Traditionelles Karate–Do - Teil 2

Teil 1 findet ihr hier.

Der geistige Hintergrund und die Philosophie im Karate-Do

Karate Do ist eine noble Kampfkunst, und jene die stolz darauf sind, Bretter zu zerbrechen oder Ziegel zu zerschlagen oder damit angeben außergewöhnliche Taten zu vollbringen wie Fleisch in Streifen zu reißen oder Rippen herausreißen, verstehen in Wirklichkeit nichts von Karate. Sie spielen herum in den Blättern und Zweigen eines großen Baumes ohne die kleinste Vorstellung vom Baumstamm. - (Funkakoshi, Gichin)

Das höchste Ziel im Karate Do ist nicht der Sieg oder die Niederlage, sondern die Perfektion den menschlichen Charakters. - (Gedicht und Kalligraphie von Funkakoshi, Gichin)

Nach Altem forschen heißt, das Neue zu verstehen.
Dies ist eine Sache der Zeit.
Bewahre in allem klares Denken.
Der Weg, wer vermag ihn geradlinig und treu weiter zu führen? - (Gedicht und Kalligraphie von Funkakoshi, Gichin)

Im Sport gibt es das Element der Zeit, in den Kampfkünsten gibt es nur den Augenblick.
Es gibt keine Wartezeiten ... , Sieg oder Nicht-Sieg, Leben oder Nicht-Leben ?
Das entscheidet sich in einem Augenblick.
In ihm entscheidet sich Leben oder Tod ganz und gar. - (Taisen Deshimaru-roshi)

Die acht Thesen des Karate-Do

  • Der Geist ist ein mit Himmel und Erde.
  • Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel vollziehen sich im Körper nach dem des Wechsels von Sonne und Mond.
  • Der Weg (Do) schließt Härte und Sanftheit ein.
  • Handeln soll man in Überseinstimmung mit der Zeit und mit dem Rhythmus der allumfassenden Wandlungen.
  • Die Meisterschaft kommt nach dem Begreifen des Weges.
  • Das Einhalten der richtigen Distanz ist Voraussetzung für Vordringen und Zurückweichen, für Trennung und Begegnung.
  • Die Augen dürfen nicht die geringste Veränderung in der Umgebung übersehen.
  • Die Ohren lauschen, indem sie die Laute von allen Seiten aufnehmen.

Die Dojoregeln : Dojo Kun

    Hitotsu, jinkaku kansei ni tsutomeru koto
    Eins ist: Vervollkommne deinen Charakter!
    Hitotsu, makoto no michi o mamoru koto
    Eins ist: Bewahre den Weg der Aufrichtigkeit!
    Hitotsu, doryoku no seishin o yashinau koto
    Eins ist: Entfalte den Geist der Bemühung!
    Hitotsu, reigi o omonzuru koto
    Eins ist: Sei höflich!
    Hitotsu, kekki no yu´o imashimuru koto
    Eins ist: Bewahre dich vor übertriebener Leidenschaft!
Diese Regeln wurden vom okinawischen Karatemeister Sakugawa Shungo aufgestellt. Dieser nahm als Grundlage die chinesischen dojokun, welche bis auf Bodhidharma zurückreichen. Die Regeln werden in Japan am Ende eines Trainings vom höchsten Schülergrad, der sempai, aufgesagt und von den anderen Schülern, den kohai, wiederholt. Dann verbeugt man sich erst nach vorne (shomen) bzw. bei Existenz eines kleinen Altars zum Sitz der Ahnen (shinza), dann zum Trainer/ Meister ( sensei) und zum Schluss noch zueinander ( otagai).

Die Schüler- und Meistergradierungen im Karate-Do ( Gürtelsystem)

Im Karate gibt es wie auch in anderen Kampfsportarten einen langen Weg des Erlernens. Dieser Weg beinhaltet verschiedene Stufen und beginnt mit der Form-Stufe (Shu), die den ersten Abschnitt vom Schüler zum Meister (Shu - Ha - Ri) darstellt.

Um das Leistungsniveau in dieser Stufe zu symbolisieren, wurde das Kyu-System eingeführt, das an den verschiedenen Gürtelfarben erkennbar ist. Früher waren es ursprünglich sechs Farben, die auch immer noch Verwendung finden, allerdings sind sie inzwischen in ein neun Kyu-Stufen System eingeteilt worden. Je höher man in diesem Kyusytem vorankommt, desto schwieriger und komplexer werden die Aufgaben, die erfüllt werden müssen. Wie man unten erkennt, werden selbst im Kyusystem noch einige Leistungsunterschiede gemacht.
    Unterstufe:
    9.Kyu (Kukyu) weiß
    8.Kyu (Hachikyu) gelb
    7.Kyu (Shichikyu) orange

    Mittelstufe:
    6.Kyu (Rokukyu) grün
    5.Kyu (Gokyu) blau
    4.Kyu (Yonkyu) violett (blau)

    Oberstufe:
    3.Kyu (Sankyu) braun
    2.Kyu (Nikyu) braun
    1.Kyu (Ikkyu) braun

Meistergradierungen

Erreicht ein Karateka die Stufe des ersten Dan (Schwarzgurt - Kuro - Obi), so wird oft angenommen, dass er nun ein wahrer Meister ist. Das ist falsch, denn der erste Dan zeigt nur, dass der Schüler die technischen Grundlagen erlernt hat. Er verlässt jetzt die Shu - Stufe und kann sich mit dem Geist des Budo befassen.

Wie auch im Kyu-System wird im Dansystem wiederum eine Untergliederung vorgenommen, nur das hier kein farblicher Unterschied mehr erkennbar ist. Jedoch gibt es Kampfsysteme in denen jeweils zum Dan Grad ein farbiger Streifen mehr auf den Gürtel kommt. Ob sinnvoll oder nicht sei dahingestellt.

    1.Grad (Shodan) schwarz ( Suchender nach dem Weg )
    2.Grad (Nidan) schwarz ( Schüler am Weganfang )
    3.Grad (Sandan) schwarz ( Grad des anerkannten Schülers )
    4.Grad (Yondan) schwarz ( Grad des technischen Experten )
    5.Grad (Godan) schwarz ( Grade des Wissens )
    6.Grad (Rokkudan) schwarz ( Grade des Wissens )
    7.Grad (Shichidan) schwarz ( Grade der Reife )
    8.Grad (Hachidan) schwarz ( Grade der Reife )
    9.Grad (Kudan) schwarz ( Grade der Reife )
    10.Grad (Judan) schwarz (rot / weiß) ( Grade der Reife )

Die erste Säule : Kihon

Kihon heißt übersetz Grundschule ( Ki - Kraft, Hon - Wurzel/Ursprung) und stellt die erste Säule beim Erlernen der Techniken dar. Im Kihon werden die Techniken in der Idealform erlernt. Zuerst geschieht das durch das üben von Einzeltechniken und später werden daraus Kombinationen. Im Kihon erlernt man die Tachikata (Gundstellungen), das Tai Sabaki (verschieben des Körpers), die Tsuki Waza (Stoßtechniken), die Uchi Waza (Schlagtechniken), die Keri Waza (Beintechniken), die Ashi Uke Waza (Beinabwehrtechniken), die Ashi Barai Waza und Te- Ude Uke Waza (Abwehrtechniken). Weiterhin werden hier zum Beispiel die physikalischen Eigenschaften, die richtige Körperhaltung, die Kraft und deren richtiger Einsatz, die Ausdauer, die Konzentration, der Geist, die Geschwindigkeit, der Rhythmus, das richtige Atmen, das richtige einsetzen der Hüften und vieles mehr erlernt.

Die zweite Säule : Kata

Die zweite Säule ist die Kata. Kata bedeutet übersetzt Form, Anwendung oder Methode und stellt einen festgelegten Ablauf, eine Folge von Verteidigungstechniken und Angriffstechniken in verschiedene Richtungen dar. Die Kata kann man mit einem Schattenkampf gegen mehrere Gegner gleichstellen. In einer Kata muss die Konzentration der Kraft, die Atmung, die Konzentration, die Körperbeherrschung sowie der Rhythmus stimmen. Jede Kata hat ihren eigenen Rhythmus. Die Kata beginnen immer mit einer Verteidigungstechnik und enden immer an dem Punkt, wo sie begannen. Bevor man die Partnerübungen entwickelte, stellte die Kata die Hauptform des Karate Trainings dar. Sensei Funakoshi betonte immer die Wichtigkeit der Kata. Die Kata stellen auch die Grundlage für die heutigen Karatetechniken dar. Es gibt ca. 50 verschiedene Kata, davon sind einige sehr alt und andere neueren Ursprungs. Jede Kata hat ihre eigene Bedeutung, welches im Bunkai (Kata in Anwendung) zum Ausdruck kommt.

Hier nun die Aufzählung einiger Karate Kata (einige dieser Kata werden z.B.heute im Shotokan-Karate, Fudkan- Karate gelehrt):
  • Taikyoku Shodan
  • Taikyoku Nidan
  • Taikyoku Sandan
  • Taikyoku Yondan
  • Taikyoku Godan
  • Heian Shodan
  • Heian Nidan
  • Heian Sandan
  • Heian Yondan
  • Heian Godan
  • Tekki Shodan
  • Tekki Nidan
  • Tekki Sandan
  • Taiji Shodan (wird im Fudkan gelehrt)
  • Bassai Dai und Bassai Sho
  • Kanku Dai und Kanku Sho
  • Enpi (Empi)
  • Jiin, Jion
  • Jitte
  • Hangetsu
  • Gankaku
  • Sochin
  • Meikyo Shodan
  • Meikyo Nidan (wird im Fudokan gelehrt)
  • Chinte
  • Wankan
  • Nijushiho
  • Gojushiho Dai
  • Gojushiho Sho
  • Unsu

Die dritte Säule : Kumite

Geschichte des Kumite

Bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde im Karate hauptsächlich Kata trainiert. Um die Techniken die in der Kata enthalten waren zu verbessern, trainierte man einzelne Techniken im Kihon. Man wollte auch die Techniken stark machen und somit trainierte man die einzelnen Techniken am Makiwara. Auch Kumite-Übungen dienten nur dazu einzelne Elemente aus den Katas am Partner zu üben. Der Körper wurde nicht berührt, denn es gab die Regel des Sun Dome (1 Sun = 3 cm), welches die Schläge gegen den Körper des anderen in Gedanken um drei Zentimeter nach vorn verlagerten. Dadurch hatten die Meister eine hervorragende Kontrolle über Ihre Techniken und ein sehr gutes Kime. Es ist bekannt das Sensei Funakoshi eine ablehnende Haltung gegenüber des Kumite hatte. Das konnte man erfahren aus seinem Buch "Ryukyu Kempo". Erstmals 1936 erschien das Buch "Karate Do Kyohan" indem Sensei Funakoshi Partnerübungen beschrieb. Es waren die Übungen Ten no Kata Ura, das Sanbon Kumite, Ippon Kumite und das Jiyu Kumite. Funakoshi warnte immer davor, dass das Karate nicht verwässert werden sollte und er begründete in diesem Buch auch die Änderung der alten neuen Schriftzeichen.

An der Entwicklung des Wettkampfkarate waren aber mehrere japanischen Meister beteilig wie Hironori Ohtsuka, einem früheren Schüler von Sensei Funakoshi, Gogen Yamaguchi und als wichtigster Masatoshi Nakayama. Nakayama stimmte mit der JKA die Entwicklung ganz auf das Wettkampfkarate ab. Nakayama war sich immer Bewusst, dass es einige Gefahren für das Karate verbirgt, wenn die Wettkämpfe nur noch im Vordergrund stehen werden und er warnte vor dem Verfall des geistigen Karate.

Ein Karate ohne den Vergleich im Wettkampf-Kumite kann sich wohl heute keiner mehr vorstellen, aber dass unser Karate unter dem Streben nach dem Sieg gelitten hat, ist allen bekannt. Oder warum sind die Karate Lager so zerstritten?

Definition Kumite und die Formen

Unter Kumite versteht man Partner -, oder auch Kampfübungen, bei dehnen die in der Kata und im Kihon erlernten Techniken ihre Anwendung finden sollen.

Nicht immer gab es das Kumite im Karate und wie es entstanden ist, könnt Ihr in der Entstehung des Kumite lesen.

Es gibt zwei Grundformen im Kumite, die da zum einen das Yakusoku Kumite und das Jiyu Kumite wären und es gibt die Sonderformen.

Yakusoku Kumite beinhaltet folgende Formen:

Kihon Kumite
Das Kumite wird im Stand ausgeführt, indem beide Partner im Yoi stehen. Es geht hierbei um das Erlernen von Distanz und Timing sowie der richtigen Etikette. Es werden eigentlich vom Angreifer nur Zukis gemacht und vom Verteidiger nur die im Kihon erlernten Blocktechniken geübt.

Tanren Kumite
Tanren Kumite ist der Oberbegriff für das :

Gohon Kumite
Hier geht der Angreifer fünf mal vorwärts mit demselben Angriff und der Verteidiger geht fünf mal zurück mit dem selben Block. Am Ende macht der Verteidiger einen Konter.

Sanbon Kumite
Hier geht der Angreifer dreimal vorwärts. Nun kann man dreimal die gleiche Technik im Angriff und dreimal den gleichen Block machen oder man ändert bei jedem Angriff die Technik und so auch die Blocktechniken des Verteidigers.Nach der letzten Angriffstechnik wird einer Konter macht.

Kihon ippon Kumite
Hier wird einmal angegriffen, geblockt und gekontert.

Kaeshi ippon Kumite
Hier wird in der Reihenfolge Angriff, Abwehr und Angriff wechselseitig angegriffen. Es gibt auch hier wiederum verschiedene Möglichkeiten. Wenn der Angriff Jodan kommt, dann wird auch wieder mit derselben Technik Jodan angegriffen oder man kann den zweiten Angriff mit der selben Technik Chudan machen, oder gar eine andere Technik in einem anderen Bereicht anwenden. Der Angreifer wird zum Verteidiger und nach dem Angriff erfolgt eine Abwehr und ein Konter.

Jiyu ippon Kumite
Halbfreier Kampf bei dem der Angriff nur einmal ausgeführt wird und die Abwehr und er Gegenangriff frei gewählt werden können.

Okuri Kumite
Hier wird in folgender Reihenfolgen vorgegangen: Angriff /Abwehr mit Konter, dann erneuter Angriff durch den Angreifer. Beim ersten Angriff durch den Angreifer wird der Angriff angesagt und beim zweiten Angriff durch den Angreifer nicht mehr.

Oyo Kumite
Oyo Kumite bedeutet, dass mehrere Angreifer aus verschiedenen Richtungen angreifen.
Es gibt zwei Übungsformen:

Kata Kumite
In dieser Form muss der Verteidiger eine Kata ablaufen und die Angreifer führen die Angriffe so durch, dass der Kata-Ablauf eingehalten werden kann.

Happo Kumite
Gegen mehrere Gegner, welche aus verschiedenen Richtungen angreifen( happo heißt acht Richtungen). Die Angriffe können vorgegeben werden oder frei sein.

Jiyu Kumite beinhaltet folgende Formen:

Renshu Kumite
Das Renshu Kumite ist ein Spiel mit dem Partner, bei dem man miteinander und nicht gegeneinander üben soll.Hier soll die Technik durch Sicherheit und Intuition auf einer Grundlage des Vertrauens erlernt und ohne Kontakt erprobt werden.

Shizen Kumite
In diesem Kumite gibt es keine Regeln und keine Beschränkung der Techniken. Somit kann man hier Wurf- und Hebeltechniken, Kata Anwendungen und vieles mehr üben. Es soll auch keine Konkurrenz zwischen den Übenden herrschen und man muss das Shizen Kumite als mehr als Spiel betrachten.

Tanshiki Kumite
Hier handelt es sich um eine Form des Übungskampfes, wobei man nur Hand oder Fußtechniken erlaubt. Bei der Ausführung von Fußtechniken, kann der Trainer bestimmen wo sich des Schülers Arme aufhalten dürfen. Man kann auch die Angriffsstufen (Jodan, Chudan, Gedan) beliebig vorschreiben.

Shobu Kumite
Shobu Kumite bedeutet „Spiel" und in anderen Kampfsportarten nennt man es Randori.
Man unterteilt das Shobu Kumite in:

Shiai Kumite
Das ist der ernste Kampf und es gibt keine Regeln. Man kann hier anwenden was man gelernt hat. Hier gilt der Grundsatz „mit einem Schlag Töten". Nun, das entspricht zwar der Entstehung des Karate, aber ist heute wohl doch überholt.

Kyogi Kumite
Das Kumite entspricht dem sportlichen Wettkampfgeist und hat Regeln, die ernsthaft eingehalten werden müssen.

Jissen Kumite
Jissen Kumite bedeutet „tatsächlicher Kampf". Hier gilt die innere Einstellung "mit einem Schlag töten" ohne es wirklich umzusetzen. Es gibt zwei Übungsformen :

Goshin Kumite
In diesem Kumite werden die Selbstverteidigungsaspekte trainiert ( Goshi bedeutet: Selbstverteidigung) Hier werden die Elemente aus den Kata mit der Gesamtheit Ihren Bedeutungen geübt. Es können also Hebel, Würfe und Griffe ausgeübt werden.

Bogu Kumite
Hier kämpft man mit Schutzausrüstung und damit ist die Ernsthaftigkeit dieser Kumite Form bereits erläutert.

Sonderformen des Kumite sind:

Heiko Ho Kumite
In diesem Kumite darf man nur auf der Stelle in der Stellung Heiko Dachi stehen. Sobald man die Stellung aufgeben muss, beginnt das üben von vorn. Hier kann kombinieren zwischen: nur mit Hand-, Fuß- oder Hand- und Fußtechniken, je nach dem Leistungsstand des Übenden.

Ippoido Ho Kumite
Hierbei darf man einen Schritt in alle Richtungen ausführen, aber man sollte sofort wieder zurück in die Ausgangsstellung Heiko Dachi gehen. Diese Übung kann trainiert werden wie das Heiko Ho Kumite.

Shikake Kumite
Hier wird ausschließlich der Angriff geübt (sen no sen). Durch Finten, Pendel und der gleichen soll man erlernen zum Sieg zu kommen. Derjenige der im Kumite angreift wird als Shikake bezeichnet.

Machi Kumite
Hier wird ausschließlich die Verteidigung geübt (go no sen). Der der gegen sich den Angriff erhält, wird als Machi bezeichnet.

Awase Kumite
Das Kumite muss in Zeitlupe ausgeführt werden und man sollte immer darauf achten, dass man nicht schneller wird. Hier kann man alle erlernten Techniken anwenden, aber nur ganz langsam.

Das Makiwara – Training

Allgemeine

Das Üben an der Makiwara ist die Seele des Karate und sollte auch nicht einen einzigen Tag unterlassen werden. Es dient nicht nur der Kräftigung der Körperteile, die zum Schlag oder Stoß benutzt werden, sondern man lernt auch die Kraft des gesamten Körpers im Aufschlag auf die Faust zu konzentrieren. Es ist auch ein guter Weg, ein Gefühl für den Abstand zum Ziel zu entwickeln. Die Elastizität des Holzes ist das Wichtigste, um Verletzungen vorzubeugen und eine gute Kraftentwicklung des Körpers zu erzielen.

Man kann Pratzen, einen Sandsack, Medizinbälle und vieles mehr zum trainieren nutzen. Wichtig ist es, dass Hilfsmittel nicht zu hart und zu steif, sondern elastisch und etwas weich sind. Die Übungen sollten ausdauernd und stetig sein, nicht übereilt, und die Kräftigung des Körpers muss schrittweise vor sich gehen. Ein zu schnelles, zu plötzliches oder zu häufiges Schlagen auf die Makiwara führt zu Gelenkverletzungen, Platzwunden, Muskel- und Sehnenschäden.

Hinweise für Kinder und Jugendliche

Kindern und Jugendlichen ist ein hartes Makiwara -Training nicht zu empfehlen, da sich der Köperbau noch in der Entwicklung befindet. Dennoch brauchen sie nicht auf das Makiwara - Training verzichten, denn das Schlagen und Treten sollte hier mit freien Zielen durchgeführt werden. Dazu dienen zum Beispiel Gummibälle, die wegfliegen können oder kleine Sandsäcke, die mit Papier gefüllt sind, aber auch Handpratzen oder einfach nur der Gürtel sind gute Trainingshilfen für unseren Nachwuchs.

Das Training

Man beginnt in der Regel mit dreißig Schlägen pro Seite, die nach und nach auf einhundertfünfzig und später vielleicht sogar auf dreihundert gesteigert werden können. Man kann sich auch am Anfang die Gelenke mit Hilfe von Bandagen stabilisieren, um das Verletzungsrisiko zu mindern. Wichtig ist, dass man sich kein Zeitlimit setzt, um die Übung durchzuführen. Langsamer und weniger ist hier besser!

Die Fallschule im Karate

Die Fallschule gehört in das Karate-Training wie das Makiwara - Training. Wer die Wurftechniken ausüben möchte, der benötigt die Fallschule, um die Verletzungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Viele praktizieren den Wettkampfsport und andere ein Kumite - Training. Auch die Karateka, die sich nur mit der Ausübung von Kata beschäftigen, ist es bestimmt schon aufgefallen, dass in den Kata Wurftechniken vorkommen. Auch im Selbstverteidigungstraining besteht die Möglichkeit, dass man zu Fall gebracht wird.

Hebeltechniken im Karate

Hebeltechniken kommen im Karate ebenso vor, wie Wurftechniken. Dennoch wird oft auf das üben von Hebeltechniken verzichtet, obwohl in einigen Kata die Anwendung sich auf eine Hebeltechnik beruft. Außerdem ist Karate auch eine Selbstverteidigungskampfkunst mit der man sich verteidigen können müsste. Wie die Fallschule, das trainieren von Würfen, sind auch die Hebeltechniken ein kleines Stiefkind in unseren Dojos.

Und deshalb stelle ich hier mal einige Hebeltechniken vor wie den Daumenhebel, den Genickhebel, den Handkipphebel, die Armhebel und die Beinhebeln.

Es gibt bei den Hebeltechniken einiges zu beachten. Wie zum Beispiel, dass man die Hebel immer nur sehr langsam durchführt und der Partner rechtzeitig zu gibt, dass der Hebel Wirkung zeigt und das man Hebel nicht im Wettkampf anwenden darf.

Karate-Do und das Kraftsporttraining

Im Karate-Do wird viel Wert gelegt auf Schnelligkeit und saubere Techniken. Durch Liegestütze, Rumpfbeugen, dem Makiwaratraining wird der Körper immer im Ganzen trainiert. Es ist empfehlenswert mit Hanteln seine Muskulatur weiter zu entwickeln, wie durch Schlagtraining mit leichten Kurzhanteln (gut für die Schultermuskeln und den gesamten Armbereich), Rumpfbeugen an einer Maschine, das Beintraining an der Presse und vieles mehr. Die Kombination aus Karate-Do und Kraftsport funktioniert bestens.





Quellen:

  • Gichin Funakoshi : Karate-Do, Mein Weg
  • Gichin Funakoshi : Karate-Do Kyohan : The Master Text
  • Werner Lind : Klassisches Karate-do
  • A.Pflüger : Die 25 Shotakan Kata
  • Masatoshi Nakayama: Karate perfekt alle Teile
  • Hidetaka Nishiyama & Richard C. Brown : Karate - Die Kunst der leeren Hand
  • Herbert Velte und Klaus Dieter Matschke : Großes Budo Kampfsport Lexikon
  • Prof. Dr. I. Jorga : Traditional Karate-Do FUDOKAN
  • Die ehemalige Homepage von Nikko-Dojo

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