Falsche Vorstellungen

Die Trainer-Athlet-Beziehung und deren Konfliktpotential (II)

Willkommen zum zweiten und letzten Teil meiner Artikelreihe Trainer-Athlet-Beziehung und deren Konfliktpotential. Ich befasse mich im Folgenden mit den Themen der genetischen Disposition und den daraus resultierenden Möglichkeiten einer Trainer-Athlet-Beziehung; den Umgang mit gesellschaftlichen Kritikpunkten der eigenen Leistungsbereitschaft und der Frage "Erfahrung über Wissenschaft?".
Viel Spaß beim Lesen!

Wo stehe ich - was ist möglich?

...sind wohl Fehden jener Diskussionen, die der Trainer nicht von Anfang an gewinnen kann und sollte, sodass die Ernüchterung seitens des Athleten meist erst nach etlichen Stunden des Gespräches kommt.

Viele Athleten, auch jetzt im großen Spektrum der gesamten Sportarten betrachtet, wissen nicht, was sie vermögen zu erreichen. Meistens läuft es anfangs auf ein zu viel; zu weit; zu hoch hinaus. Später im Laufe der Trainingsjahre tendiert es mehr (je nach Gesprächslage mit Trainern und Informationen des Athleten) zu einem weniger. Oder der Athlet ist sich doch tatsächlich bewusst, wo er hinkommen könnte, was nicht zuletzt einer guten Talentdiagnostik / Zieldiagnostik geschuldet ist, die der Trainer, meist aber externe Trainer, ausüben, beziehungsweise diverse andere Personen in Absprache mit dem Trainer halten. Nichtsdestotrotz obliegt dem Trainer die eigentliche Aufgabe festzustellen, wozu der Athlet taugt.
Hier entsteht eine Menge Zündstoff. In Fall Eins weiß der Athlet nicht, wozu er im Stande ist und möchte Kenntnis erringen über die tatsächlichen Gegebenheiten. Er fragt also den Trainer und bekommt meist die ernüchternde Antwort, dass sein Wunschziel nicht mit den realen Möglichkeiten übereinstimmt. Damit hat sich im eigentlichen Sinne die Diskussion erledigt, doch kann der Athlet im schlimmsten Fall den Sport aufgeben, weil er denkt, dass er zu nichts im Stande sei. Nicht jeder kann 400 kg heben, oder 200 kg reißen. Ich habe schon einige gesehen, die deswegen aufhörten, traurig! Das sind Sachen, die weiß ein Anfänger nicht. Also wie bringe ich es im schonend bei? Oder reicht die harte Tour? Als erstes muss die Frage gestellt werden, wie man nach welchem Ziel vorgehen soll. Wenn der Athlet A-Kader Ambitionen hat, und nicht mal ansatzweise dafür geeignet ist, kann die Enttäuschung, insofern die treffenden Aussagen angenommen werden, sehr groß ausfallen. Natürlich spielt hier auch die Charakterstärke des Athleten mit rein, aber er wird wohl kaum bei solch hohen Ambitionen sagen, dass er sich halt ein anderes Hobby sucht. Und weil diese Dementi katastrophale Folgen beim Athleten ausüben können, sollte man als Trainer nicht mit der Brechstange voran gehen und dem Athleten innerhalb von 10 Minuten das "Aus" erklären. Er, der Sportler, kann die Sportart zwar nicht hauptberuflich ausüben, aber dennoch kann er den Spaß an der Sportart weiterbehalten und immer wieder neu erfinden. Letztendlich ist es auch kein Anliegen des Trainers seine Kunden zu verscheuchen. Und jede 2. Woche einem neuen Schützling die Meinung zu geigen (obwohl sie oft richtig erscheint).

Ich hatte selbst früher die Vorstellung (völlig abstrus eigentlich, wie es mir jetzt erscheint), dass ich wie einer der Profibodybuilder aussehen könnte. Ich hatte mehrere Trainer. Ein Glück hab ich über solche "Ambitionen" mit meinem zweiten Trainer nie gesprochen. Mein erster war schon hart in seinen Aussagen. Man möge sich jetzt vorstellen, wie ein 80 kg Anfänger mit 195 cm Größe auf dem Desktop an der Studiorezeption dem Trainer ein paar Bilder von Ronny Rockel und Co. Zeigt.
Die Antwort war wirklich sehr ernüchternd.

Es gibt aber auch als weiteren Fall die Wahrscheinlichkeit, und diese ist bei Anfängern sehr gering, dass sie sich verschätzen und denken, sie würden immer ein Hungerhaken im Bodybuilding bleiben. Eigentlich der typische Hardgainer-Ansatz, wie manche jetzt bemerken werden. Es gibt nebenbei gesagt, eigentlich fast nur diese zwei Extreme: entweder zu ambitioniert oder zu deprimiert. Nüchterne, realitätsnahe Anfänger kann es eigentlich nicht geben. Man könnte meinen, dass ein Sportler, der Feuer und Flamme für sein Sport ist, immer ein Extrem annehmen wird. Sportler, emotional geladen und verliebt in das "Projekt", treffen nahezu nie kausale Aussagen.

Der Deprimierte, so nenne ich ihn jetzt, muss im schlimmsten Fall jeden Tag aufs Neue zu seiner Tätigkeit ermuntert werden. "Aber ich esse doch schon so viel!"; "Ich trainiere doch schon 10 Sätze Bizepscurls alle zwei Tage!"; "Ich renn doch schon jeden Tag ins Fitnessstudio und nehme trotzdem nicht ab!", sind Aussagen die man kennt. Wahrscheinlich weiß der Leser, wen ich mit der letzten Aussage gezielt anspreche. Und genau dieses Pendant ist höchstwahrscheinlich dazu geschaffen, deprimiert über die eigenen Erfolge zu sein. Während Männer eher zum anderen Extremum tendieren, und zu viel von sich erwarten, von den eigenen Möglichkeiten...
Dies müsste eigentlich einen separaten Artikel verdienen, ich werde aber trotzdem kurz und knapp versuchen die optionalen Trainerverhalten bezüglich einer solchen Prägung des Schützlings zu erläutern.
Wesentlich muss der Trainer geduldig sein, wenn er es in gewissermaßen nicht schon grundlegend sein sollte. Ein solcher Fall brauch Zeit. Ein mir nahestehender Trainer hat beispielsweise eine Athletin im Abnehmen instruiert und angeleitet. Dies geschah immer Mittwochs, also hatte er knappe 90 Minuten Zeit die grundlegenden Sachen durchzuexerzieren und auf die Regeln einer Diät einzugehen. Sie hatte dazu einen extrem lahmen Stoffwechsel, der erst mal selber 6 - 8 Wochen brauchte, um in Schwung zu kommen. Nach diesen 6 - 8 Wochen ging es wirklich zäh voran. Man traf sich ja schließlich nur ein Mal die Woche. Das heißt auch, dass man die Athletin nicht überprüfen konnte während der restlichen Woche. Ging sie regelmäßig zum Sport? Aß sie das, was sie sollte und nicht Süßigkeiten, Fast Food und Co. wie sie es vor Beginn tat? Hat sie irgend etwas falsch gemacht, hat man es frühstens! nach einer Woche bemerkt, beziehungsweise erzählt bekommen, wenn man denn die richtigen Fragen gestellt hat. Ende vom Lied war, dass sie über ein Jahr gebraucht hatte mäßig abzunehmen. Für die meisten wäre das noch kein großer Schritt gewesen, für sie war es "one giant leap for mankind". Sie hat es geschafft von "völlig ungesund zu essen" auf "wie ernähre ich mich halbwegs normal". Dazu hatte sie jetzt mindestens einmal Sport die Woche und das regelmäßig. Für den Durchschnittsbürger ein enormer Schritt (für uns eigentlich lächerlich leicht, aber so schwer und zäh kann sich diese gummiartige Masse der Disziplin ziehen. Und dementsprechend geduldig muss der Trainer sein.).

Zu dieser außerordentlichen Fähigkeit der Geduld gesellen sich unter anderem die Unvoreingenommenheit gegenüber anderen, speziell bei "nicht trainierten" Frauen, es zählen aber auch eine hohe Sachlichkeit und die Fähigkeit zur Reduzierung des Leistungsdruckes. Letzteres ist sehr wahrscheinlich anzutreffen bei Sportlern dieser Art. Es muss stetig im gleichen Fluss Gutmütigkeit und Freundlichkeit herrschen, aber auch mit einer Brise Ernst muss an die Sache herangegangen werden. Es nützt wie gesagt nichts, den Leistungsdruck, den solche Personen haben, zu unterstützen, und wahrscheinlich äußern sie nicht nur beim Sport solch ein Verhalten. Deshalb sollte das Training von Beginn an ein Erfolg sein. Wie man das gestaltet ist egal. Man kann mit der Einstellung erst einmal herangehen: Hauptsache etwas wird gemacht. Denn mit größerer Wahrscheinlichkeit werden diese Sportler bei rücksichtslosen Hardcoretraining innerhalb der ersten Stunden mit Muskelkater zum Erbrechen nicht lange bei diesem Trainer bleiben. Ich denke auch, dass der ein oder andere solche Erfahrungen selber oder aus dem Nicht-Sportler-Bekanntenkreis schon erlebt habt. Denkt nur an eure Eltern, wie oft sie schon mit dem Sport begonnen haben, und doch das Trainingshandtuch warfen, weil es einfach nicht schnell genug ging, zu hart war und kein Spaß machte. Die Kunst ist, die kleinen Erfolge bei jeder Trainingseinheit, aber auch im Alltag, beispielsweise beim Essen, zu großen Erfolgen zu machen. Damit kann und wird man erst langfristig beim Athleten, Sportler oder Kunden etwas erreichen - eine langfristige positive Perspektive dem Schützling eröffnen - das ist das Ziel!

Akte: Bankdrückerin April

Zusammen mit den genetisch determinierten Voraussetzungen eines jeden Sportlers, steht manchem Trainer und Athleten die Frage, wie weit man es tatsächlich bringen kann und möchte, und was man dafür bereit ist zu geben.

Ich versuche im Folgenden bewusst die direkte Stoffdiskussion zu umgehen. Es ist selbstverständlich, dass bei manchen Athleten das "Möchte" nicht in Frage kommt. Andererseits hat der ein oder andere ein Talent, was ausnahmslos ist, und wenn dieses Talent sogar im geliebten Sport angesiedelt ist, kommt es langsam zu der Frage: "Was möchte ich erreichen". Fernab von der Leistungsdiagnostik und Talentdiagnostik muss man dafür schon prinzipiell einige Jahre an Training in Kauf nehmen, um überhaupt die Erfahrung und Aussagekraft dieser Entscheidungen zu gewinnen. Ist der Zeitpunkt gekommen, gilt es abzuwägen. Dieses Dilemma entscheidet grundsätzlich der Athlet für sich selber, es geht schließlich um seine Zukunft, und nur indirekt um die des Trainers. Aber zuträglich für das Treffen dieser Entscheidung spielt der Trainer eine maßgebende Rolle. "Kann ich persönlich behaupten, dass mein Schützling es tatsächlich bis dahin durchsteht, schafft er es bis zu Spitze rein vom psychologischen Aspekt her?", "Will ich ihn selber auch tatsächlich diesen langen Werdegang begleiten, kann ich behaupten, dass ich das Know-How dafür tatsächlich habe?" oder "Wie kann ich meinen Athleten davon überzeugen, sein Talent nicht zu verwerfen?" sind Fragen, die vor dem geistigen Auge des Trainers schweben. Es kommen auch viel mehr Aspekte zum tragen, dies sei aber nur ein kleiner Ausschnitt.

5 fundamentale Probleme stellen sich, wenn die Frage der Würdigkeit einer Leistungssportlerkarriere aufkommt:
  1. Was möchte der Athlet / Trainer?
  2. Hat der Athlet rundum das Potential (nicht nur physisch) den Weg erfolgreich zu bestreiten?
  3. Ist der Trainer kompetent genug, dem Athleten erfolgreich zur Seite zu stehen?
  4. Wie ist die Unterstützung in seinem Umfeld?
  5. Ist es und inwieweit ist es finanzierbar?
Ich belasse es im weiteren Verlauf bei dieser Aufzählung und gehe mehr auf die entstehenden Konfliktsituationen ein. Im Thema "Frauen nähern sich der magischen Grenze!" wurde von einer Kraftsportlerin namens April berichtet, die wahrscheinlich in nächster Zukunft die Möglichkeit hat, wettkampfgültig 200 kg raw, also ohne unterstützende Ausrüstung, auf der Bank zu drücken. Manche Leser werden jetzt erschreckend feststellen, dass ihr tatsächliches Maximum im Bankdrücken wie meines darunter liegt. Und sie stellen sich gleich anschließend die Frage, wie das denn möglich sein soll und kommen wahrscheinlich auf eigene Lösungsstrategien. Nachdem der geneigte Leser sich auch einige Wettkampfvideos der Aspirantin angesehen hat, wird er wohl auch teilweise ähnliche Gedankengänge erfahren, die einige in diesem Thema gepostet haben.

Man erkennt, dass Menschen bereit sind alles gesellschaftlich Verpönte auf sich zu nehmen, um einen gewissen Grad oder Titel zu erringen oder zu halten. Wo entstehen nun Probleme, die der Trainer oder die Athletin nicht sehen? Zumindest müssen ja ersichtliche Probleme bei manchen Postern bestehen - nicht selber bei Ihnen, viel mehr bei der Athletin, oder nicht?
Ich möchte für mich reden: Wenn Menschen ein Ziel haben und dies tatsächlich über allem überordnen, sich die exorbitante Mühe geben, die dahinter stecken muss und alles Menschen-Erdenkliche dafür tun, die Voraussetzungen für das Gelingen zu schaffen, dann akzeptiere ich ihre Einstellung, insofern sie keinem anderen schaden (und dies ist eine sehr, sehr wichtige Anmerkung). Gleichzeitig ist es auch ein Schaubild für die Charakterstärke ein Ziel unter bescheidenen Möglichkeiten (sie ist eine Frau!) zu erreichen. Wenn sie eine Art Trainer hat, wird sie wohl mit ihm einige Stunden Gesprächsstoff über ihren Werdegang erörtert haben. Es kann aber auch sein, dass der Trainer an sie heran trat und sagte, dass sie das Potential zu 200 kg Bankdrücken hat. Andersherum kann es sich genauso ereignet haben: Dass sie sich an den jeweiligen Trainer wendete und ein Wunschziel äußerte und nach den Bedingungen dafür fragte (ich denke in diesem Augenblick gerade an meine damalige Diskussion mit meinem Trainer und den auf dem Bildschirm flackernden Bodybuildern).

Es ist wirklich ein schwieriges Thema, und man muss aufpassen, dass einem als Beobachter kein unpassendes Wort über die Lippen fährt. Sie wird wahrscheinlich im Alltag genug Hohn und Spott erfahren, der ihrer Leistung nicht gerecht wird. Sie hat es nicht verdient, konnte sich aber schon im Vorfeld ausmalen, dass für solche eine Leistung und den damit verbundenen Entbehrungen, die Gesellschaft nicht viel übrig hat. Ähnlich urteilt man doch selber auch schnell über magersüchtige gymnastische Tänzerinnen, über fette Gewichtheber, über hässliche Sumoringer oder einfach über die Dicke aufm Cardiofahrrad, die genau dort hingehört. Es ist doch so, oder? Hat sie es also verdient? Sie wusste ja, was sie erwartet. Sie kann ja selber mit der Dummheit; mit der Ignoranz der Gesellschaft rechnen, und es als Unwichtig abtun. Vielleicht denkt sie auch genauso, wer weiß.
Es ist ja nicht mal so, dass sie außergewöhnlich aussieht. Wenn man ihre Erscheinung mit dem Durchschnittsmenschen aus Deutschland vergleicht, ist sie etwas fülliger, und sie sieht männlicher als die Durchschnittsfrau aus. Vergleichend mit den 60 % Übergewichtigen in Deutschland, fällt das kaum auf. Vergleichend mit einem Mann mit weiblichen Erscheinungsbild: Wer ist allgemein-betrachtet schöner? Hat dieser jetzt irgend einen markanten Unterschied?
Ich möchte damit nur zum Nachdenken anregen.

Letztendlich deutet eine erfolgreiche Sportlerin in ihrer Darstellung an, dass die kleinen Zimperleien, die so manch anderer an ihr sieht, nicht die Oberhand im Duell der Vorurteile gewonnen haben, es deutet darauf hin, dass April mit sich im Klaren ist und die zwischenmenschlichen Beziehungen zu Trainingskollegen und/oder Trainer auf einer Harmonie basieren, die ihrer Trainings- und Lebenseinstellung nur zuträglich ist - Und sie sich vor allem nicht in der Erreichung ihres Zieles beirren lässt!

E(h)rfahrung über Wissenschaft?

Diese leidige Diskussion ist nahezu Bestandteil jeder Auseinandersetzung im sportlichen Darsein. Erst vor kurzem hatte ich wieder ein kleines Streitgespräch mit einem befreundeten 70-jährigen Trainer aus meinem Studio. Diskussionsanstoß war die Beinstellung und Rückenstellung während der Ausführung eines bodybuilding-gerechten Bankdrückens. Meine Sicht der Dinge beschränkte sich darauf gezielt alle Stabilisation, die nicht nötig ist, auszuschalten, um den Brustmuskeln und den Schultergelenken das austarieren und die Reizsetzung zu ermöglichen. Je mehr ich den ganzen Körper stabilisiere, umso höher das Arbeitsgewicht, umso prozentual weniger das Arbeitsgewicht der Brustmuskeln - meine Begründung. Dazu unterstützte ich meine These mit der Beibehaltung der natürlichen Lordose der Lendenwirbelsäule. Er begründete seine Sicht mit der Belastung der Lendenwirbelsäule, sodass eine kleine Spannung durch Rücken und Bauch aufrecht gehalten wird, um keine Bewegung der einzelnen Wirbelkörper und damit Fehlbelastungen zu provozieren, so sah er es jedenfalls nicht bei mir. Dazu solle man auch die Wirbelsäule möglichst während des Drückvorgangs stark begradigen, um zusätzliche Stabilität nebst dem unterstützenden Stand zu generieren.

Wer hat nun Recht?

Seiner Kompetenz zuträglich ist seine jahrezehntelange Erfahrung im Bereich Wirbelsäulenprävention und -rehabilitation. Ich habe demnach nicht mit irgendwem geredet. Er hat schon vielen Patienten zu neuer Stärke verholfen und Schmerzen gelindert, sowie den Alltag von Schmerzpatienten, gerade älteren Personen, erleichtert. Man könnte also meinen, dass man mit der Erfahrung höchstpersönlich gesprochen hat.

Andererseits begründete ich ihm mein Wissen anatomisch, um eventuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Daher müssten wir doch eigentlich prinzipiell auf einen gemeinsamen Nenner kommen, oder?

Ich denke hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Nach langem Überlegen bin ich der Überzeugung, dass wir beide irgend wo recht haben, aber viel mehr hat mich der Umgang miteinander während des Gespräches interessiert, auf den ich eher meine Konzentration legte.

Anfangs kam er mitten in meinen PITT-Satz "hereingeschneit" und sagte, dass ich mit meiner Sportkenntnis eigentlich wissen müsste, wie richtiges Bankdrücken auszusehen hätte, und dass ich der Einzige wäre, der so trainiere. Dabei blieb er stets freundlich.
In der Diskussion lies er mich meinen Standpunkt begründen, ging aber auf meine Sicht der Dinge nur teilweise ein. Schließlich meinte er, dass ich das noch lernen werde, was er mehrmals betonte.
Wir gingen aber aus dem Gespräch mit seiner Bemerkung, dass es ihn freut auch mal tiefgründigere Gespräche über den Sport zu führen, was ihm viel Spaß bereitete.

In das Gespräch hätte er nicht anders einsteigen können, da ihm PITT-Force wohl nicht geläufig ist, das erwartete ich von ihm auch nicht. Seine Intention war es, mich lediglich auf mein nach seiner Fassung, Fehlverhalten aufmerksam zu machen, was ich ihm hoch anrechne. Dies geschieht aber seitens der Trainer nicht häufig, nur bei ihnen bekannten Personen, da viele schlechte Erfahrungen mit ignoranten Trainierenden gemacht haben. Natürlich kann man jetzt als Hardcore-Athlet sauer sein, weil einem der Trainingseffekt des PITT-Satzes teilweise flöten ging, und den Trainer zur Sau machen, da er das nicht gerochen habe. Ich hab ihm zugehört, wollte sogar, dass er nochmal genau hinschaut, wie ich drücke, um meine Meinung zu untermauern.
Andererseits bemängele ich irgendwo sein Verhalten während des Gespräches, da er nur aus seiner Erfahrung schilderte, mir zwar im Fachsimpeln interessiert zu hörte, lediglich aber nur auf seine Grundspannung hinaus wollte. Wahrscheinlich hat sich sein Wissen so redundant geprägt, dass jegliche Erklärungen diesbezüglich vergessen wurden, was meiner Meinung nach nicht passieren hätte dürfen. Für den Normalbürger reicht die einfache Anweisung „Grundspannung“, für den Mehr-Interessieren aber nicht. Folgend äußerte er dann nach etlichen Nachfragen, dass „ich wohl alles besser wüsste“, dies aber im netten Ton.
Schlussendlich gingen wir im Guten aus dem Gespräch, was wohl unserem beiderseitigen Verständnis gegenüber geschuldet ist. Ich beachtete sein hohes Alter und den damit verbundenen Erfahrungswissen, was er mir entgegenbrachte, und er beachtete meine Person, ohne seine Meinung aufzuzwingen, schließlich hatte ich auch etwas zum Gespräch beizutragen, was ihn interessierte. Das Gespräch umfasste letztendlich die Grundspannung des Rücken und Bauches, welche vorherrschen muss, um eine Überbeweglichkeit und unverhoffte Kraftspitzen auf die Wirbelsäule zu vermeiden, und damit ging ich mit ihm d'accord.


Ich hoffe, Euch hat mein kleiner Ausflug in die Welt der Konflikte zwischen Trainern und Athleten, sowie anderen außenstehenden Personen gefallen und ihr konntet einiges mitnehmen. Ich hoffe auch, dass ich Euer Interesse für dieses schwierige Thema wecken konnte, nicht zuletzt ist es Bestandteil jedes menschlichen Verhaltens und man wird Ausschnitte auch immer wieder in anderen Situationen wiederfinden.

Ich bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit!

Mit sportlichen Grüßen

Maars - der Wüstenplanet

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