Bedeutung und Einfluss

Wachstumshormone im Bodybuilding: Wirkung und Nebenwirkungen

Der vorliegende Text ist eine Leseprobe aus dem Buch "Alles was stark macht" von Wilfried Dubbels.

Zur Manipulation im Bodybuilding haben Wachstumshormonpräparate neben den anabolen Steroiden die größte Bedeutung. Wachstumshormon wirkt anabol, indem es die Proteinsynthese anregt. Durch die erhöhte Einlagerung von Aminosäuren werden auch vermehrt Mineralien und andere Vitalstoffe aufgenommen. Hieraus resultiert ein gesteigertes Muskelwachstum. Unter dem massiv manipulativen Einfluss von Wachstumshormon kann es aber auch zur Einlagerung von Fett und Wasser im Muskel kommen, was den Muskelquerschnitt zwar zusätzlich vergrößert, worunter jedoch die Muskeldichte und damit auch die Muskelqualität erheblich leiden. Eine Hyperplasie, also Muskelzellvermehrung, wie häufig behauptet wurde, konnte nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Gentechnisch hergestelltes Wachstumshormon ist in Deutschland als Injektionslösung zum Beispiel unter dem Warenzeichen Genotropin im Handel. Es wird zur medikamentösen Therapie von Minderwuchs bei Kindern genutzt und, bei Erwachsenen mit Wachstumshormonmangel, zur Substitution eingesetzt. Unseriöse Internetanbieter bewerben Wachstumshormon unter Anti-Aging Adressen oder Adressen von Supplementvertreibern als Verjüngungsmittel gegen Falten, Hautverdickung und Körperfett sowie für den Muskelaufbau. Mit Anzeigen in amerikanischen Kraftsportzeitschriften und im Internet sowie in Bodybuildingforen werden Bodybuilder als Neukunden rekrutiert. Das bei Bodybuildern beliebte Jintropin kommt aus China und ist ohne Rezept auf dem Schwarzmarkt erhältlich.

Foto: Matthias Busse

Was sind Wachstumshormone und wie wirken diese?

Menschliches Wachstumshormon ist ein Peptidhormon, bestehend aus 191 Aminosäuren. Die englische Bezeichnung dafür ist Growth Hormone, abgekürzt GH. Es wird in den so genannten somatotropen Zellen der Hirnanhangsdrüse produziert und sezerniert. Daher auch die Bezeichnung Somatotropin (auch Somatropin) oder Somatotropes Hormon (STH). Überwacht wird die Freisetzung des Hormons von einer übergeordneten Etage im Gehirn, dem Hypothalamus mit Sitz im Zwischenhirn. Die Ausschüttung wird von den Nervenüberträgersubstanzen Noradrenalin, Serotonin und Dopamin gesteuert, deren Freisetzung wiederum von verschiedenen Faktoren wie Schlaf, Blutzucker und Stress beeinflusst werden.

Wachstumshormon ist für das normale Längenwachstum verantwortlich. Daher ist die Ausschüttung in der Pubertät besonders hoch. Nach Abschluss des Längenwachstums ist dieses Hormon besonders wichtig für das geistige und körperliche Wohlbefinden. Es wirkt sich dann nicht mehr auf das Längenwachstum, sondern auf das Wachstum von Sehnen, Bindegewebe und Muskulatur aus. Es wirkt anabol. Wachstumshormonspritzen stehen deshalb auch auf der Dopingliste. Hoch dosiert gespritzt, kann Wachstumshormon Diabetes verursachen. Sein Spaltprodukt IGF-1 beschleunigt möglicherweise nicht nur das Muskelwachstum, sondern auch das Wachstum von Krebszellen.

Die eiweißanabole Wirkung des Wachstumshormons ist durch eine verstärkte Einschleusung von Aminosäuren in die Muskelzelle bedingt. Diese Wirkung wird nicht durch das Wachstumshormon direkt, sondern durch sein Spaltprodukt IGF-1, ausgelöst. Wachstumshormon hat aber direkten Einfluss auf den Fettstoffwechsel.

In den Fettstoffwechsel greift es einerseits durch Hemmung der Synthese von körpereigenem Fett ein, indem es den Fettsäureeinbau in die Zelle erschwert und andererseits besitzt es auch eine lipolytische, d. h. Fett abbauende Wirkung von schon bestehenden Fettdepots, die in freie Energie umgewandelt werden. Energie, die für den verstärkten Eiweißanbau und den Stoffwechsel im Wachstum zur Verfügung steht.

Die Wirkung extern verabreichten Wachstumshormons ist durch seine nachteiligen Effekte auf den Kohlenhydratstoffwechsel begrenzt! Wachstumshormon hemmt die Glucoseverwertung, indem es die Einschleusung von Glucose in die Muskelzelle unterdrückt. Da die Freisetzung von Wachstumshormon aufgrund dieser Wirkung nicht immer erwünscht ist, unterliegt die natürliche Freisetzung einem Rhythmus, der stoßweise erfolgt und den Gegebenheiten angepasst ist. So wird zum Beispiel im Stress nicht nur Cortisol, sondern auch Wachstumshormon freigesetzt. Wachstumshormon verhindert, dass die katabolen Wirkungen des Cortisols überwiegen und schützt die Muskelmasse so vor Abbau. Der Glucoseverbrauch läuft auf Sparflamme und die freigesetzten Fettsäuren stehen für energetische Zwecke zur Verfügung.

Betrachtet man alle Eigenschaften des Wachstumshormons im Zusammenhang, dann fällt auf, wie biologisch sinnvoll das Vorhandensein solch verschiedener Teilwirkungen auf den Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel einerseits für das Wachstum (anabole Wirkung) und andererseits für die Erhaltung der Muskulatur (antikatabole Wirkung) ist! Das Wachstumshormon ist folglich ein "Sparhormon", was insbesondere bei Nahrungsverzicht erkennbar wird. Im Zustand des Hungerns mobilisiert Wachstumshormon Fett aus körpereigenen Fettzellen und stellt damit notwendige Energie bereit. Durch Herabsetzung der Glucoseverwertung wird der Glucoseverbrauch reduziert und somit Energie eingespart, während die antikatabole Wirkung des Wachstumshormons den Abbau von Muskelmasse verhindert! Ähnlich lässt sich der "Spareffekt" während des Schlafes interpretieren! Wachstumshormon verhindert, dass wir nachts Muskelmasse verlieren, obwohl wir über Stunden keine Nahrung zu uns nehmen.


Alle Wirkungen werden, wie bereits erwähnt, nicht nur durch das Wachstumshormon selbst, sondern auch durch seine Bruchstücke, den so genannten Wachstumsfaktoren, die hauptsächlich in der Leber und den Nieren, aber auch im Gewebe anderer Organe und in der Muskulatur gebildet werden, ausgelöst. Der für das Muskelwachstum bedeutendste Wachstumsfaktor IGF-I kann inzwischen synthetisch hergestellt werden und ist bereits auch auf dem Schwarzmarkt verfügbar. Was jedoch im Labor vorzüglich klappt, kann im wirklichen Leben gefährlich werden. Substanzen, die das Muskelwachstum im Sinne einer Hypertrophie stimulieren, regen auch andere Zellen zum Wachstum an. Der Muskel schwillt, die Prostata leider auch. Unter IGF-1 nimmt die Muskelmasse zwar zu, es wird jedoch kein Zugewinn an Kraft beobachtet. Die Zunahme der Muskelmasse bezahlt der Anwender mit Unterzuckerung, erniedrigter Sekretion von Wachstumshormon und Störungen im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel. Daher wird IGF-1 für den Aufbau von Muskelmasse immer mit Wachstumshormon kombiniert.

Therapeutisch genutztes Wachstumshormon wird im legalen Handel als Injektionslösung vertrieben. In der Bodybuilding-Szene findet man häufig auch Tabletten und Kautabletten, wobei die Frage offen bleibt, wie viel Wirkstoff nach Magen-Darm-Passage seine Effekte entfalten kann, da die Enzyme des Magens und des Darms die Eiweißstruktur des Peptidhormons bei peroraler Gabe zerstören. Bei Zubereitungen unter Umgehung der Magen-Darm Passage, wie zum Beispiel als Nasenspray oder Sublingualtablette, können jedoch durchaus relevante Mengen resorbiert werden. Die ersten Produkte werden bereits als Supplemente angeboten, obwohl sie noch keine Zulassung haben (siehe später).

Wenngleich Wachstumshormon in physiologischen Mengen ein Segen für heranwachsende Kinder mit Wachstumshormonmangelsyndrom (Ullrich- Turner Syndrom) sind, erscheint die Verabreichung dieses Hormons für gesunde Erwachsene mit normaler Körpergröße äußerst fragwürdig, da Wachstumshormon mit anderen Hormonen interagiert und die zusätzliche Verabreichung auch den Bedarf an Insulin, Schilddrüsenhormonen, Androgenen bzw. Estrogenen, Gonadotropinen und Corticosteroiden erhöht, und damit die Homöostase hormoneller Funktionen stört. Nur bei erwiesenem Wachstumshormonmangel ist die Substitution sinnvoll. Die im Bodybuilding üblichen Dosierungen stören das Hormonprofil und das natürliche Wechselspiel der Hormone massiv.

Daher hat die Verabreichung zwecks Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit gesunder Sportler auch widersprüchliche und enttäuschende Ergebnisse gebracht. Ernährungsbedingte Fehler, wie kohlenhydratarme Diäten und falscher Zeitpunkt der Verabreichung von Wachstumshormon, führten sogar zu Kraftverlust! Beide Fehler verstärken die Dysbalance des hormonellen Gleichgewichts, da sie zu einem extremen Übergewicht des Wachstumshormons gegenüber dem Insulin führen. Insulin fungiert im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel als Gegenspieler, während es im Eiweißstoffwechsel die proteinanabole Wirkung verstärkt.

Typ 2 Diabetes bei Wachstumshormonmissbrauch

Wachstumshormon reduziert den Wirkungsgrad des Insulins. Der Blutzuckerspiegel steigt an und es wird mehr Insulin benötigt, um Glucose in die Muskelzelle einzuschleusen. Da die Insulinantwort bei Wachstumshormonsubstitution abgeschwächt ist, werden die Glykogenspeicher nicht mehr ausreichend aufgefüllt. In diesem Falle sprechen Substanzen, die die Insulinzellrezeptoren der Muskelzellmembran sensibilisieren, besonders gut an. So lässt sich auch erklären, weshalb Vanadylsulfat und Chrompicolinat (beide in Deutschland nicht verkehrsfähig) bei Bodybuildern, die Wachstumshormon spritzen, großartig wirken, während andere Bodybuilder überhaupt keine Wirkung erfahren.

Durch ständige Überforderung der Bauchspeicheldrüse kann es nach einer Wachstumshormonbehandlung zur Manifestation des Diabetes kommen. Allmähliches Nachlassen der Insulinfreisetzung und die Einwirkung zusätzlicher diabetogener Faktoren wie Übergewicht und erbliche Veranlagung, sind die auslösenden Faktoren. Ein Glucose-Belastungstest bringt Gewissheit darüber, ob Insulinresistenz vorliegt oder ob die Bauchspeicheldrüse ungenügende Mengen an Insulin produziert. In diesem Falle wird der Arzt ein Sulfonylharnstoffderivat wie Glibenclamid verordnen müssen. Glibenclamid veranlasst die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin freizusetzen und macht die Insulinzellrezeptoren an der Muskelzellmembranwand wieder leichter erregbar für Insulin, wodurch die Insulinwirkung verstärkt wird!

Nebenwirkungen von Wachstumshormonen

Weitere sehr häufig beobachtete Nebenwirkungen des Missbrauchs von Wachstumshormon sind Wasseransammlung im Gewebe, kardiovaskuläre Störungen und degenerative Muskelerkrankungen sowie kurzzeitiger Tremor, der unmittelbar nach der Injektion auftritt, Schweißausbruch, Herzjagen und Heißhunger. An der Injektionsstelle kann sich subcutanes Fett zurückbilden. Daher wird von den Herstellern empfohlen, die Injektionsstelle zu wechseln. Während der Wachstumshormonbehandlung kann die Schilddrüse häufig nicht mehr den erhöhten Bedarf an Schilddrüsenhormonen durch Eigenproduktion decken. Die eingeschränkte Schilddrüsenfunktion vermindert die Ansprechbarkeit und damit den Wirkungsgrad des verabreichten Wachstumshormons.


Daher wird im Bodybuilding häufig mit Schilddrüsenhormonen (siehe später) experimentiert. Im Beipackzettel der Hersteller wird darauf hingewiesen, dass es während einer Behandlung mit Wachstumshormon zu einer Krebserkrankung der weißen Blutkörperchen kommen kann. Der exzessive Gebrauch von Wachstumshormon kann ähnliche Symptome hervorrufen wie ein Hypophysentumor. Durch den übermäßigen Anstieg des Wachstumshormonspiegels können sich verschiedene Veränderungen im Körper bemerkbar machen. Bei Erwachsenen verändern sich die Gesichtszüge. Durch vermehrtes Wachstum können sich auch die Extremitäten und Gelenke vergrößern, wie zum Beispiel Hände, Füße, Ellenbogen etc. Es kommt zu Gelenkknorpelwucherungen. Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen sind die Folge.

Auch der Knorpelanteil des Brustkorbs vergrößert sich und das Wachstum der inneren Organe wird angeregt. Daher sieht man heutzutage kaum noch Wettkampfbodybuilder mit schlanker Taille. Die Bodybuilder des 21. Jahrhunderts sind zwar massiger geworden, aber leider auch in der Körpermitte. Die Eleganz und Athletik der klassischen Bodybuilder des 20. Jahrhunderts sucht man heute im Profisport vergeblich.

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