Keine gute Idee!

Training mit Schmerzmitteln

Zwicken in der Schulter, ein murrendes Handgelenk oder ein Knie, das sich beim Beintraining immer mal wieder meldet und das Training einschränkt: Viele Trainierende, die über Jahre hinweg schwer und intensiv trainieren, werden eines der genannten Szenarien in der Vergangenheit sicher schon einmal erlebt haben. Während die eine Gruppe an Kraftsportlern und Bodybuildern in solchen Fällen Belastungen vermeidet und die betroffenen Bereiche so gut wie möglich schont, gibt es aber auch nicht wenige Sportler, die zum Schmerzmittel greifen. Hier ein Ibuprofen, dort eine Paracetamol oder auch ein Aspirin, um im Training die Muskeln maximal belasten zu können. Doch wie funktioniert das Ganze und wie schädlich ist das Vorgehen möglicherweise?

Foto: Matthias Busse

Die Entstehung von Schmerzen und die Wirkweise von Schmerzmitteln


Um dies zunächst zu verstehen, muss man sich der Ursache bewusstwerden. Wenn Verletzungen im Gewebe entstehen, wird der Botenstoff Prostaglandin produziert. Dieser dockt an die Schmerzrezeptoren der Nervenenden im Gewebe an, so dass im Gehirn entsprechende Signale wahrgenommen werden. Aspirin, Ibuprofen und Paracetamol sind allesamt nicht-opiode Schmerzmittel und blockieren diesen Vorgang. Dies gelingt, indem sie das sogenannte Cox-Enzym hemmen, das die Grundlage für die Prostaglandin-Bildung darstellt. Daher werden diese Medikamente auch als Cox-Hemmer betitelt.

Dieser Artikel ist einer von 66 Punkten aus dem Buch Biohacking für Bodybuilder, Fitness- und Kraftsportler, das es auf Amazon zu kaufen gibt.
Dabei muss allerdings bedacht werden, dass zwischen Cox-1 und Cox-2 unterschieden wird und nicht alle genannten Medikamente auf die gleiche Weise wirken. Während Cox-1 sich vor allem in Magenwand und Nieren befindet, erfüllt Cox-2 die genannte Aufgabe der Schmerzerzeugung in verletztem Gewebe. Aspirin und Ibuprofen wirken nun nicht nur auf die Cox-2 und unterdrücken damit den Schmerz, sondern auch auf die Cox-1 und können bei häufigem und langfristigem Konsum zu Problemen mit dem Magen-Darm-Trakt führen.

Gleichzeitig wirken Aspirin und Ibuprofen entzündungshemmend, was im Zusammenhang mit Krafttraining von großer Bedeutung ist. Bekanntermaßen sind chronische Entzündungen nicht wünschenswert, jedoch erzeugt auch intensives Krafttraining diese Reaktion in der Muskulatur. Dort sorgt die temporär entstandene Entzündung für die Aktivierung der Satellitenzellen und initiiert die Muskelreparatur. Wir werden mit Trainingsfortschritten belohnt, die durch die Einnahme von Aspirin oder Ibuprofen gebremst werden würden.

Ist Paracetamol das bessere Schmerzmittel?


Lautet die Lösung nun also die Einnahme von Paracetamol? Zunächst einmal hat dieses Schmerzmittel praktisch keinen antientzündlichen Effekt. Das ist darauf zurückzuführen, dass Paracetamol nicht im verletzten Gewebe selbst wirkt, sondern hauptsächlich in Rückenmark und Gehirn. Dort blockt es die Cox-2 und übt im restlichen Körper – insbesondere auf die angesprochenen Cox-1 – keine Wirkung aus. Theoretisch wäre Paracetamol damit gegenüber den anderen beiden genannten Schmerzmitteln für Kraftsportler und Bodybuilder empfehlenswerter. Richtig? Nicht ganz.

Während die ungewünschten Mechanismen von Aspirin und Ibuprofen vermieden werden, ist Paracetamol leberschädigend. In Deutschland werden seit 2009 entsprechend nur noch Packungen mit maximal 20 Tabletten zu je 500 mg ohne Rezept verkauft. Die Tagesdosis wurde darüber hinaus bei den meisten Leiden auf maximal 3 Gramm begrenzt. Bereits wenige Tage dauerhafte Einnahme können zu einer Belastung der Leber führen, selbst wenn die jeweils empfohlene Dosis nicht überschritten wird.

Trainiere nicht unter dem Einfluss von Schmerzmitteln


Insgesamt zeigt sich damit erneut, dass keine Wirkung ohne Nebenwirkung existiert. Die Einnahme von Schmerzmitteln, um Trainingseinheiten absolvieren zu können, ist in keiner Weise empfehlenswert und wird mehr oder weniger direkt zu einer Hemmung der Trainingsergebnisse führen. Verletzungen sollten auskuriert und im besten Fall mit präventiver Arbeit verhindert werden. Wer ausnahmsweise für einen Wettkampf zu nicht verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln greift, wird keine direkten Folgeschäden aufgrund der einmaligen Einnahme befürchten müssen. Im Training haben solche Medikamente jedoch in jedem Fall nichts zu suchen.


Hinweis: Der Autor dieses Artikels schrieb verschiedene Bücher zu den Themen Training und Ernährung, bietet individuelle Einzelbetreuungen an und führt auf Patreon ein Podcast-Magazin.

Nach oben