Der neue Bro Code

Trainingspartner-Etiquette der Neuzeit

Einleitung

Man hat sich bereits einen Booster eingepfiffen, die Stimmung fürs Training passt und der Ohrwurm von der Fahrt im Auto könnte nicht besser zur kommenden schweren Grundübung passen. Die Glücks-Unterhose und und Lieblingssocken kamen rein zufällig frisch aus der Wäsche und wie es Gott wollte, konnte man vorm Verlassen des Hauses noch richtig scheißen. Perfekter Trainingstag, oder? Nur eins fehlt…der gute alte Trainingspartner. Sozial wie man ist, wartet man dann halt. Bis man letztendlich die Nachricht bei Whatsapp bekommt: "Hey du, ehm…pass auf ich hab voll Bauchschmerzen und meine Freundin sagt, ich solle mir mehr Zeit für sie nehmen. ABER viel Erfolg beim Training, nächstes Mal wieder Power!" Hmm kommt einem irgendwie bekannt vor. Achja, schon letzte Woche hatte er "Bauchschmerzen" oder war "müde". Die Male davor kam er an und meinte, "Puh, ich will mal mehr meine Brust priorisieren. Die Arme sind mir schon viel zu dick und die Beine auch. Meine Schwester sagte, das sieht nicht gut aus." WAS FÜR EINE PUSSY.

Um solche Situationen umgehen zu können (vielleicht auch um etwas Wut über den Trainingspartner eines Bekannten rauszulassen) setze ich mich an diesen Artikel und statte ihm am Ende mit einem Fragebogen aus, der eigentlich den neuen Kerlen vorgelegt werden könnte, um so einen Schwachsinn zu umgehen.

Wer die Ironie nicht versteht, sollte nun bitte den Artikel schließen.

In den "paar" Jährchen im Training kamen bei mir Trainingspartner und gingen sie auch genau so schnell wieder. Egal in welchem Studio man trainiert, es gibt nicht nur die One-on-One Partnerschaft sondern auch die Gemeinschaft der gerade im Studio vertretenen Leute. Dass dies im McFit anders ausfällt als im Powerhouse, muss man glaube ich nicht erwähnen. Aus diesem Grund teile ich die Regeln in zwei "Gesetzestexte" auf – Einzelpflichten und Gruppenpflichten.

Fangen wir mit den Einzelpflichten an.

§1: Pünktlichkeit

Stets ist von den zum Training verabredeten Parteien eine Zeit zu vereinbaren, die in Form eines Kompromisses (beidseitige Verständigung zu einer sich anbietenden Zeit) vereinbart wurde. Sollte eine Partei in Verzug geraten, so ist der Informationspflicht Folge zu leisten und die Vertragspartei in Kenntnis zu setzen. Da eine Nicht-Leistung vorzufinden ist, ist nach dem Schadesersatz-Paragraphen der Schadesersatz STATT Leistung in Form eines Big King Menüs zu leisten.

Bei verspätetem Antreten ist nach Schadesersatz-Paragraph Schadensersatz ZUSÄTZLICH zur Leistung in Form von einer Reduktion des Trainingspensums des Schuldners zu leisten. Dies bedeutet, dass der Trainingspartner sein Trainingspensum so anpassen muss, dass der Trainingspartner noch das bestmöglichstee Workout leisten kann.

Befindet man sich in einem kleineren Studio, so sollte der Dialog mit den anderen Leuten gesucht werden, um herauszufinden, wann "Stoßzeiten" entstehen würden und bei Möglichkeit unverbindliche Zeiträume erstellt werden, in denen immer ein paar Leute anwesend sind.

§2: Absprache

In einer Partner-Konstellation des Trainings ist die eine Partei dazu verplichtet, Informationen über das gewünschte Trainingsziel herauszugeben. Niemand möchte, dass der Trainingspartner während des Aufwärmsatzes Nummer 2 anfängt, Intensivwiederholungen durchzuführen, einem ins Ohr zu brüllen "NOCH 4 SONST BIST DU EINE PUSSY" und dabei zu Rammstein auf den Boden spuckt. Alles schon erlebt, unfassbar nervig.

Ein einfaches "Bis ich nicht mehr kann, dann hilfst mir bei 2" beseitigt ALLE möglichen Missverständnisse – vorausgesetzt dass der Trainingspartner zuhört.

§3: Aufmerksamkeit

Nichts ist ärgerlicher als einen Partner zu haben, der nicht bei der Sache ist. Dies zieht beide Parteien runter und sorgt so für Unlust beim Training. Hierzu gehören Kopfhörer beim Spotten. Jedes mal wenn ich soetwas sehe, kriege ich Tobsuchtsanfälle und nehme dem Spotter die Kopfhörer aus den Ohren, ganz egal ob ich diese Person kenne oder nicht. Wer etwas länger dabei ist und schon Verletzungen und Unfälle beobachten musste, wird erkennen, dass es meist an der Unzulänglichkeit des Spotters liegt, auf Kommandos oder Aktionen des Ausführenden zu hören. Das ist etwa so, wie beim Autofahren zu laut Musik zu hören und einen Krankenwagen zu überhören, das DARF nicht passieren. Gleichsam ist während des Satzes nicht auf den Arsch der Cardio-Mädels zu geiern, so viel Selbstherrschung muss auch trotz Testosteron-Dauer-Infusion aufgebracht werden können. Ich habe nichts gegen normales flacksen mit den anderen Leuten im Studio, aber es gibt Momente (wie schwere Kniebeugen des Partners), wo man sich die Witze auch einmal sparen könnte.

§4: Hygiene

Bäh! Nichts ist unangenehmer als von schlechtem Geruch abgelenkt zu sein. Ich rede nicht von Furzen und Rülpsen, das gehört ja zur Heavy Metal Musik und schwerem Eisen gerade schon dazu. Aber Mund- oder Schweißgeruch muss einfach nicht sein. Nicht nur macht man das fürs persönliche Reinheitsempfinden, sondern auch für die Menschen im Umfeld. Ich will nicht während des Bankdrückens jemanden hinter mir haben, der wie ein Sack Zwiebeln riecht. Gute Studios riechen nach kaltem Eisen, Rost, Leder, Silikonspray und FRISCHEM Schweiß. Kein Schweißgeruch, der aus einer Woche ohne Duschen entsteht. Es kann vielleicht von meiner Paranoia vor Erkältungen kommen, doch Hände desinfizierne vor und nach dem Training ist einfach eine Angewohnheit, die sich viele einmal durch den Kopf gehen lassen können.

§5: Realitätsnähe

"ALTER, Du hast gerade 150kg x5 gebeugt. Komm, da gehen heute ja wohl noch 170x4" Ja, den Satz habe ich schon von zwei übermotivierten Kerlen im KDK Studio gehört. Eins zu Eins in dem Wortlaut. Motivation und Ansporn mit etwas Blödheit ist sicher großartig, doch muss man auch irgendwo die Gesetze der Schwerkraft beachten können und bei der Formel "3 WDH mit einem Gewicht heißen 10kg mehr für einen Einser" geblieben werden. Auch wenn man sieht dass der Partner einen schlechten Tag hat, sollten solche Anflüge geistigen Dünnschisses einmal ganz schnell dem Anderen mit einer 5kg Scheibe aus der Birne gekloppt werden.

§6: Kompromisse

Ganz ehrlich, jeder will seinen Vorteil aus einer Trainingspartnerschaft ziehen. Aber dieser sollte nicht zu 100% auf der einen und zu 100% auf der anderen Seite liegen. Während der eine eher von Motivation und Ansporn profitiert, kann der andere dies vielleicht vom technischen Aspekt. Wer immer einen Kerl mit Bilderbuch Technik dabei hat, der wird sicher seine eigene Technik an bestimmten Stellen erneut zu evaluieren versuchen.

Vielleicht ist der Trainingspartner auch erfolgreicher Geschäftsmann und kann beim Post Workout Shake den einen oder anderen Handgriff zum besseren Umgang mit Geld erklären? Ich habe schon die interessantesten Leute an der Bar nach dem Training getroffen und lasse es mir auch nicht nehmen, an ein paar Einheiten in der Woche dort mal 10-15 Minuten mit den Leuten zu quatschen. Wenn man in einem Pub Stammgast ist, grüßt man auch die anderen Stammgäste. Also gebt euch einen Ruck und seid etwas sozialer!

§7: Kraftlevel

Es ist vollkommen egal, wie viel stärker oder schwächer der Trainingspartner ist. Ein Neuankömmling bei Westside Barbell (und wer nicht weiß was Westside Barbell ist, der sollte nie wieder einen Artikel von mir lesen) wird nicht wie die anderen fetten Kerle 800 Pfund beugen können. Nein, es geht darum, dass die neue Person genug Willen zur Anstrengung mitbringt. Egal wie dünn oder schmächtig der Kerl ist, wenn er ernsthafte Disziplin hat, trainiere ich gerne mit ihm. Nebenbei trainiere ich liebend gerne mit stärkeren Kerlen, denn nichts ist schlimmer für mich, als wenn für den nächsten Satz eine Scheibe runtergenommen werden muss, die vom Vorgänger noch auf dem Gerät lag.

§8: Rollenverteilung

Tja, hier geht es nicht um perverse Sexspiele (obwohl…wenn man drauf steht, macht es dort wo keiner euch filmt…) sondern um die Konstellation in der Trainingspartnerschaft. Gleichberechtigung ist wie in einer ehe das Wünschenswerteste, doch passiert dies nicht uneingeschränkt. Oft übernimmt der erfahrenere Athlet (wenn auch unbewusst) die Rolle des Papas und hat die Überhand bei der Trainingsgestaltung der beiden. Ist nichts verkehrt dran, wenn man mal den "jüngeren" die Einheiten für frischen Wind gestalten lässt – bei Weitem nicht.

Kommen wir nun zu den Gemeinschaftsregeln, die nur gelesen werden müssen, wenn NICHT in einem Kettenstudio trainiert wird (für euch arme Schweine geht es unten weiter). Das Studio lebt von dem Betriebsklima und IHR, JA IHR, könnt zu einer positiven Entwicklung dessen beitragen.

§1: Grüßen

Es ist so einfach und in so vielen Betrieben schon ungeschriebenes Gesetzt. Grüßt jeden verdammten Kerl, der gerade nicht im Satz steckt. Warum? Damit es Routine wird. Ist erstmal das Eis im neuen Studio gebrochen, ist man auch nicht abgeneigt, mal mit den Erfahreneren Leuten reden zu können.

§2: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Man macht lieber Klammern auf die Hantel, um zu verhindern, dass die Scheiben auf den Boden krachen. Man befestigt Sicherheitsstreben im Rack und holt sich einen Spotter fürs Bankdrücken. TROTZDEM PASST MAN AUCH AUF DASS MAN BEIM SEITHEBEN NICHT DEN NEBENMANN IN DIE EIER HAUT. Meine Güte, vor einer Woche erst gesehen. Danach kam es fast zur Ausschreitung. Ich saß auf meinem Fahrrad-Ergometer und konnte als mit ansehen. Was passierte? Kopfhörer drin, Augen zu, nicht aufgepasst -> Rührei. Ein Studio ist wie der Straßenverkehr: gegenseitige Rücksichtnahme. Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt.

§3: Rücksicht

Ist es wirklich nötig, zwischen zwei Sätzen Curls eine Bank zum Ausruhen zu blockieren, oder will man diese nicht lieber dem schnaufenden 120kg Ochsen überlassen, der schweres Kreuzheben macht? Ich weiß nicht ob ich einfach zu sozial bin, doch nehme ich in solchen Fällen gerne Rücksicht auf andere. Es hat sich bei uns so eingebürgert, dass dies wirklich ein ungeschriebenes Gesetz ist und daher ist es wie in der Bahn: man überlässt den alten Leuten (hier zu ersetzen durch "erschöpfte Leute") gerne einmal etwas mehr Platz, wenn man nicht gerade einen guten Grund hat, diesen selber einzunehmen.

§4: Respekt

Eigentlich die Nummer 1 Regel überall. Menschen kommen ohne Respekt nicht miteinander klar und ein Studio, in dem man mit den meisten Leuten nicht klar kommt, weil man ein riesiges Arschloch ist, ist scheiße. Ehrlich, wer will sowas schon?

§5: Spaß

Habt einfach Spaß. Leute zu sehen, die aussehen als wüssten nicht, warum sie überhaupt im Studio seien, nerven auf Dauer einfach. Es gibt einen schönen Spruch im Supertraining GYM, "entweder bist du zu 100% dabei oder du stehst im Weg rum". Ich denke, das macht eine Menge Sinn.

Für den Fall von Kettenstudios : Okay Bananen-Buddys, BeFitter und Fitness Förster (Wortwitz des Tages haha). Für euch gibt es auch ein paar Regeln, die nicht all zu ernst genommen werden sollten. Wie gesagt, wer den Witz nicht versteht, soll draußen bleiben. Ich beschreibe euch hier die – vom Stereotyp des Studiobesuchers abgeleiteten – Studioregeln.

§1: Namen ändern in Ali

Gaaaanz wichtig. Sonst macht es in der 10er Gruppe doch keinen Spaß mehr, sich gegenseitig durchs Studio Sachen zuzurufen.

§2: Böser Blick

Wichtiger als die Handschuhe, der Gürtel oder die Nike-Cap, der BÖSE BLICK. Freunde braucht der Ketten-Pumper nicht zu machen. "Eh alle unter meinem Niveau", ist der typische Gedankengang. Wozu braucht er auch Freunde? Er hat seine gesamte Großfamilie dabei, wenn es wieder heißt "Bankdrücken" und dann wird wie beim Tischtennisspielen beim Rundlauf abgewechselt. Nur blöd, dass keine Bank mehr frei ist im Studio. Die Frage "wie viele Sätze macht ihr noch?" kann man sich schenken, da der BÖSE BLICK eh alles zerschmettert.

§3: Unterhemd vor dem und nach dem Training

Dresscode-Regel Numero Uno! Der Pumper von Welt trainiert nicht nur im Unterhemd. Er kommt bereits auf Unterhemd ins Studio und – um die Ergebnisse des harten Trainings zu präsentieren – verlässt das Studio auch mit einem Unterhemd. Ob es drei verschiedene oder immer dasselbe ist, weiß man nicht. Genauer gesagt weiß man nicht, ob das Unterhemd schon auf seiner Haut verwachsen ist.

§4: Böserer Blick

Erneut, egal was passiert, der BÖSE BLICK muss weiterhin geübt werden. Deshalb steht er auch zweimal in der Liste, damit man es ja nicht vergisst. Wenn man vom Kabelzug zur Scotcurl-Bank läuft und auch nureine Person den Weg etwas schwerer zu durchqueren macht, dann muss ein herausforderndenes "WAS willst du denn?!" über die Augen vermittelt werden. Schlägereien gab es bei euch im Studio noch nicht? Dann ist der BÖSE BLICK noch nicht genug geübt worden. Immerhin boosten Schlägereien den Adrenalin-Spiegel und sorgen für mächtig Power bei Kickbacks.

§5: Fotos machen

Keiner glaubt einem, dass man im Studio war, wenn man nicht ein Foto davon bei INSTAGRAM hochlädt. Für mehr Glaubwürdigkeit kann noch eine Ablichtung des Shakes mit dem Titel "Anabol schmeckt" publiziert werden. Ganz wichtig ist, dass die "Brüder" im Wortlaut einer Essensbestellung in Fernostasien "chez zik belimi" das Foto kommentieren, ein bis zwei Mädels schreiben "heiß" oder "zu viel" und dann die eigene Abrundung dieser Unterhaltung mit "MUSS NOCH VIIIIEL MEHR BRUDA" vollendet wird. Vielleicht ein Foto des Kurzhantelracks als Titelbild bei Facebook? Das wäre es doch! So weiß der Arbeitgeber der Zukunft bei der Recherche im Internet gleich, was für ein disziplinierter Kerl man ist!

§6: Facebook Status aktualisieren

Ein Workout wird gar nicht erst vom ZNS verarbeitet, solange es nicht bei Facebook gepostet wurde! "Fitness -Mcfit Kreuzberg" reicht da schon aus, dann steht dem Training nichts im Weg.

Abschluss

So Leute, hier habt ihr die zum Teil ernstgemeinten und zum Teil komplett polemisch formulierten Regeln der verschiedenen Studios. Ich falle echt vom Glauben ab, wenn im Diskussionsthread etwas über "Verallgemeinerung von Immigranten" oder sonstwas diskutiert wird. Wer nicht über sich selber lachen kann, dem ist nicht zu helfen.

Trotzdem bis zum nächsten Mal,

Schiller

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