Trenbolon im Detail, Teil I

Quelle: http://www.mesomorphosis.com/articles/llewellyn/trenbolone.htm
Autor: William Llewellyn

Trenbolon-EnantatNur um wenige Steroide ranken sich so viele Mythen wie um Trenbolon. Es ist eine der Substanzen, bei der es im Studio immer Leute gibt, die absolut darauf schwören, wobei die meisten jedoch keinerlei praktische Erfahrung mit Trenbolon haben. Die Bodybuilding Literatur ist voll von euphorischen, ungewöhnlichen und oft auch unzutreffenden Aussagen über diesen Wirkstoff. Infolgedessen hat sich unser Blick auf Trenbolon zu vernebeln begonnen. Ohne Zweifel hat die ungewöhnliche Geschichte dieser Substanz in Verbindung mit langen Zeiten schlechter Verfügbarkeit und hohen Preisen zum bestehenden Bild aus Sicht der Bodybuilder beigetragen. Es scheint so, als ob der Mensch alles, was unerreichbar oder sehr teuer oder auch beides ist, aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten beginnt. Aus diesem Grunde dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, einmal einen genaueren Blick auf die tatsächlichen Eigenschaften von Trenbolon und seine augenblickliche Verfügbarkeit zu werfen.


Trenbolon-Struktur

Von der Struktur her ist Trenbolon ein Nandrolonabkömmling mit 2 zusätzlichen Kohlenstoffbrücken an Position 9 und 11 (daher auch die Vorsilbe "tren", was eine Kurzform von "tri-en" ist). Die Wirkung von Trenbolon unterscheidet sich jedoch erheblich von der des Nandrolons. So kann Trenbolon u.a. nicht durch Aromatisierung in Östrogen umgewandelt werden. Die Delta-9 Gruppe innerhalb der Molekularstruktur besetzt eine Brücke, welche für die Aromatisierung des A Ringes notwendig wäre. Und solange diese Gruppe nicht durch irgendeinen metabolischen Vorgang entfernt wird, was nicht der Fall zu sein scheint, ist eine Östrogenkonvertierung im Körper unmöglich. Auch wenn Nandrolon nur schwach aromatisiert, kann während seiner Anwendung der Östrogenspiegel trotzdem merkbar ansteigen. Bei Trenbolon hingegen ist sogar eine Senkung des Serumöstrogenspiegels zu erwarten, da es die endogene Testosteronproduktion unterdrückt, welche wiederum die primäre Grundsubstanz für die Östradiolproduktion beim Mann darstellt.

Trenbolon
Trenbolone (17beta-hydroxyestra-4,9,11-trien-3-one)


Androgene Wirkung

Auch wenn Trenbolon zu den Nandrolonabkömmlingen gehört, ist es doch weit androgener als Nandrolon selbst. In der Tat ist es sogar um ein mehrfaches androgener als das primäre Androgen im Körper - nämlich als Testosteron (1). Der erste Grund hierfür ist, dass Trenbolon eine stärkere Bindung mit dem androgenen Rezeptor eingeht. Diese Eigenschaft ist auch charakteristisch für Nandrolon, welches im Vergleich zu Testosteron in dieser Beziehung um ein mehrfaches aktiver ist. Die Bindungsfähigkeit von Trenbolon an den androgenenen Rezeptor wird durch die Doppelbindungen an den Positionen Delta 9 und 11 im Vergleich zu Nandrolon aber noch verstärkt und macht Trenbolon zu einem potenteren Agonisten des androgen Rezeptors als Nandrolon selbst (2). Wahrscheinlich noch wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass im Gegensatz zu Nandrolon die starke Rezeptorbindungsfähigkeit von Trenbolon in androgen-sensitivem Gewebe nicht durch das Enzym 5alpha-Reduktase vermindert wird. Trenbolon scheint im menschlichen Körper keine nennenswerte 5alpha-Reduktion zu durchlaufen, was dadurch belegt wird, dass seine Hauptmetaboliten im Urin weiterhin die original tri-en Struktur mit intakter Delta-4 Gruppe besitzen (3). Aus diesem Grund behält Trenbolon seine ursprüngliche Bindungsfähigkeit, wenn es in Zellen eindringt, die zu den androgen-sensitiven Zielgeweben gehören und daher eine hohe Konzentration an 5alpha-Reduktase aufweisen. Denn Trenbolon wird eben nicht 5alpha-reduziert. Diese Faktoren machen Trenbolon in Summe zu einem sehr potenten androgenen Steroid, ganz im Gegensatz zu Nandrolon, welches ein primär anaboles Steroid darstellt.


Progesteronähnliche Wirkung

In der Literatur zum Thema Bodybuilding wird oft behauptet, dass Trenbolon keine progesteronähnliche Wirkung im Körper entfaltet. Es ist nicht ganz klar woher diese Annahme kommt, da Trenbolon die klassische Progesteron-Rezeptorbindungsfähigkeit zu zeigen scheint, welche charakteristisch für Nandrolon und seine Abkömmlinge ist. Eine Studie an den Progesteronrezeptoren von Rindern hat z.B. gezeigt, dass Trenbolon dort eine sehr starke Bindungsfähigkeit hat, welche sogar stärker war als die von Progesteron selbst (4). Eine andere Studie, welche die Bindungsfähigkeit verschiedener Substanzen an die Androgen-, Östrogen-, Progesteron-, Corticoid- und Glutocorticoidrezeptoren untersucht hat, kam zu dem Ergebnis, dass Trenbolon eine stärkere Bindungsfähigkeit an die Progesteronrezeptoren hat als Nandrolon, welches ja für seine Wirkung in dieser Beziehung bekannt ist (5). Was bedeutet das für Trenbolon? Wahrscheinlich nicht sehr viel. Trenbolon verursacht weder Gynäkomastie noch Wassereinlagerungen oder Fettaufbau, welche man mit einer östrogen- oder progesteronähnlichen Wirkung in Verbindung bringen könnte. Auch wenn Trenbolon in der Theorie eine leichte progesteronähnliche Wirkung hat, zeigt sich hiervon in der Praxis recht wenig. Ein wichtiger Grund hierfür könnte die Abwesenheit von Östrogen sein, da angenommen wird, dass Progesteron eine Gynäkomastie durch eine Verstärkung der Wirkung des Östrogens an den Brustdrüsen verursacht (6). Eventuell kann Trenbolon, wenn es in Verbindung mit einer anderen leicht aromatisierenden Substanz verwendet wird, Gynäkomastie und Wassereinlagerungen fördern. Dies scheint zumindest im technischen Sinne logisch zu sein, auch wenn es in der Praxis keine Hinweise hierfür gibt.


Trenbolon als Steroid für den Masseaufbau oder die Definitionsphase

Die starke androgene Wirkung in Verbindung mit der nicht vorhandenen Aromatisierung macht Trenbolon zu einem sehr effektiven Wirkstoff für Muskelhärte und Definition. In der Tat ist es bekannt als unübertroffenes Steroid, wenn es um Definition geht. Viele Wettkampfbodybuilder halten es für unverzichtbar in jedem guten Wettkampfvorbereitungsstack. Für diesen Zweck gibt es wahrscheinlich kein Steroid, welches besser geeignet wäre. Viele Sportler machen bei Verwendung von Trenbolon auch sehr gute Fortschritte beim Muskelaufbau. Trenbolon ist ein gutes Steroid für den Masseaufbau, auch wenn es nicht optimal ist, es zu diesem Zweck als alleiniges Steroid zu verwenden. Die Abwesenheit von Östrogen, welche eine zentrale Eigenschaft einer Trenbolon Kur zu sein scheint, ist der Grund hierfür. Neben der wasserspeichernden Wirkung von Östrogen gibt es eine Verbindung zwischen Östrogen und der Glucoseverwendung im Muskel, der Wachstumshormonausschüttung und der Vermehrung der androgen Rezeptoren. Langsam beginnt man zu verstehen, dass Östrogen für ein optimales Muskelwachstum eine wichtige Rolle spielt. Trenbolon ist unter den nicht aromatisierenden Steroiden wahrscheinlich trotzdem die stärkste muskelaufbauende Substanz und ist zugegebenermassen in dieser Beziehung ungewöhnlich stark. Wenn das primäre Ziel der Muskelaufbau ist, und man nur ein Steroid verwenden möchte, sind jedoch Testosteron, Dianabol oder Anadrol in Bezug auf Muskelaufbau und Gewichtssteigerung dem Trenbolon überlegen.



Quellen
1) Pharmacological and endocrinological studies on anabolic steroids. Neumann F. Environ Qual Saf Suppl 1976 (5) 253-64

2) Unique steroid congeners for receptor studies. Ojasoo, Raynaud. Cancer Research 38 (1978) 4186-98

3) Disposition of 17 beta-trenbolone in humans. Spranger, Metzler. J Chromatogr 564 (1991) 485-92

4) Characterisation of the affinity of different anabolics and synthetic hormones to the human androgen receptor, human sex hormone binding globulin and to the bovine progestin receptor. Bauer, Meyer et al. Acta Pathol Microbiol Imunol Scand Suppl 108 (2000) 838-46

5) Unique steroid congeners for receptor studies. Ojasoo, Raynaud. Cancer Research 38 (1978) 4186-98

6) Progesterone is not essential to the differentiative potential of mammary epithelium in the male mouse. Freeman, Topper. Endocrinology. 1978 Jul;103(1):186-92

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