Ist man ohne besser aufgestellt?

Der Trainingspartner: Sinnvolle Unterstützung oder unnützer Ballast?

Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Geteiltes Leid ist halbes Leid usw. Der Sprachgebrauch zeigt: Mit einem Partner an der Seite scheint es sich besser zu leben. Aber wie ist das mit dem Trainingspartner aka Gymbuddy? Must-Have oder lästiges Anhängsel? Wie so oft lautet die Antwort: Es kommt drauf an.

Der Trainingspartner als Einstiegshilfe


Für eine Gruppe von Trainierenden macht der Trainingspartner auf jeden Fall Sinn: den totalen Einsteiger.

Wer sich die Biografien erfolgreicher Bodybuilder anschaut, stellt fest, dass ein Großteil von ihnen überhaupt erst über soziale Kontakte den Weg ins Fitnessstudio fand. Der Trainingspartner kann also die initiale Inspirationsquelle sein.

Gut ist auch, wenn die Begleitung einen Wissensvorsprung mitbringt. Nichts ist unangenehmer als das völlige Stochern im Nebel der Anfangszeit. Viele Einsteiger lähmt die Angst vor Fehlern so sehr, dass sie gar nicht erst anfangen. Hier kann der vorgebildete Partner den Unterschied machen zwischen Resignation und Senkrechtstart.

Trainierst du mit oder ohne Trainingspartner?

Der Trainingspartner als logistische Unterstützung


In vielen Szenarien kann der Trainingspartner wertvollen logistischen Beistand leisten. Etwa beim Be- und Entladen der Hantel. Oder der Gewichtsreduktion bei Dropsätzen. Er kann bei den letzten Wiederholungen mit anpacken, die nicht mehr aus eigener Kraft geschafft werden. Oder von Anfang an die konzentrische Bewegung unterstützen, wenn nur exzentrisch gearbeitet werden soll. Und dann ist da natürlich der Klassiker: Der Trainingspartner als Spotter bei schweren Sätzen und Maximalkraftversuchen.

Klar, man könnte für all diese Anwendungsfälle eine zufällige Person im Studio um Hilfe bitten. Erstens fällt die Ansprache eines Fremden aber nicht jedem so leicht. Zweitens ist insbesondere Spotten Vertrauenssache. Es hat doch jeder eine Story von vollkommen unfähigen Helfern parat, die viel zu früh oder zu spät eingegriffen haben. Hier ist ein Partner, mit dem das Zusammenspiel erwiesenermaßen funktioniert, von großem Wert.

Der Trainingspartner als technischer Überwachungsdienst


Nicht nur der oben genannte Anfänger, sondern auch Trainierende im fortgeschrittenen Stadium profitieren von einem wachsamen Auge auf die Technik. Wurde beim Curlen nicht doch mit zu viel Schwung gearbeitet? War die Beugetiefe ausreichend? Wurde der Deadlift zu sehr hoch gekrüppelt? Je nach Körpergefühl kann die Eigenwahrnehmung arg täuschen. Spiegel verwirren auch häufig mehr, als dass sie nützen. Der Trainingspartner kann hier als technischer Richter ausgesprochen nützlich sein.

Der Trainingspartner als Motivator


Der offensichtlichste Vorteil: Ein guter Trainingspartner kann für die Extraportion Motivation sorgen. Die letzten 2 Prozent aus dir rauskitzeln. Eine Person, die dich gut kennt und die richtigen Knöpfe zu drücken weiß, kann dich auch mal über die Grenze puschen. Dafür muss auch gar nicht in militärischer Manier rumgebrüllt werden. Ein paar weise Worte, lautes Mitzählen oder auch nur das Gefühl, beobachtet zu werden, kann schon den entscheidenden Pusch bedeuten.

Der Trainingspartner als Kameramann


Im Social Media Zeitalter muss das erwähnt werden: Der Trainingspartner für den Instagram-Shot oder das Technikcheckvideo macht wackeligen Konstruktionen aus Trinkflaschen und Hantelverschlüssen ein Ende.

Der Trainingspartner als moralische Instanz


In den unzähligen Auflistungen von Motivationstipps, die durchs Internet geistern, ist dieser eine immer zu finden: Verabrede dich zum Training. Den Trainingspartner enttäuscht man nicht mal eben so leicht wie sich selbst. Ein Trainingsdate schafft maximale Verbindlichkeit und hilft, eine Trainingsroutine zu entwickeln.

… aber spricht denn wirklich alles für das Training zu zweit?


Wenn wir an das Training im Tandem denken, kommen uns vielleicht legendäre Gespanne wie Arnold Schwarzenegger und Franco Columbu in den Sinn. Und so träumen wir davon, uns gegenseitig zu ebenso brachialen Körpern brüllen.

Die Realität sieht aber häufig anders aus. Da kann die harmonische Zusammenarbeit aus mehreren Gründen scheitern:
  • Die Trainingspartner haben ganz verschiedene Vorstellungen und Philosophien. Das macht nicht nur die Synchronisation der Trainingspläne nahezu unmöglich, sondern kann zu Zweifeln und Konflikten führen.
  • Der Niveauunterschied ist zu groß. Das ist sowohl praktisch ungünstig (Scheibenumstecken!) als auch mental. Der Unterlegene kann sich nicht inspiriert, sondern demoralisiert fühlen. Dem Überlegenen fehlt das Zugpferd.
  • Einer von beiden kommt immer zu spät.
  • Einer von beiden sagt ständig ganz ab.
  • Der genannte Vorteil der Verbindlichkeit kann unterwandert werden, wenn sich zwei Unmotivierte gegenseitig davon überzeugen, dass „heute doch nicht so gut ist, lass mal lieber Bubble Tea trinken stattdessen.“
  • Und der Nummer 1 Nachteil: Zu viel Gesprächsstoff! Ja, Sport sollte auch einen sozialen Charakter haben. Doch wenn sich ein Training durch übertriebene Satzpausen ständig über drei Stunden zieht, ist weder ein effektives Vorankommen noch eine langfristige Verträglichkeit mit dem Alltag möglich.
Jetzt mal abgesehen von diesen handfesten Pro- und Kontra-Argumenten: Die Entscheidung für oder gegen einen Trainingspartner ist einfach Typsache. Der eine braucht immer Menschen um sich herum. Der andere tunnelt lieber mit Kopfhörern und Kapuzenpulli. Der eine braucht das Commitment der Verabredung. Der andere die Flexibilität. Der eine betrachtet Sport als gesellschaftliches Event. Der andere begreift es als seine wohltuend einsame Flucht vom Alltag.

Sinnvolle Unterstützung oder unnötiger Ballast? Unmöglich zu sagen! Probieren sollte man es auf jeden Fall mal. Auch kann sich der Partnerwechsel beim Scheitern im ersten Versuch lohnen. Es ist wie in der Liebe: Es dauert ein bisschen, bis sich der wahre Seelenverwandte findet. Und vielleicht bleibt dein Sportler-Ich auch einfach ewig glücklicher Single, gegebenenfalls mit gelegentlichen Affären. Finde deinen Weg.

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