden Abend zum Haus seines Meisters Azato, um im Schutz der Dunkelheit zu trainieren. Oft dauerte das Training bis in die Morgenstunden.

Das Training bestand nur aus Wiederholungen der Kata, und nichts konnte Meister Azato dazu bewegen, auch nur ein einziges Mal davon abzusehen. Getreu dem Grundsatz HITO-KATA SANNEN (mindestens drei Jahre für eine KATA), lehrte ihm der Meister erst dann eine neue Form, wenn er die alte gut genug beherrschte. So musste Funakoshi zehn Jahre täglich die Tekki-Kata üben, ehe der Meister mit ihm zufrieden war.

Nebenbei schrieb Funakoshi auch Gedichte, die er mit dem Pseudonym Shoto kennzeichnete. Im Jahre 1888 bestand der die Prüfung zum Hilfslehrer an der Schule in Shuri und wurde 1891 zum Hauptschullehrer befördert und nach Naha versetzt. Obwohl er nun bei den Meistern Kyuna, Toona, Niigaki und Sokon Matsumura übte, brach die Verbindung zu seinen Shuri-te Lehrern Azato und Itosu nie ab.

Anlässlich eines Besuches des Schulkommissars der japanischen Provinz KAGOSHIMA, SHINTARO OGAWA, leitete er 1901/1902 eine Karate - Demonstration in der Schule von Naha: Im Ergebnis dessen veranlasste der Bericht des Schulkommissars, dass das Kultusministerium in Tokyo Karate als Teil des Lehrplanes an den Okinawa Schulen einführte. Dazu wurden von Meister Itosu im Jahre 1905 die fünf Pinan (Heran-)Kata gegründet, aus denen er Taktik und Methodik des Kämpfens weitgehend entfernte und den gesundheitlichen Aspekt in den Vordergrund stellte.

Gichin Funakoshi spielte in der Folgezeit bei den Kontakten zwischen bekannten japanischen Persönlichkeiten und dem Okinawa Karate eine immer bedeutendere Rolle. Nach dreißig Jahren Schulzeit widmete sich Funakoshi vollständig den Kampfkünsten und bat um seine Entlassung aus dem Schuldienst.
Als Meister Funakoshi 1916 nach Kyoto fuhr um eine Karate - Demonstration zu geben, hatte Japan zum ersten Mal seit dreihundert Jahren wirklich Kontakt zum Okinawa Karate, jener geheimnisumwitterten Kampfkunst Tode, die von den Japanern nie besiegt werden konnte.

Am 06. März 1921 wurde eine erneute Karate - Demonstration gegeben zu Ehren des japanischen Erbprinzen Hirohito, der Okinawa besuchte. Diese Demonstration beeindruckte den Prinzen derart, dass noch 1921 durch das japanische Kultusministerium eine Einladung an das Okinawa Shobukai (Vereinigung der Kampfkünste) erging, das Okinawa Karate anlässlich einer großen Kampfkunstdemonstration in Tokyo vorzustellen.

Nach langer Beratung der Okinawa Meister wurde Gichin Funakoshi, der als Mann von feinem Charakter bekannt war und die Kampfkunst auf einem hohen Niveau gemeistert hatte, für diese Aufgabe ausgewählt. Funakoshi, der ein Meister der Kalligraphie und der Dichtkunst war und gleichermaßen in der japanischen Sprache wie auch in der Okinawa Kultur bewandert, erfüllte diese Aufgabe am Kodokan in Tokyo zusammen mit Makoto Gima, dem heutigen Großmeister des Shotokan - Ryu und Inhaber des 10. Dan.

Niemand konnte damals ahnen, dass diese Reise Funakoshi's im Mai 1922 eine Reise ohne Rückkehr werden sollte. Der damals 53-jährige widmete sich in seinem freiwilligen Asyl den Rest seines Lebens der Verbreitung des Karate-Do.

Im November 1922 veröffentlichte Gichin Funakoshi seine erste Arbeit "RYUKYU KEMPO KARATE". Darin bemühte er sich vor allem, die philosophischen Hintergründe des Okinawa Karate in den Vordergrund zu stellen. Im Wesentlichen beschränkte sich dieses Buch aber auf die Beschreibung der 15 Funakoshi-Kata, die durch recht raue Zeichnungen veranschaulicht wurden. Bereits hier stellte er Kata sowohl aus dem Shorin-Ryu als auch dem Shorei-Ryu dar. Dieses Buch fand in Japan jedoch nicht den gewünschten Erfolg.

1925 veröffentlichte Funakoshi sein zweites Werk mit dem Titel "RENTAN GOSHIN KARATE JITSU", in welchem bereits Photos verwendet wurden. Der Inhalt dieses Buches umfasste ebenfalls die von ihm ausgewählten 15 KATA.

Nach kurzer Zeit in Japan erregte Meister Funakoshi die Aufmerksamkeit mehrerer prominenter Kreise des japanischen Budo. Besonders erwähnenswert ist hier wohl seine Bekanntschaft und lebenslange Freundschaft mit dem legendären Judo - Begründer Jigoro Kano, von dem er 1926 das DAN-System (KYU /DAN) ins Karate übernahm und auch viele Anregungen für die Weglehre erhielt.

Im September 1924 gründete Funakoshi den ersten Karate- Club an der KEIYO - Universität, dem weitere Clubs an der ICHIKO - Universität (1926) und an den Universitäten TAKUSHOKU, WASEDA, HOSEI, MEIJI, NIHON, SHODAI und der kaiserlichen Universität TODAI (1927) folgten. Auch an der medizinischen Hochschule, der Wirtschaftshochschule und der Landwirtschaftshochschule entstanden 1927 Karate -Clubs. Zunächst unterrichtete Funakoshi nur Kata und Bunkai. Dies führte ab 1927 zu ersten Problemen mit den eigenen Schülern, die mit Kampfübungen experimentierten und sich an den bereits bestehenden Wettkampfauffassungen des Kendo orientierten. Obwohl Funakoshi strikt am Verbot zur Entwicklung der Angriffstechnik festhielt (KARATE NI SENTE NASHI - Es gibt keinen ersten Angriff im Karate), war er gezwungen, Kompromisse in der Trainingsführung zu schließen, die häufig seine eigentliche Absicht überstiegen.

1935 erschien die erste Ausgabe des Buches "KARATE-DO KYOHAN - der Meistertext", Funakoshis eigentliches Lehrbuch über das Karate Do, in dem er für die meisten Photos noch selbst posierte. Dadurch lassen sich bereits erfolgte Veränderungen gegenüber dem voran gegangenen Buch von 1925 erkennen. Seine Stellungen sind länger, seine Bewegungen weiträumiger und zum ersten Mal stellte er hier einige Kumite - Formen dar. In diesem Buch werden Grundlagen, 19 Kata (darunter die von ihm gegründeten drei Taikyoku - Kata und die zweiteilige Ten-no-Kata), erste Kumite - Formen und die Möglichkeit zum Beschreiten des Weges beschrieben.

1936 eröffnete Gichin Funakoshi das erste private Karate - Dojo Tokyos mit einem wirklichen Lehrer, das Shotokan - Dojo im Meijuro - Viertel. Entsprechend Funakoshis Dichterpseudonym lautete die Türinschrift Shoto - Kan. Diese Bezeichnung wurde dann von seinen Schülern übernommen, um dass von ihm gelehrte Karate gegenüber anderen zu kennzeichnen. Viele der japanischen Größen gingen durch Funakoshi's Dojo.

Die Tendenz zu Wettkämpfen bei den jungen Schülern war deutlich spürbar, und nach und nach machte Meister Funakoshi Zugeständnisse, jedoch stets darauf bedacht, dass sie das Wesen seiner Kunst nicht in Gefahr bringen konnten. So begann man 1943 unter Leitung von Yoshitaka Funakoshi, des Meisters dritten Sohn, mit Gohon-Kumite, dann Sanbon-Kumite und schließlich Ippon-Kumite.
Der zweite Weltkrieg forderte viele Opfer auch unter Funakoshis Schülern. 1945 wurde das Shotokan - Dojo durch Bomben zerstört und Yoshitaka starb an Tuberkulose, wodurch das Shotokan seinen Hauptinstruktor verlor. Meister FUNAKOSHI reiste nach Kyushu, wo er zum ersten Mal wieder seine Frau traf. Beide lebten unter den Kriegsflüchtlingen in großer Armut, bis seine Frau 1947 starb.

Daraufhin kehrte Funakoshi nach Tokio zurück und ließ sich ab 1948 an den Universitäten KEIYO und WASEDA blicken, an denen die älteren Übungsleiter des Shotokan das Karate unterrichteten. Doch Funakoshis Zeit war vorbei. Er beauftragte Shigeru Egami, die Kampfkunst in seinem Namen weiterzuführen. Die 1949 gegründete JKA (Japan Karate Association) von Nakayama und Nishiyama erarbeitete ein Programm für Wettkampf - Karate, dem der Meister aber seine Zustimmung verweigerte. Ebenso wurde Funakoshi ohne seine Zustimmung zum Ehrenausbilder der JKA ernannt. Das unbändige Streben der JKA nach Macht und internationaler Verbreitung fand nicht seine Anerkennung. Für die JKA war der alternde Meister nur ein Symbol, dessen Namen man als Markenzeichen verwendet.

Sein Verdienst besteht insbesondere in der Zusammenführung der beiden alten Okinawa -Schulen Shorin- Ryu und Shorei - Ryu (er lehrte Kata aus beiden Schulen in seinem Karate), der Verbreitung des Karate in Japan sowie der Ausrichtung der tödlichen Kampfkunst in Richtung einer Zweckübung zur Schulung der Persönlichkeit.

Die Säulen des Karate Do

Die Säulen des Karate Do bestehen aus dem Kihon, der Kata, dem Makiwaratraining, dem Kumite und dem geistigen Hintergrund. Wer den Beginn bereits eingehend gelesen hat, dem ist aufgefallen, dass es immer um den geistigen Hintergrund und der geistigen Gesinnung geht. Es genügt nicht nur sich mit der Technik zu befassen oder nur so mal schnell eine Kata nach der anderen zu erlernen, sondern man muss lernen zu verstehen. In meinen Augen ist der immer Lernende ein besserer Schüler, als jener der jeden Wettkampf gewinnt. Die geistige Gesinnung hat schon immer eine größere Rolle in den Budosportarten eingenommen, als die Technik. Damit soll nicht gesagt werden, dass die Technik zweitrangig ist, sondern, dass wer an sich arbeitet ein guter Budosportler ist. Gichin Funakoshi hat gelehrt, dass das Hinführen zu einem erhabenen Geist und einer Haltung der Demut das eigentliche Ziel der Kunst sei. Dennoch sollte die Kraft entwickelt werden, um ein wildes Tier mit einem einzigen Schlag niederzustrecken. Dem zufolge sollte man ich bewusst sein, wofür man Karate macht und den Säulen des Karate-Do eine angemessene Bedeutung zukommen lassen. Wer die fundamentalen Techniken nur mal auf die schnelle erlernt ohne sich nicht wirklich damit zu beschäftigen, der wird wohl recht schnell von denen überholt, die lange und intensiv trainiert haben und ein Verständnis für die Techniken besitzen.

Leider ist es bereits zu sehen, dass das Karate immer mehr in den sportlichen Bereich übergeht, da wo Anerkennung durch Wettkampferfolge verliehen wird und nicht der Karateka im Vordergrund des Sports oder besser der Kampfkunst steht.

Die Etikette im Dojo

Oss - Das Grußwort

Der Begriff Oss besteht in der japanischen Schreibweise aus zwei Schriftzeichen. Das erste ist Osu, das die Aussprache des ganzen Wortes beeinflusst. Dieses bedeutet wörtlich stoßen oder drücken. Das zweite Zeichen Shinobu hat die Bedeutung von ertragen, erdulden, erleiden.

Im Karate-Do soll und wird dieses Wort Oss für fast alles benutzt. Übliche Bedeutungen sind Danke, Bitte, ich habe verstanden und wird auch als ein Grußwort zu einem anderen Karateka genutzt. Wird es mit einer Verbeugung ausgesprochen, drückt es Respekt, Vertrauen und Sympathie dem Gegenüber aus oder zeigt dem Sensei, dass das von ihm Gesagte verstanden worden ist. Das Wort "Oss" wird nur zwischen Menschen gebraucht, es wird beim Shomen ni Rei und dem Shinza ni Rei nicht benutzt, sondern nur beim Sensei ni Rei oder dem Otagai ni Rei. Es zeigt einmal den Versuch an, den Weg des Karate-Do beschreiten zu wollen und steht als Dank am Ende des Unterrichts.

Der Gruß Rei

Rei stellt eines der wichtigsten Verhaltensregeln innerhalb des Dojo dar. Der Begriff Rei wird meist mit Gruß übersetzt und hat seinen Ursprung einmal im Wort Kei - Rei (Gruß, Verbeugung) und zum anderen von Rei - Gi (Höflichkeit, Verhalten) ab.
Der Gruß selber besteht immer aus einer Verbeugung und wird mit dem Grußwort Oss begleitet. Rei wird in den verschiedensten Situationen, z.B. beim Betreten oder Verlassen des Dojo, beim An- und Abgrüßen vor bzw. nach dem Training oder beim Partnertraining, angewendet.

Es gibt zwei Arten des Rei, die beide im Karate-Do benutzt werden:
  • Ritsu- Rei: Die Person verbeugt sich im Musubi - Dachi mit angelegten Händen an den Oberschenkeln.
  • Za- Rei: Im Kniesitz werden beide Hände vor dem Körper in Dreiecksform auf den Boden gelegt, sodass sich die Fingerspitzen berühren. Anschließend wird die Stirn zum Gruß in Richtung Handrücken geführt, bis sie sich kurz berühren.
Rei drückt gegenseitiges Vertrauen, guten Willen, Verständnis und Achtung sowie Respekt und Lernbereitschaft aus. Es soll beim Betreten des Dojo zeigen, das der Schüler bereit ist sich weiter zu entwickeln. Es zeigt auch, dass er die Kampfkunst mit allem was dazugehört so akzeptiert wie sie ist. Leider ist vielfach in der heutigen Zeit der Gruß sehr nachlässig oder in einigen Fällen ganz verschwunden.

Im Dojo soll durch Rei die Haltung gegenüber anderen trainiert werden und damit das Verhalten außerhalb des Dojo, also im richtigen Leben, gelenkt werden. Meister Gichin Funakoshi betonte dieses immer aufs Neue:
    "Ohne Höflichkeit geht der Wert des Karate-Do verloren."
Da das Karate-Do eine lebensbezogene Kampfkunst darstellt, weitet sich der Sinn dieses Satzes so weit aus, dass ohne Höflichkeit auch der Wert des Lebens verloren geht.

Der An- & Abgruß

Jeder, der einmal ein Karate-Do Training miterlebt oder gesehen hat, kennt das An- und Abgrüßen vor und nach dem Training. In jedem Dojo wird es praktiziert, allerdings ist es überall leicht unterschiedlich in Form und Dauer. Es gibt im Prinzip nur zwei Basisformen, nämlich einmal den Gruß im Stehen (Ritsu-Rei) und einmal den Gruß im Kniesitz (Za-Rei). Während die Ritsu-Rei-Variante einen "schnellen" Gruß darstellt und überall gleich ist (es wird sich voreinander mit der Grußformel Oss verbeugt), ist der Gruß im Za - Rei doch oft sehr unterschiedlich zu sehen.

Man kann nicht behaupten, dass das eine Dojo es richtig und das andere es falsch macht, sondern es sind jeweils verschiedene Formen, die im Laufe der Zeit von Sensei zu Sensei so überliefert wurden. Um zumindest eine Art darstellen zu können, wird hier die allgemein alt überlieferte Variante des Grußes im Za - Rei dargestellt.

Nachdem sich Meister und Schüler mit dem Gesicht zueinander in den Kniesitz gesetzt haben, wird zuerst ein Moment der Stille, das sog. Mokuso praktiziert. Hier soll sich der Karateka frei machen von allem Weltlichem, allen Ängsten und Problemen des alltäglichen Lebens und seine Konzentration auf das Karate - Do richten. Nach dieser Meditation werden im Allgemeinen drei Grußarten durchgeführt, die jeweils beim An- sowie Abgrüßen in dieser Reihenfolge ausgeführt werden.

Shomen ni Rei ist der erste Gruß, der unmittelbar nach der meditativen Phase ausgeführt wird. Hierbei dreht sich der Sensei (immer noch im Kniesitz) so herum, dass er mit dem Rücken zu den Schülern sitzt und verbeugt sich mit ihnen nach vorne.

Sensei ni Rei ist der zweite auszuführende Gruß. Der Lehrer dreht sich nun wieder zu seinen Schülern um und verbeugt sich zu ihnen, wobei die Schüler selber sich vor ihm verbeugen.

Otagai ni Rei ist der letzte Gruß am Anfang und Ende des Trainings, bzw. ein Gruß innerhalb des Trainings der Übenden zueinander. Dieser Gruß steht als Dank für die Hilfe eines Mitübenden oder auch zur höflichen Begrüßung von mitübenden Gästen im Dojo.

Am Ende eines Training wir dann noch der Dojo Kun aufgesagt, wobei hier der älteste Schüler den Dojon Kun ansagt und alle gemeinsam ihn wiederholen. Nun stehen alle auf und es wird sich noch einmal im Stand verbeugt, wobei hier der Sensei sich zuerst verbeugt und ein deutliches Oss sagt, und darauf die Schüler sich verbeugen und das Oss erwidern.

Sehr bedeutsam für alle Grußformen ist besonders die Ausführungsart, also die ehrliche Absicht den Gegenüber, die Ahnen, das Dojo oder entsprechende Personen zu Grüßen. Ein kurzes Kopf-nicken oder hektisches Verbeugen zeigt genau das Gegenteil eines echten Grußes, denn der zu Grüßende wird hiermit nur zu einem lästigen oder nur für die eigene Person nutzbringendem Subjekt degradiert. Man soll mindestens eine Sekunde die Verbeugung halten und sein Gegenüber dabei ansehen. Es gibt keinen Unterschied im Ritsu - Rei oder Za-Rei.

Auch wenn der Gegenüber nicht immer den optimalen Übungspartner darstellt, so sollten wir dennoch dankbar sein, dass wir mit jemanden trainieren können, und dadurch voneinander lernen können. Denn auch aus Situationen, die uns im ersten Moment nutzlos erscheinen mögen, lernen wir. Und nur durch das Lernen und Akzeptieren können wir einen weiteren Abschnitt auf dem Weg des Karate-Do meistern, und somit für uns und unser Leben eine Bereicherung erfahren.

Teil 2 findet ihr hier.

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