Trainierst du mit Trainingspartner?

Trainingspartner: Fluch oder Segen?

Mittlerweile gibt es ganze Portale, über die geeignete Trainingspartner gesucht und gefunden werden können. Seit jeher spaltet sich die Gruppe ernsthaft Trainierender im Grunde in zwei Kategorien: Diejenigen, die lieber allein und für sich trainieren und wiederum die, die von einem Trainingspartner profitieren möchten. Welche Vor- und Nachteile ein solcher hat, das soll im Folgenden näher betrachtet werden.

Trainierst du mit oder ohne Trainingspartner?

Die Vorteile eines Trainingspartners

Der wohl größte Vorteil eines Trainingspartners liegt darin, dass er motivierend wirkt. Er verdeutlicht Ziele, macht sie immer wieder bewusst und erinnert an die individuellen Stärken und bisherige Erfolge. Er schleppt zum Training, selbst wenn man einen schlechten und schon anstrengenden Tag hatte.

Die Überwindung des inneren Schweinehundes fällt vielfach leichter. Man möchte ihn ungern enttäuschen, nicht versetzen und es entsteht ein gesunder, freundschaftlicher und vor allem fairer interner Wettkampf, der letztendlich beiden dient: Sollte man, beispielsweise in Bezug auf das zu bewegende Gewicht bei einer Übung, überlegen sein, dann will man diesen Vorsprung gegenüber dem Partner verteidigen, die Überlegenheit beweisen und möglicherweise auch ausbauen.

Sollte man hingegen in der Position des Unterlegenen sein, dann verfolgt man das Ziel, den Standpunkt des Trainingspartners zu erreichen, diesen einzuholen und ihm eine richtige Konkurrenz im positiven Sinne zu werden. Der "Stärkere" dient unter Umständen als ein Vorbild, das man versucht nachzuahmen und eines Tages selbst zu überbieten.

Neben diesem Aspekt des Wettkampfes und dem regelmäßigen gemeinsamen Studiobesuch ist zudem der Austausch untereinander vorteilhaft. Egal, ob es um Trainingstechniken, Vergleiche, Supplemente oder auch mal Gerüchte und Fachgespräche aus beziehungsweise über die Szene geht: Die Kommunikation bietet Anreiz, sich verbessern zu wollen und lässt, wenn manchmal auch nur in kleinen Schritten, fast immer wieder etwas dazulernen.

Zusätzlich kann mit einem Partner auch ein ansonsten langweiliges Essen mit entsprechender Zubereitung davor wieder lecker und durch Gespräche zu einem interessanten Vergnügen werden. Auch hierbei können ganz neue Dinge zusammen entdeckt werden.

Ein weiterer positiver Aspekt ist das verbale Motivieren durch den Trainingspartner, der durch Zuspruch zu neuen persönlichen Rekorden verhelfen und gegebenenfalls auch zu mehr Mut führen kann. Beispielsweise doch noch eine Wiederholung mehr zu machen oder eine weitere Scheibe aufzulegen, weil er darüber hinaus Sicherheit vermittelt. Manch einer braucht vielleicht sogar diesen schreienden "Kick" des Partners, wenn nach jahrelangem Training die Eigenmotivation allmählich nachlässt.

Außerdem kann ein Partner auch auf falsche Ausführungen aufmerksam machen, die sonst vielleicht erst viel zu spät aufgefallen wären, sowie Tipps und Erfahrungen teilen, die zu schnelleren Erfolgen führen können. Es finden also eine bessere Vorbeugung vor Verletzungen und ein schnellerer Fortschritt statt.

Letztlich kann ein fester Begleiter auch bewirken, Übungen oder Ausführungen zu wagen, zu denen man allein bis dahin nicht in der Lage war oder die man sich bisher einfach nicht zugetraut hat. Neue Reize setzen bekanntlich auch neue Möglichkeiten des Wachstums.

Es findet auch ein sozialer Anschluss statt, was vor allem in riesigen Studios, in denen sich manche allein Trainierenden gelegentlich nahezu einsam und ausgeschlossen fühlen können, bedeutsam sein kann, vor allem, wenn sich dort ansonsten bereits viele Trainingspartnerschaften gebildet haben. Auch die Gespräche untereinander können von alltäglichen Problemen, die das Training und dessen Erfolg ansonsten beeinträchtigen könnten, ablenken, während anderweitig darüber nachgedacht und die "äußeren Schwierigkeiten" so auf negative Weise mit ins Training genommen werden könnten.

Schlussendlich erscheint auch jedes noch so schwergefallene Training als ein leichteres im Vergleich zu einem alleinigen, denn geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Hat man sich beispielsweise bis zum absoluten Muskelversagen gequält, dann wird dies unter Umständen als weniger anstrengend empfunden, wenn es der Trainingspartner im Anschluss ebenso tut. Das gilt übrigens auch für den anschließenden Muskelkater:

Rumjammern bringt hier nichts und kann auch nicht als mögliche Entschuldigung gelten, denn der Trainingspartner verspürt diesen schließlich in ähnlichem Umfang.

Die Nachteile eines Trainingspartners

Bei all den positiven Gesichtspunkten hat ein Trainingspartner natürlich auch potentielle Nachteile. Ein hauptsächlicher davon ist die möglicherweise demotivierende Unzuverlässigkeit: Sollte der Partner immer wieder Ausreden zum Ausfall eines Trainings haben, nicht mitziehen können oder wollen, also eventuell auch gar nicht auf deinem Niveau sein und damit ganz andere Zielsetzungen fernab deiner verfolgen, verletzungsanfällig sein oder auch ständig durch Unpünktlichkeit glänzen, dann kann dies nur kontraproduktiv auf dich wirken. Auch ständiges Nörgeln und Beschweren anstatt die Orientierung an individuellen oder gemeinsamen Zielen stellt einen aufhaltenden oder stagnierenden Nachteil dar.

Einen Trainingspartner zu haben bedeutet vor allem Kompromisse einzugehen. Sei es hinsichtlich der Trainingszeit, des aufeinander abgestimmten Trainingsplanes oder der Trainingsdauer und Intensität wie beispielsweise in Form von Training mit Maximalgewichten oder im hohen Wiederholungsbereich, der Arbeit mit Supersätzen oder dergleichen. Das kann bei einer harmonischen Beziehung gut und ergänzend funktionieren, kann bei unterschiedlichen Ansichten jedoch auch zu Schwierigkeiten führen, die die Trainingserfolge letztlich eher behindern, als dass ein Trainingspartner hier hilfreich wäre.

Es gibt Menschen, die eher introvertiert sind und das Training auch als eine Entspannung und separate Zeit ganz für sich allein ansehen, was beispielsweise auch dann vorkommen kann, wenn man die restliche Zeit des Tages primär von anderen umgebenden Menschen verbringt.

Hinzu kommt, wie es heutzutage wichtiger denn je scheint, die Musik: Manche Sportler lassen sich davon zu Höchstleistungen treiben, andere können und wollen ohne solche gar nicht mehr erfolgreich trainieren oder sind ohne sie zu sehr von den Geräuschen des Geschehens im Studio um sie herum abgelenkt oder auch von der Studiomusik genervt.

Natürlich ist es auch mit einem Trainingspartner möglich, die Kopfhörer aufzusetzen und sich während eines Satzes darauf zu fokussieren, jedoch verfällt dann einerseits der Vorteil der verbalen Motivation des Partners. Andererseits erscheint ein Hören von Musik zwischen den Sätzen gar ein wenig unhöflich gegenüber dem Trainingspartner und lässt keinen Austausch mit diesem zu. Die Kommunikation wird also gehindert, wobei doch gerade diese einer der erwähnten Vorteile ist.

Trainierst du mit Trainingspartner?

Zusammenfassend muss jeder für sich entscheiden, ob ein Trainingspartner eine geeignete Möglichkeit für bessere oder schnellere Erfolge darstellt. Wichtig ist dabei die Wahl des richtigen Partners, der in jedem Fall ähnliche Ziele verfolgen und in Trainingsansichten grundlegend etwa gleichermaßen eingestellt sein sollte.

Auch der Fortschritt sollte in etwa identisch sein, denn ein Bodybuilder mit jahrelanger Erfahrung kann nicht von einem blutigen Anfänger profitieren, währenddessen ein Neuling im Fitnessstudio beispielsweise mit den Anforderungen oder dem Pensum eines Erfahrenen überfordert ist. Unter Arbeitskollegen kann so beispielsweise gemeinsam beruflicher Stress abgebaut werden, allerdings kann das Training auch zu unnötigem Konkurrenzdenken führen und eine Trennung zwischen privater und beruflicher Zeit erschweren.

Das Training mit dem Lebenspartner kann eine sinnvolle Aktivität zu zweit sein, kann aber auch zu Druck führen oder den Eindruck vermitteln, selbst beim Training nicht für sich sein zu können, weil keine Distanz mehr gewahrt wird. Andererseits können feste Zeiten des Trainings auch etwas eingeschlafene Freundschaften beleben und gute Kontakte pflegen, die ohne das gemeinsame Absolvieren aller Voraussicht nach nicht derart aufrechterhalten werden würden.

Die vorherige Absprache und auch ein regelmäßiger ausführlicher Austausch sind also von besonderer Bedeutung, damit sich die Trainingsergänzung nicht im Laufe der Zeit zu einer Trainingsbelastung entwickelt. Sollte man bereit sein, auch andere Ziele zu akzeptieren und für neue Anreize offen sein, dann kann ein Trainingspartner eine gute Ergänzung für ein gelingendes Training sein und entsprechende Erfolge können sich rasch verzeichnen lassen – die dann gemeinsam gefeiert und genossen werden können.

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