Training der einzelnen Körperteile

Vince Gironda – Worum es ihm ging

Einleitung

"Was? Kein Bankdrücken, keine Kniebeugen und kein Kreuzheben? Ohne diese Übungen ist es absolut unmöglich Muskeln aufzubauen, der Typ erzählt nur Schrott! Außerdem sieht er aus wie ein verdammter Discopumper!"

So ungefähr lauten vielen Beiträge hier im Forum, wenn es direkt um Vince Gironda geht oder wenn der Name in irgendeinem anderen Thread auch nur fällt. Warum ist das so? Warum fällen viele Menschen ein so hartes Urteil ohne sich wahrscheinlich länger mit der Bodybuildinganschauung dieses Mannes beschäftigt zu haben? Ich denke, die Antwort ist recht simpel: Es gibt auf deutsch, außer den wenigen Artikeln hier auf Team-Andro, so gut wie keine Texte über Vince Girondas Auffassung vom Bodybuilding. Und wenn einmal seine zugegebenermaßen teils unorthodoxen Ansichten durchdringen sollten, dann sind diese meist aus dem Kontext gerissen und somit oft unverständlich, weil auch die englischen Artikel oft nur bruchstückhaft seine Meinung wiedergeben.

Dabei ist das sehr schade, weil es sich hier um einen bedeutenden Vorreiter in unserem heiß geliebten Sport handelt: Unter anderem erarbeitete er eine Vielzahl von effektiven Übungen, war der Vorreiter der heute weit verbreiteten low-carb Ernährung, trainierte hunderte von Bühnen-Athleten und Filmstars und warf als einer der Ersten den Begriff "Übertraining" in den großen Bodybuildingzirkus. Doch bevor dieser Text jetzt zu heroisierend und schleimig wird, werde ich nun dem Mangel an Texten und den daraus resultierenden Missverständnissen versuchen entgegenwirken und seine Bodybuildingauffassung hier vorstellen und somit die gängigen Aussagen in den richtigen Kontext bringen.

Der Text beinhaltet nur die Meinungen und das Wissen von Vince Gironda. Nicht meine eigene, auch wenn es sich manchmal so liest.

Viel Spaß beim Lesen!


Das perfekte Erscheinungsbild

Welche Maße muss der männliche Körper neben 20 cm noch haben, um als perfekt zu gelten? Dieser Frage widmete sich Gironda schon sehr früh in seiner Bodybuilding-Karriere und lehnte sich bei ihrer Beantwortung stark an Pythagoras und Leonardo da Vinci an. Vor allem die Maße der Skizze des vitruvianischen Menschen von da Vinci waren ihm hierbei hilfreich: In dieser Zeichnung ist der körperlich perfekte Mann acht Köpfe groß, ist von der linken zur rechten Schulter zweieinhalb Köpfe breit, wohingegen die Hüfte lediglich einen Kopf breit ist. Außerdem sind Hände und Füße einen Kopf lang. Da Körper-, Hand- und Fußgröße eine Sache der Veranlagung sind, bildete Gironda aus diesen Vorgaben eine Art Minimalkonsens, vor allem bezogen auf Bodybuilder, da man die von ihm genannten Merkmale im Gegensatz zur Körper-, Hand- und Fußgröße auch trainieren kann. Über die Hüfte lässt sich hierbei streiten, doch dazu später mehr.

So sollte laut Gironda ein Mann neben breiten Schultern, einer schmale Taille und Hüfte auch gerade, nach unten hin verjüngende, aber dennoch muskulöse Beine besitzen. Neben diesen Eigenschaften ist außerdem noch eine aufrechte und würdevolle Körperhaltung von großer Bedeutung, um die oben genannten Eigenschaften zur Geltung zu bringen.

Um dies zu erreichen, muss der Muskel vom Ansatz bis zum Ursprung, also in seiner kompletten Länge trainiert werden. Dadurch sollen – entgegen der Erscheinungsform vieler Bodybuilder in der heutigen Zeit - lange, wohlgeformte Muskeln erreicht werden. Denn was nützen einem die besten Muskeln, wenn sie nicht in Form sind und somit nur zu einer gedrungenen und kurzen Erscheinungsform führen?

Dass dieser Ansatz in der heutigen Zeit zum Großteil unmodern und unnatürlich erscheint, ist wohl jedem klar. Gerade in den vergangen 20 – 30 Jahren haben sich die Körper immer mehr in eine andere Richtung als die der Oldschool-Bodybuilder verändert: Weg von Körpern, die vor allem ästhetisch sein sollten, bei denen noch das "add size where it counts"-Prinzip galt, hin zu den "Masse um jeden Preis"-Körpern. Dabei ist es heute egal, wo diese Masse landet: am Hintern oder an den Beinen oder am Bizeps. Hauptsache "the bigger the better!". Dadurch wird es doch etwas verständlicher, dass vor allem Neulinge in diesem Sport, die nichts anderes als diese Körper kennen, diejenigen, die eine andere Meinung vertreten, als "Discopumper" und ähnliches bezeichnen.

Am Auftauchen dieser neuen Körper störte sich auch Gironda, der daraufhin sehr stark durch seine folgende Auffassung vom Erscheinungsbild eines Bodybuilders zu provozierte wusste:

Creating an illusion – Eine Illusion erschaffen

Eine Illusion zu erschaffen, das war das Ziel von Vince Gironda für sich selbst und für seine "Schüler", die er trainierte. Ein Ziel, für das er oftmals hart kritisiert und belächelt wurde. Es sollte eine Illusion des perfekten Körpers sein: breite Schultern, schmale Hüfte, geformte Muskulatur. Dass es für das Erreichen dieses Ziels nicht unbedingt von Nöten ist, wirklich riesige Schultern und eine schmale Hüfte zu haben, das versuchte Gironda den Leuten beizubringen.

Das Gegenargument vieler war das folgende: "Ich möchte nicht nur groß aussehen, ich möchte auch groß sein!" "Du kannst so groß werden, wie Du willst", antwortete Gironda auf diese Aussage, "allerdings unter einer Bedingung: Baue nicht an den Stellen Deines Körpers auf, an denen Masse mehr Schaden anrichtet, als dass sie Nutzen trägt."

Taadaa! Da haben wir es wieder, das "add size where it counts"-Prinzip. "Füge dort Masse hinzu, wo sie wichtig ist!" so könnte man dieses Prinzip am Einfachsten, wenn auch etwas holprig, übersetzen. Für ihn sollte daher Bodybuilding nicht Bodybuilding heißen, sondern mehr "body sculpting" oder "physical culture", weil der Begriff Bodybuilding zu sehr dazu verlockt, soviel Masse wie möglich aufzubauen. Diesen Illusionsgedanken möchte ich noch etwas vertiefen, anhand von einem praktischen Beispiel.

Laut Gironda konzentrieren sich Anfänger viel zu sehr auf bestimmte Zahlen für Gewicht, Umfänge, Körperfettanteil und so weiter und sofort. Dem hatte er Folgendes entgegenzusetzen, was durchaus der Wahrheit entspricht. Was interessiert es die Jury bei einem Contest - abgesehen von der Gewichtsklasse natürlich - oder die Leute auf der Straße, wie viel man bei welchem Körperfettanteil wiegt? Das Einzige, was sie interessiert, ist Form, Größe und Symmetrie (Okay, die Leute auf der Straße vielleicht nicht ganz so sehr).

Die Zahlen, die das ausdrücken, interessieren nicht wirklich. Ansonsten wäre ein Bodybuilding-Contest das Einfachste auf der Welt: Derjenige mit den größten Umfängen in Relation zu Gewicht, Körperfettanteil und Körpergröße hätte gewonnen. Man bräuchte so etwas wie Posing gar nicht, lediglich ein Blatt Papier mit allen Daten der Teilnehmer. Wir alle wissen aber, dass das zum Glück nicht so ist. Entscheidend ist, wie es auf den Betrachter wirkt. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist mit dem Erschaffen einer Illusion gemeint.

Man muss also nicht 100kg wiegen um nach 100kg auszusehen. Beispiele dafür gibt es zu genüge, auch hier im Forum. Wie soll man jetzt die einzelnen Körperregionen versuchen zu formen, um eine Illusion zu erschaffen? Die Antwort darauf gibt es im nächsten Abschnitt.

Schultern

Batman hat sie, Superman hat sie und sogar Catwoman ist in ihrem Besitz. Nein, die Rede ist nicht von hautengen Kostümen, die bei jedem Superhelden an der Männlichkeit zweifeln lassen und bei Frauen mehr zum Vorschein bringen, als gewünscht. Es handelt sich um breite, mächtige Schultern (na gut, Catwoman hat sie nicht)!

Wie wir alle wissen besteht die Schulter grob gesagt aus drei Teilen: der vordere, der seitliche und der hintere Teil. Für eine optimale Entwicklung sollten alle drei von ihnen adäquat trainiert werden, wobei man dennoch einen besonderen Fokus auf den äußeren Teil legen sollte, weil dieser für den breiten Look von vorne sorgt. Girondas Lieblingsübungen dafür waren zum einen Seitheben und zum anderen aufrechtes Rudern. In den meisten Programmen kommen aber oft nur Übungen für den vorderen Anteil vor. Ein stark ausgeprägter vorderer Deltamuskel trägt nichts zu Breite bei. Die Schulter sieht lediglich von der Seite aus gesehen breiter aus.

Leider sind lange Schlüsselbeine, sie bestimmen die natürliche Breite der Schultern, genetische Veranlagung und eher selten anzutreffen. Leute mit kurzen Schlüsselbeinen müssen besonders daran arbeiten die Schultern in die Breite zu vergrößern, da sonst nie die gewünschte V-Form erreicht werden kann. Dass dieses Unterfangen trotz kurzer Schlüsselbeine nicht zwecklos ist, beweist einer der bekanntesten Schüler von Gironda namens Larry Scott. Er schaffte es trotz dieser angeborenen "Benachteiligung" starke Schultern und ein stimmiges Gesamtkonzept aufzubauen.

Gironda fügt bei diesem Thema hinzu, dass Leute mit einem kurzen Hals die Einzigen sind, bei denen große Schultern zu einem unschönen Aussehen führen können, weil das Aussehen dann sehr gedrungen wirkt.

Brust

Für Gironda ist die Brustmuskulatur gemeinsam mit der Beinmuskulatur diejenige, die am meisten unter dem Massewahn zu leiden hat. Er hat nie verstanden, warum Bodybuilder riesige, traubenförmige Brustmuskeln aufbauen, die ihre Form nur dadurch erhalten, durch ihr Eigengewicht von 10kg in Richtung Boden zu hängen. Eine weiblich anmutende Brust ist keinesfalls erstrebenswert. Allein schon aus Gründen der Anatomie ist die Brustmuskulatur doch eher darauf ausgelegt wie eine Art Metallplatte einer Rüstung den Brustkorb zu umschließen. Sie sollte an der Seite etwas massiger sein als innen und auch der untere Anteil sollte ein wenig mehr gegenüber dem oberen Anteil dominieren.

Auch bei der Brust muss man wieder Masse an der richtigen Stelle aufbauen. Das heißt am äußeren Teil der Brust, um ein, von vorne gesehen, breites Aussehen zu gewährleisten. Denjenigen, die jetzt laut aufschreien und sagen, dass die Brustmuskulatur nur als Ganzes trainiert werden kann und somit das Aussehen genetisch vorgegeben ist, denen muss ich persönlich widersprechen.

Es ist durchaus möglich den Fokus des Wachstums zu verlagern. Das geschieht im praktischen Teil natürlich durch Übungen, die darauf ausgerichtet sind und im theoretischen Teil im Kopf. Man muss es sich zunächst einmal vorstellen können. Wer von Anfang an daran zweifelt und nicht offen dafür ist, von seiner Meinung abzukommen, der wird keinen Erfolg haben.

Übungen, die den äußeren Teil der Brust besonders beanspruchen sind Gironda Dips, Neck Presses und negative Schrägbankfliegende am Kabelzug. Und nein, kein Bankdrücken mit der Langhantel. Diese Übung fordert laut Gironda vor allem den Trizeps und die vordere Schultermuskulatur, die bei den meisten sowieso schon überentwickelt ist, weniger die Brustmuskulatur. Natürlich gibt es Leute,die nur durch Bankdrücken diese Art von Brust aufbauen können, diese sind aber in der überwältigenden Minderheit.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Brust ein toller Bereich ist, um selbst kreativ zu werden. Das sollte man aber nur tun, wenn man stets Form und Ausgeglichenheit im Auge behält.

Bauch

Auch heute noch eine der am missverstandendsten Muskelgruppen, die es gibt. Damals wie heute glauben die Leute, dass man mit einer schier unglaublichen Zahl an Sätzen und Wiederholungen eine lokale Fettreduzierung erreichen kann. Das ist natürlich totaler Schwachsinn, da es hier vor allem auf einen niedrigen Körperfettanteil ankommt.

Anfänger sollten nach Gironda keinerlei Bauchtraining machen, da die Bauchmuskulatur bereits bei normalem Training mit Gewichten genug beansprucht wird. Fortgeschrittene können, wenn es nötig ist, Bauchtraining einbauen. Hier sollte darauf geachtet werden, dass man pro Übung 8-12 Wiederholungen in 4-5 Sätzen absolviert und natürlich einen entsprechend geringen Körperfettanteil hat. Kurze Pausenzeiten von ein paar Sekunden sind hierbei die Empfehlung Seitens Gironda.

Auch bei der Auswahl der Bauchübungen sollte man sich bewusst sein, was für eine Funktion die Bauchmuskulatur hat: Sie verkürzt den Abstand zwischen Brustbein und Becken. Somit haben Sit-Ups mit geradem Rücken und Beinheben eigentlich nichts im Bauchtraining zu suchen. Erst in dem Teil der Übung, in dem der Abstand zwischen Becken und Brustbein verkürzt wird, sind sie auch wirklich Bauchübungen. Eine gute Übung für die Bauchmuskeln sind Crunches, wobei der untere Rücken stets Kontakt mit dem Untergrund haben sollte.

Zum Thema Bauch sollte noch hinzugefügt werden, dass Side-Bends zu vermeiden sind, da sie die äußeren Bauchmuskeln trainieren, was wiederum zu einer breiteren Taille führt. Das ist im Sinne einer möglichst ausgeprägten V-Form natürlich zu vermeiden.

Rücken

Wenn in diesem Abschnitt der Einfachheit halber die Rede von der Rückenmuskulatur ist, sind lediglich die Lats gemeint.

Was nützt einem die beste Frontansicht, wenn Männer einem auf der Straße hinterher pfeifen, weil sie denken, dass gerade eine Frau aus der Bikiniklasse an ihnen vorbeigelaufen ist? Korrekt, nichts.

Um den Rücken optimal zu trainieren, ist es notwendig, Funktion und Anatomie zu kennen. Die Latmuskulatur hat ihren Ansatz an den Knochen der Oberarme und ihren Ursprung an beiden Seiten der Wirbelsäule und am Becken. Die Funktion ist es die Arme und den Schultergürtel nach hinten unten zu ziehen und somit den Rücken zu krümmen. Einer der größten Fehler beim Rückentraining ist es die Kontraktion nicht bis zur vollen Kontraktion zu Ende zu führen, wodurch ein flacher und unkompletter Rücken entsteht.

Gut ausgeprägte Rückenmuskulatur in Breite und Dichte haben mit den größten Anteil an der gewünschten V-Form, da sie bei entsprechender Entwicklung sogar von vorne zu sehen sind. Viele von Girondas Kunden berichteten ihm, dass sie den Rücken nie wirklich spüren, wenn sie ihn trainieren. Seine Vermutung war, dass diese Leute nur schwache Nervimpulse in die zu trainierende Region entsenden können und damit den Rücken beim Training nicht richtig spüren. Sein Tipp war es im Punkt der höchsten Kontraktion diese für 6 Sekunden zu halten, um die Impulsstärke zu verstärken. Nur bei voller Kontrolle über die Lats kann man dessen Entwicklungsfähigkeit voll ausschöpfen.

Um den Rücken bei Klimmzügen optimal zu treffen, muss man mit den Brustwarzen die Stange berühren und nicht nur irgendwie versuchen mit dem Kinn die Stange zu überqueren. Erst dann kann man sein volles Rücken-Potenzial bei dieser Übung entwickeln. Eine gute Übung dafür sind die von Gironda erfundenen "Sternum-Chins". Eine Übung, die wirklich zu empfehlen ist, auch wenn sie um vieles schwieriger ist, als normale Klimmzüge, da man mit dem Brustbein die Stange in fast vertikaler Lage berührt.

Der Eisenguru hatte auch beim Rücken eine eigene Vorstellung, wie dieser auszusehen hat. Der größte Fokus sollte auf den oberen Latanteil gerichtet werden, wohingegen der untere Lat so klein wie möglich gehalten werden sollte, damit die V-Form so ausgeprägt wie möglich erscheint. Besonders der Teres major soll besonders stark trainiert werden, weil er aufgrund seiner Lage (direkt unter den Achselhöhlen) einen breiten oberen Rücken erzeugt. Kabelrudern im Sitzen zum unteren Teil der Brust bzw. zum oberen Teil der Bauchmuskulatur zum Beispiel betont den Teres major.

Der untere Rücken muss so gut wie nie isoliert trainiert werden, da er bei fast jeder Rückenübung, die im Gironda-Stil ausgeführt wird, mittrainiert wird. Das selbe gilt für die Nackenmuskulatur. Vor allem Männer mit einem kurzen Hals und engen Schultern sollten den Nacken nicht isoliert trainieren, weil es sonst zu einer gedrungen wirkenden Körperhaltung kommt.

Quads und Beinbizeps

Nun kommen wir also endlich zum wohl größten Streitpunkt, wenn es um Vince Gironda geht. Hier hatte er eine besonders stark abweichende Vorstellung vom Aussehen der Beine im Vergleich zur heutigen Zeit.

Der perfekte Oberschenkel sollte im mittleren Bereich genauso groß sein wie im oberen Bereich, wodurch es zu "straight legs", also gerade Beinen kommt. Weitere Richtlinien sind eine angemessene Ausbildung von vastus internus und externus, ein voll entwickelter Beinbizeps, definierte Adduktoren, ein gut entwickelter m. sartorius, erkennbare Muskelteilung und Querstreifen. Diese Vorstellung Girondas sollte man sich vor Augen halten, wenn man den weiteren Teil dieses Abschnitts liest.

Gironda störte sich daran, dass die Kniebeuge als ultimative Übung für die Beine angesehen wurde. Für die Aussage, dass sie und schweres Kreuzheben die Hüfte verbreitert, wurde er oftmals hart kritisiert. Doch er hielt daran fest gegen schwere Kniebeugen und zu sein, wo zuerst der Hintern nach oben geht, dann langsam der Rücken und zum Schluss der Kopf, so wie es bei vielen Trainierenden ist. Auf diese Art und Weise baut man riesige obere Oberschenkel, Hüften und Arschbacken auf. Alles was er unter Rücksichtnahme auf seine oben genannte Vorstellung der Beine eines perfekten Körpers vermeiden wollte. Er macht aber auch folgende Ausnahme:

Männer, die einen flachen Hintern haben und Frauen sollten normale Kniebeugen mit einem flachen, geraden Rücken und ohne eine federnde Bewegung im Umkehrpunkt von exzentrischer zu konzentrischer Phase machen, da diese Art der Kniebeuge perfekt für einen runden, wohlgeformten Po ist.

Wenn man zudem Zugang zu Beinmaschinen hat, dann sollte man diese auch nutzen. Sie erlauben es den Körper nach hinten zu lehnen und somit, je weiter man sich nach hinten lehnt, die Belastung immer mehr am Bein nach unten zu schieben. Die normale Kniebeuge mit der "Hintern raus"-Bewegung bewirkt genau das Gegenteil, nämlich die Belastung auf die oberen Oberschenkel, die Hüftbeuger und den Hintern. Letzten Endes sollte man aber selbst entscheiden, was für einen am besten ist und solange an den ausgewählten Übungen festhalten, bis sich Resultate ergeben.

Girondas Lieblingsübung für die Beine waren Sissy Squats. Eine sehr komplexe, weil mehrere Bewegungsabläufe in sich vereinende, aber auch effektive Übung. Um den Beinbizeps am besten zu trainieren, empfahl er Leg Curls im Liegen. Die Fersen berühren sich hierbei gegenseitig, die Zehen zeigen nach außen. Außerdem soll der Oberkörper mit den Armen nach oben abgestützt werden.

Waden

Man mag es kaum glauben, aber bei dieser Muskelgruppe sagte auch ein Herr Vince Gironda: "Pack drauf, was geht!" Zwar nicht so direkt, aber er meinte es bestimmt so.

Er selbst trainierte ein Jahr lang die Waden mit hohem Gewicht und lediglich 10 Wiederholungen pro Satz, was sich als nicht erfolgreich herausstellte. Erst als er begann sie mit 20 Wiederholungen zu trainieren, stellten sich die gewünschten Resultate ein. Die Wadenmuskulatur spricht bei vielen auf eine hohe Wiederholungszahl an, da sie sehr ST-Fasern dominant ist. Gironda empfahl die Waden zwei bis dreimal in der Woche kontinuierlich und progressiv zu trainieren, das meiste Gewicht sollten pro Fuß die beiden größten Zehen tragen, um die gewünschte "Diamantenform" zu erreichen. Zudem ist es seiner Meinung nach wichtig, die Waden zu dehnen (ein Mann soll in der Lage sein den Boden Fersen zu berühren, während er mit den Zehenspitzen auf einer 10cm hohen Erhöhung steht).

Arme

Schon zur damaligen Zeit gab es diese Art von Trainierenden, die nichts außer dicke Arme wollten. Gironda meinte, das sei in Ordnung, allerdings nur unter zwei Bedingungen: Die Arme sollten in sich ausgeglichen sein (Verhältnis Bizeps/Trizeps) und müssen zum Rest passen. Riesige Arme gepaart mit den Schultern eines 8-jährigen Mädchens sahen schon damals besch*ssen aus. "Um große Arme zu bekommen, muss man auch die Beine trainieren!" propagierte Gironda schon früh. Für ihn lag der Grund, dass die Arme zu wachsen beginnen, wenn man auch Beintraining macht beim Nervensystem.

Wenn Arme die Schwachstelle am Körper sind, sollte man andere sportliche Aktivitäten, die die Arme sehr belasten, unterlassen. Dadurch wird eine zu starke Beanspruchung der Armmuskulatur vermieden. Erst wenn die Arme so dick sind, wie man es haben möchte, kann man sich wieder den anderen Aktivitäten zuwenden, so Gironda.

Der Trizeps ist wichtiger für einen gut geformten Arm, als der Bizeps, weil er aus drei Köpfen besteht und somit mehr Spielraum für Kreativität bietet. Vor allem der laterale Kopf soll trainiert werden, um dem Arm einen vollen Look zu geben, so Gironda. Der laterale Kopf wird vor allem bei Trizepsübungen beansprucht, bei denen die Ellenbogen weiter sind, als die Hände. Aufpassen sollte man aber bei hohem Gewicht. Der Trizeps hat ein großes Potenzial was Wachstum und Kraft angeht, der Ellenbogen wird bei schweren Gewichten aber recht schnell darunter leiden. Zwar nicht bei allen schwer Trainierenden, aber bei vielen. Das Einzige, was dann hilft, ist die Übung abzubrechen und dem Ellenbogen Ruhe gönnen.

Der Bizeps bietet, wie schon gesagt, weniger Spielraum zur eigenen Gestaltung. Leute mit einem stark ausgeprägten "Peak" und der daraus oft resultierenden Lücke in Richtung der Armbeuge sollten viele Preacher Bench Curls machen, um diese Lücke zu schließen. Je flacher dabei der Winkel der Bank, desto mehr wird der untere Teil des Bizeps beansprucht. Wer dagegen generell einen flachen Bizeps hat, sollte Klimmzüge im engen Untergriff und Curls am Kabelzug mit einer geringen Range of Motion macht. Wer sich jetzt aber vorstellt, das Aussehen des Arms nach Belieben bestimmen zu können, der liegt falsch. Es geht nur ein klein wenig.

Unterarme

Obwohl man die Unterarme eigentlich immer sieht, sind die bei den meisten Bodybuildern eher klein gewachsen. Viele argumentieren damit, dass sie ja sowieso schon bei Curls, Kreuzheben, allen möglichen Rückenübungen usw. mittrainiert werden. Wer aber wirklich gute Unterarme haben will, muss oft auf Isolationsübungen zurückgreifen. Ähnlich wie bei den Waden ist das ein eher langweiliges Unterfangen, da auch die Unterarme sehr ausdauernd sind und somit mit vielen Wiederholungen befeuert werden müssen. Und ganz ehrlich: Es sieht nicht wirklich nach knallhartem Training aus, wenn man aussieht wie jemand, der der mit einer Langhantel das Schalten und Gasgeben beim Motorradfahren übt.

Wer es dann aber wirklich erzwingt und die Unterarme konsequent und steigernd trainiert, wird auf jeden Fall belohnt werden. Vielleicht sogar früher als man denkt. Gironda erinnert sich, wie Larry Scott einst 12 Wiederholungen mit knapp über 100kg bei den Handgelenkscurls bewältigte, wohingegen Mike Mentzer zum Beispiel überhaupt kein Training für die Unterarme machte. Die Genetik scheint hier sehr stark auf die Entwicklung der Unterarme einzuwirken. Gute Übungen dafür sind natürlich Handgelenkscurls und Curls im Obergriff.

Abschluss

Mittlerweile ist der Text für meine Verhältnisse schon recht lang geworden, länger als ich eigentlich dachte. Ich hoffe aber, dass sich so manch einer durch den Text gelesen hat und jetzt die Geschichte um Gironda und seine Ansichten differenzierter sieht als zuvor. Mir fällt zwar immer noch hier und da etwas ein, was man noch hinzufügen könnte zu seiner Anschauung des Bodybuildings (immerhin hatte er über 50 Jahre Trainingserfahrung), aber es ist schwierig das verständlich nieder zu schreiben und deshalb ist hier jetzt Schluss bezüglich dieses Themas.

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