Der ungeliebten Körpermasse auf der Spur

Was ist Körperfett?

Ein Artikel von Bodyrecomposition.com
Von Lyle McDonald

Hinweis: Das Folgende ist die Gesamtheit von Kapitel 2 meines Buches "Stubborn Fat Solution".

Die meisten Menschen denken, dass sie alles wissen, was es über das Körperfett zu wissen gibt. Ich bin hier, um dem Leser zu sagen, dass dies nicht der Fall ist. Wenn man meine Artikel gelesen hat, dann wird man einiges hiervon schon gesehen haben, doch ich möchte sicherstellen, dass jeder auf demselben Stand ist, bevor ich den Leser mit den technischen Details überflute.

Was ist es?

Der etwas technischere Begriff für Körperfett ist Fettgewebe, welches aus einzelnen Zellen besteht, die als Adipozyten (adipo = Fett, cyte = Zelle) oder Fettzellen bezeichnet werden. Beim Menschen wird der primäre Typ von Fettzellen als weißes Fettgewebe bezeichnet, welches seinen Namen aufgrund seiner Farbe trägt (tatsächlich ist die wirkliche Farbe mehr ein milchiges gelb). Auch wenn es noch einen anderen Typ von Fett gibt, der als braunes Fettgewebe bezeichnet wird (welches eigentlich eher rötlich/orangefarben ist), geht man im Allgemeinen davon aus, dass Menschen nicht viel braunes Fettgewebe besitzen und dieses somit vernachlässigt werden kann. Wie ich später noch erwähnen werde, wurde dies durch aktuelle Untersuchungen in Frage gestellt. Ich werde im nächsten Kapitel näher auf das braune Fettgewebe eingehen.

Beim Mensch kann es von xxx bis yyy Milliarden Fettzellen geben, deren Durchmesser von 70 bis 120 µm (Mikrometer, das ist ein Millionstel eines Meters) reichen kann. Weißes Fettgewebe besteht beim Menschen primär (im Bereich von 80 bis 95%) aus Fett. Mit Fett meine ich gespeicherte Triglyzeride, welche aus einem Glyzerin Molekül bestehen, an das drei frei Fettsäureketten gebunden sind.

Der Rest der Fettzelle besteht aus einer geringen Menge Wasser und der Zellmaschinerie, die benötigt wird, um die unterschiedlichen Enzyme, Proteine und Produkte zu produzieren, die Fettzellen benötigen, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Wie sich herausstellt, produzieren Fettzellen eine Menge Dinge – einige Gute und einige Schlechte -, die unseren Gesamtstoffwechsel beeinflussen.

Ein (amerikanisches) Pfund Fettgewebe wiegt 454 Gramm. Gehen wir davon aus, dass dieses Fettgewebe zu durchschnittlich 90% aus Lipiden (Fett) besteht, was bedeutet, dass in einem Pfund Fett etwa 400 Gramm Triglyzeride gespeichert sind. Wenn es vom Körper verbrannt wird, liefert ein Gramm Fett 9 kcal, was bedeutet, dass 400 Gramm Fett etwa 3600 kcal gespeicherter Energie enthalten (etwa 7900 kcal pro Kilogramm Fettgewebe). Jetzt weiß man, wo die Faustregel herkommt, dass man etwa 3500 kcal verbrennen muss, um ein Pfund Fett zu verlieren.

Wofür ist es da?

Abgesehen davon, dass es von der modernen Gesellschaft als unattraktiv angesehen wird, mag sich der Leser vielleicht fragen, welche Rolle die Fettzellen im Körper spielen. Die Hauptrolle ist ihre Funktion als Energiespeicher. In der Tat bestand bis etwa 1994 die vorherrschende Betrachtung der Fettzellen darin, dass dies alles ist, wofür sie da sind: ein passiver Ort für den Körper, an dem er Energie für Zeiten speichern kann, zu denen nicht genug Nahrung verfügbar ist. Dies hat sich als drastisch inkorrekt herausgestellt, doch bevor ich fortfahre, sollten wir uns diesen einen Aspekt der Fettzellen ansehen.

Was die Energiespeicherung anbetrifft, sind Fettzellen bezüglich ihrer Speicherkapazität wirklich außergewöhnlich. Wie oben bereits erwähnt wurde, enthält ein Pfund Fettgewebe ungefähr 3500 kcal an gespeicherter Energie. Unter der Annahme, dass man ausschließlich Fett zum Zweck der Energiegewinnung verbrennen könnte, wäre dies genug Energie, um eine 68 Kilo schwere Person 35 Meilen (56 Kilometer) weit laufen zu lassen, bevor diese Energie verbraucht wurde. Das ist nur die Energie von einem Pfund Fett. Selbst ein extrem niedriger Körperfettgehalt von 5 Pfund, was sehr, sehr wenig ist, bedeutet ungefähr 15000 kcal gespeicherte Energie. Das sind etwa 150 Meilen (240 Kilometer) Gehen.

Hier sind einige weitere Zahlen, um dem Leser eine bessere Perspektive zu geben. Der durchschnittliche Amerikaner, der 72 Kilo wiegt und einen Körperfettanteil von etwa 15% aufweist, hat 24 Pfund (11 Kilo) Körperfett, was etwa 84.000 kcal an gespeicherter Energie entspricht. Er wird eine Stoffwechselrate besitzen, die bei etwa 2400 kcal pro Tag liegt. Selbst bei völligem Nahrungsentzug könnte er hiermit fast 35 Tage ohne Nahrung überstehen, wenn man annimmt, dass er 100% Fett zum Zweck der Energieversorgung verwendet.

Extrem fettleibige Personen können mehr als 50 bis 100 Pfund (23 bis 46 Kilo) an Fett besitzen, was 175.000 bis 350.000 kcal an gespeicherter Energie entspricht. Diese Fettmenge könnte sie über mehrere Monate am Leben erhalten, ohne dass die Fettspeicher hierbei vollständig entleert würden. Einige fettleibige Menschen haben für bis zu eine Jahr ohne Probleme gefastet.

Im Gegensatz hierzu summiert sich unsere andere Hauptenergiequelle, welche aus in den Muskeln und in der Leber gespeicherten Kohlenhydraten besteht, auf maximal 500 Gramm auf. Jedes Gramm dieser Kohlenhydrate liefert dem Körper 4 kcal, so dass dies insgesamt 2000 kcal in Form von gespeichertem Glykogen entspricht. Das ist nicht einmal genug, um den Energiebedarf eines einzigen Tages zu decken.

Selbst bei einem extrem niedrigen Körperfettanteil liefert Fett gut siebenmal so viel Energie, wie alle im Körper gespeicherten Kohlenhydrate. Im oberen Bereich des Körperfettanteils kann dies ein Vielfaches der hundertfachen Menge sein. Auch wenn man nicht wirklich möchte, dass der Körper Protein zum Zweck der Energiegewinnung verwendet, würde die Proteinmenge des Körpers nur etwa 10.000 kcal liefern, was immer noch sehr viel weniger als die Energie des gespeicherten Körperfetts ist. Und man würde lange vor dem Zeitpunkt, an dem man alles Protein verbrennen könnte, sterben.

Der Grund für den Unterschied bezüglich der Energiespeicherkapazität ist Wasser. Kohlenhydrate (welche in den Muskeln und der Leber als Glykogen gespeichert werden) werden von einer guten Menge Wasser begleitet. Für jedes Gramm gespeichertes Glykogen werden 3 bis 4 Gramm Wasser mit eingelagert. Im Gegensatz hierzu benötigen Triglyzeride nur etwa 1 Gramm Wasser pro gespeichertem Gramm Fett.

Um 10.000 kcal an Energie in Form von Kohlenhydraten (2500 Gramm Kohlenhydrate) zu speichern, bedürfte es 7500 bis 10000 Gramm Wasser. Die Zellen würden explodieren. Da es nicht mit viel Wasser in Verbindung steht, ist Fett ein sehr platzsparender Weg Energie zu speichern – relativ gesehen.

Zusätzlich hierzu liefert ein Gramm Fett mehr verwertbare Energie als ein Gramm Kohlenhydrate oder Protein. Wie oben bereits erwähnt wurde, liegen die für gewöhnlich angegebenen Werte bei 9 kcal pro Gramm bei Fett und nur bei 4 kcal pro Gramm bei Kohlenhydraten oder Protein. Darüber hinaus gehend, dass der Körper dazu in der Lage ist, mehr Gesamtfett zu speichern, liefert jedes Gramm Fett dem Körper mehr verwendbare Energie. Körperfett ist wahrlich eine ideale Speicherform der Energie.

Ganz offensichtlich ist die außergewöhnliche Energiespeicherfähigkeit der Fettzellen aus evolutionärer Sicht ein Vorteil. Dazu in der Lage zu sein, eine praktisch unbegrenzte Menge an Energie in einem relativ begrenzten Volumen zu speichern, machte es einfacher die Phasen zu überleben, während denen keine Nahrung verfügbar war. Heute Zutage ist dies jedoch nur ein weiteres evolutionäres Überbleibsel, das es einem schwerer macht, in Form zu kommen.

Wenn wir gerade von evolutionären Erklärungen sprechen, mag sich der Leser vielleicht fragen, warum Männer und Frauen so unterschiedliche Fettverteilungsschemata aufweisen und meine "warum" nicht im Zusammenhang mit "Was ist die Ursache hierfür" (was ich in einem späteren Kapitel behandeln werde). Ich meine diese eher in Richtung der Frage, warum sich Männer und Frauen im Lauf der Evolution entsprechend entwickelt haben.

Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich an keine gute Erklärung dafür, dass Männer Fett primär im viszeralen Bereich und rund um den Bauchbereich speichern. Vielleicht war mehr viszerales Fett nützlich, wenn es um die schnelle Mobilisierung von Energie während der Jagd ging. Vielleicht brauchten Männer auch mehr Fett im Bauchbereich, um ihre Organe zu schützen, wenn sie sich gegenseitig verprügelten, um die Aufmerksamkeit einer Höhlenfrau zu erringen. Ein Wissenschaftler glaubt, dass das männliche Fettverteilungsschema im Bauchbereich keinen wirklichen Grund hat, sondern einfach nur eine Auswirkung des Fettaufbaus ist.

Bei Frauen ist die Fettverteilung hingegen einfacher erklärbar. Für sie macht es eine Menge Sinn, mehr Fett im Bereich der Brüste und der Oberschenkel/Hüfte mit sich herum zu tragen. Wie sich herausstellt, dient Hüft- und Oberschenkelfett dazu, Energie zum Stillen nach der Schwangerschaft zu liefern. Interessanterweise wird bei stillenden Frauen das normalerweise hartnäckige und fast unmöglich abbaubare Hüft-/Oberschenkelfett zu dem Fett, das am leichtesten mobilisiert werden kann. Ich habe eine Zeit lang darüber nachgedacht, ob man diesen Effekt auf irgendeine Art und Weise nachahmen könnte (z.B. mit Medikamenten), doch ich habe nie einen praktischen Weg gefunden, um dies zu erreichen.

Zusätzlich hierzu hat sich die weibliche Fettverteilung wahrscheinlich auch aus Gründen der sexuellen Selektion entwickelt. Studien konnten klar zeigen, dass Männer eine Präferenz für ein ideales Taille zu Hüfte Verhältnis (welches Fruchtbarkeit und Gesundheit suggeriert) bei Frauen aufweisen. Eine Frau mit einer schlanken Taille und kurvigen Hüften/Oberschenkeln weist mit größerer Wahrscheinlichkeit dieses optimale Taille zu Hüfte Verhältnis auf, als eine Frau, die mehr viszerales Fett/Bauchfett mit sich herumträgt. In der Tat stehen viele der Situationen, die dazu führen, dass eine Frau mehr viszerales Fett aufbaut (wie z.B. ein polyzystisches Ovarialsyndrom oder PCOS) mit einer reduzierten Fruchtbarkeit in Verbindung. Dies zeigt, welch starkes Signal das Taillen zu Hüfte Verhältnis (welches durch Fett im Bereich der Hüften/Oberschenkel verbessert wird) aus evolutionärer Sich ist.

Ein letzter Kommentar, bevor ich fortfahre: Ich kann nicht erklären, warum Frauen an der Rückseite ihrer Oberarme Fett aufbauen. Ich habe jahrelang hierüber nachgedacht und kam nicht auf den Ansatz einer Idee, warum Frauen in diesem Bereich Fett speichern. Wenn der Leser den Grund kennt – oder denkt ihn zu kennen -, dann sollte er mir bitte eine Email schicken.

Doch Moment, da ist noch mehr

Es gibt eine alte (und inkorrekte) Vorstellung, dass erwachsene Menschen keine neuen Fettzellen aufbauen. Diese Idee geht davon aus – und ich werde hierauf in Kürze etwas näher eingehen -, dass man mit einer bestimmten Anzahl von Fettzellen geboren wird und währen der Pubertät oder der Schwangerschaft einige weitere Fettzellen entwickelt, doch das war es dann auch. Der Körper baut keine neuen Fettzellen auf. Alles an dieser Aussage ist wahr – außer dem letzten Satz: selbst nicht schwangere Erwachsene können neue Fettzellen aufbauen.

Für gewöhnlich geschieht dies, wenn die Fettzellen, über die man verfügt, eine gewisse Größe erreicht haben – sie sind so voll, wie sie physikalisch sein können. Wenn dies geschieht, regt die Dehnung der Fettzellen die Ausschüttung von Faktoren wie Angiotensin II, Prostacylin und anderen an, welche dem Körper „sagen“, dass er aus etwas, das als Preadipozyten bezeichnet wird, neue Fettzellen herstellen soll. Preadipozyten sind „schlafende“ Zellen – eine Art von Soldaten, die auf das Signal warten, in Aktion zu treten. Wenn die richtigen Wachstumsfaktoren ausgeschüttet werden, reifen Preadipozyten zu normalen Adipozyten heran. Voila! Neue Fettzellen.

Diese neu gebildeten Fettzellen können jetzt mit mehr Fett und Glukose gefüllt werden. In der Tat scheint eine neue Klasse von Diabetes Medikamenten (die als TZD Wirkstoffe bezeichnet werden) dadurch zu wirken, dass sie die Produktion neuer Fettzellen anregen, welche dem Blutzucker und den Fettsäuren einen weiteren Ort zur Verfügung stellen, an dem sie eingelagert werden können. Ach ja, wenn die neuen Fettzellen zu groß werden, dann wird der Körper weiterhin neue Fettzellen produzieren. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass der Körper in bestimmten Situationen keine neuen Fettzellen produziert, was eine Menge Gesundheitsprobleme verursacht. Ich möchte weiterhin anmerken, dass dies als Faustregel nur bei extrem fettleibigen Menschen ein Thema ist. Es gibt außerdem eine seltsame medizinische Störung (welche als Lipodystrophie bezeichnet wird), bei der schlanke Erwachsene nicht über genügend Fettzellen verfügen und Gesundheitsprobleme bekommen können. Der Leser dürfte allerdings nicht zu dieser Personengruppe gehören.

Unglücklicherweise ist es fast (wenn nicht sogar völlig) unmöglich, Fettzellen loszuwerden. Sicher, eine Fettabsaugung ist immer möglich, aber darüber hinaus ist eine Eliminierung von Fettzellen sehr schwierig und tritt nur unter extremen Umständen auf. Ich werde später noch über die Apoptose (den Zelltod) von Fettzellen sprechen.

Wenn es einen Grund für Sportler gibt, erst gar nicht fett zu werden, dann ist dies wahrscheinlich der Grund: wenn die Fettzellen zu groß werden, wird der Körper neue Fettzellen produzieren. Und es ist nahezu unmöglich, diese neuen Fettzellen wieder loszuwerden. Offensichtlich gibt es, wenn man bereits sehr fett ist, wenig, was man tun kann: man wird seine Fettzellen behalten, wenn man nicht gerade eine Fettabsaugung oder etwas in diese Richtung durchführen lässt. Wenn man jedoch ein schlanker Sportler ist, der Gewicht aufbauen möchte (und erkennt, dass man etwas Fett aufbauen muss, um dies effektiv tun zu können), sollte man den Fettzuwachs nach oben hin begrenzen. Man möchte seinen Körper mit Sicherheit nicht dazu anregen, neue Fettzellen zu produzieren.

Widerlegung eines Mythos: Fettzellen sind nicht von Grund auf schlecht

Wenn man die meisten Menschen zum Thema Körperfett befragt, werden diese sagen, dass Körperfett etwas Schlechtes ist, dass Sie es loswerden möchten, usw. Selbst Wissenschaftler scheinen die Ansicht, dass Körperfett etwas Negatives ist, zu fördern. Das Hauptaugenmerk scheint auf den negativen Gesundheitsfolgen überschüssigen Körperfetts (d.h. Fettleibigkeit) zu liegen und hierin liegt mit Sicherheit eine Menge Wahrheit. Überschüssiges Körperfett wird mit einer Reihe von Folgen für die Gesundheit in Verbindung gebracht, von denen die meisten negativ ausfallen. Von einer Insulinresistenz bis hin zu einer chronischen Entzündung auf niedrigem Level ist es im Allgemeinen auf lange Sicht gesehen nicht gesund, fett zu werden oder zu bleiben.

Doch dies ist eine zu stark vereinfachende und inkorrekte Sichtweise. Die Existenz von Körperfett spielt bei der menschlichen Gesundheit und dem Überleben über die reine Energie hinaus wichtig Rollen, auch wenn die Energiespeicherung eine der primären Rollen darstellt. Im Grunde genommen gilt, dass auch wenn zu viel Körperfett definitiv ein Gesundheitsrisiko darstellt, zu wenig Körperfett genauso problematisch sein kann.

Eine dieser Rollen des Körperfetts besteht in der physikalischen Polsterung der inneren Organe. Die physikalische Natur des Körperfetts erlaubt es ihm, Kraft effektiver als Muskelgewebe aufzunehmen. Sportler, die Kontaktsportarten wie American Football betreiben, könnten davon profitiere, etwas zusätzliches Körperfett mit sich herum zu tragen, um ihre inneren Organe zu schützen, wenn ein Gegner gegen sie prallt. Natürlich brauchen sich die meisten Menschen in unserer modernen Gesellschaft über so etwas keine Gedanken zu machen.

Fettzellen dienen außerdem als Isolation und halten den Körper warm, wenn es kalt wird. Natürlich können die meisten modernen Menschen auch einfach mehr Kleidung anziehen oder die Heizung aufdrehen – etwas, das unsere Vorfahren jedoch nicht konnten.

Ein weniger bekannter Aspekt der Fettzellen besteht in ihrer kritischen Rolle, die sie im Bereich der Immun- und Entzündungsreaktionen spielen. Preadipozyten, welche ich oben bereits erwähnt habe, agieren wie Makrophagen (Fresszellen), was für eine korrekte Immunsystemreaktion von entscheidender Bedeutung ist. Natürlich stellt dies keine Ausrede für überschüssiges Körperfett dar, doch Menschen die sich auf einen extrem niedrigen Körperfettanteil herunter diäten, berichten regelmäßig davon, häufiger krank zu werden und häufiger unter Entzündungen zu leiden. Auch wenn dies mit Sicherheit nicht alleine auf den Verlust von Körperfett zurückgeführt werden kann, könnte ein geringer Körperfettanteil einen Teil des Puzzles darstellen. Wie ich oben bereits erwähnt habe, gilt auch das Gegenteil: bei fettleibigen Menschen kommt es häufig zu einer chronischen Entzündungsreaktion, die andere Probleme verursacht.

Als letzte wichtige Rolle des Körperfetts für diesen Abschnitt möchte ich über die Rolle der Körperfettspeicher bei der Glukosetoleranz sprechen. Für eine optimale Gesundheit muss der Körper den Blutzuckerspiegel in einem recht eng gestreckten Bereich halten. Jeder, der sich mit Diabetes (sowohl vom Typ I als auch vom Typ II) auskennt weiß, dass ein großer Teil der Gesundheitskonsequenzen dieser Erkrankungen mit dem chronisch hohen Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) zusammenhängt, der aufgrund der Erkrankung zustande kommt. Ein normaler Blutzuckerspiegel befindet sich in einem Bereich von 80 bis 120 ng/dl, wogegen bei Diabetikern vom Typ I Werte von 300 bis 400 ng/dl oder mehr erreicht werden können und sich Diabetiker vom Typ II in den hohen 180-ern oder darüber befinden können. Einfach gesagt, kann ein chronisch hoher Blutzuckerspiegel im Körper eine Menge Schaden anrichten.

Körperfett ist neben den Muskeln und der Leber der einzige Ort, an dem der Körper Glukose speichert. Mit Ratten oder Mensche, die über kein Körperfett verfügen (die Lipodystrophie, die ich oben erwähnt habe), durchgeführte Studien zeige chronisch hohe Blutzuckerspiegel, wie man sie bei Diabetikern vorfindet. Dies liegt daran, dass das Muskelgewebe eine Grenze bezüglich der Menge an Glukose besitzt, die es in Form von Glykogen speichern kann. Diabetiker können den Blutzucker nicht in die Zellen transportieren, da sie unter einem Insulinmangel (Typ I) oder einer Insulinresistenz (Typ II) leiden. Ratten und Menschen ohne Körperfett besitzen hingegen kein Fett, in dem sie Glukose speichern können. Die Mechanismen unterscheiden sich also, während das Endresultat dasselbe ist.

Natürlich kommt es nur sehr selten vor, dass Menschen kein Körperfett besitzen und dieser Zustand führt im Allgemeinen bereits in einem sehr jungen Alter zum Tode. Wenn man dieses Buch liest, leidet man also mit Sicherheit nicht unter dieser Erkrankung. Mein Punkt ist ganz einfach, dass nicht alle Funktionen des Körperfetts inhärent negativ sind. Fett existiert aus einem guten Grund, auch wenn die meisten von uns mehr davon mit sich herumtragen, als sie benötigen oder möchten.

Doch Moment, da ist sogar noch mehr

Ich hoffe, dass der Leser verstanden hat, dass sein Körperfett zusätzlich zu den anderen oben erwähnten Rollen ein erstaunlich effizienter Ort zur Speicherung von Energie ist. Es speichert nicht nur erstaunliche Mengen an Energie, sondern kann bei Bedarf seine Speicherkapazität auch durch die Produktion neuer Fettzellen steigern. Es wäre toll und ich könnte das Kapitel beenden, wenn dies alles wäre, was es zum Thema Körperfett zu wissen gibt. Doch wie Gewöhnlich ist dies nicht der Fall und die Dinge sind weitaus komplizierter.

Seit Mitte der neunziger Jahre (1994, um genau zu sein), hat sich das Bild der Fettzelle als nicht mehr als ein passiver Spieler im Körper für immer verändert. Zusätzlich zu ihrer primären Rolle bei der Energiespeicherung tun die Fettzellen sehr viel mehr, was die Regulierung des Gesamtstoffwechsels des Körpers angeht. Es stellte sich heraus, dass Körperfett selbst ein endokrines Organ ist.

Zusätzlich zu ihrer offensichtlichen Rolle bei der Entsorgung und Speicherung von Nahrungsfetten, konnte gezeigt werden, dass Fettzellen bei Glukosestoffwechsel, Blutdruck, Appetit, Energiesubstratverwendung und Hormonproduktion (um nur einige zu nennen) eine Rolle spielen. Und es scheint so, als ob jede Woche eine weitere Rolle der bescheidenen Fettzellen bei der Regulierung des menschlichen Stoffwechsels gefunden würde. Ich werde in diesem Buch nicht massiv auf die Details eingehen (zumindest nicht auf die Details, die über die Anwendung beim Thema des hartnäckigen Fetts hinaus gehen), aber ich möchte den Leser auf einiges von dem aufmerksam machen, das in den Fettzellen vor sich geht.

Zusätzlich zur Speicherung und Freisetzung von Triglyzeriden produzieren die Fettzellen auch selbst Hormone. Eine Liste der von den Fettzellen ausgeschütteten Verbindungen würde neben mindestens einem halben Dutzend anderer Verbindungen, die ich nennen könnte, wenn ich wollte, die folgenden Verbindungen umfassen:
  • Leptin, welches am Appetit, den Hormonspiegeln, der Fettverbrennung und dem Muskelabbau – ganz zu Schweigen von dutzenden anderer Prozesse - beteiligt ist .
  • Angiotensin II, welches an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt ist und den Blutfluss zur Zelle selbst kontrolliert .
  • Tumor Nekrose Faktor-Alpha, welcher zahlreiche Funktionen inklusive Fettverbrennung, Immunfunktion und Zelltod umfassen kann.
  • IGF-1, welches ein anaboles Hormon darstellt .
  • Entzündungsfördernde Zytokine wie Interleukin-6, welches an der Immunfunktion beteiligt ist.
  • Unterschiedliche Prostaglandine.
  • Stickstoffoxyd.
  • Acylation Stimulation Protein.
  • Resistin.
  • Adiponectin
Fettzellen sind außerdem einer der Hauptorte des Hormonstoffwechsels. Testosteron wird über das Aromataseenzym in den Fettzellen von sowohl Männern als auch Frauen in Östrogen umgewandelt. In der Tat stammt das meiste Östrogen bei Männern (und postmenopausalen Frauen) aus der Umwandlung von Testosteron in den Fettzellen. Mehr Körperfett mit sich herumzutragen kann bei Männern nicht nur mehr Östrogen, sondern auch weniger Testosteron bedeuten (ein weiterer Grund dafür, dass Sportler es vermeiden sollten, zu Fett zu werden). Sportler, die anabole Steroide (oder selbst Prohormone) ohne begleitende Anwendung eines Aromatasehemmers verwenden, werden eine stärkere Umwandlung in Östrogen erleben, wenn sie mehr Körperfett mit sich herum tragen. Auch die Verstoffwechslung anderer Hormone wie DHEA und Androstenedion findet in den Fettzellen statt.

Auch Kortisol wird in den Fettzellen mittels des Enzyms 11-Beta-Steroid Dehydrogenase (11-beta-HSD) verstoffwechselt und es gibt einige Hinweise darauf, dass Unterschiede bezüglich der Aktivität dieses Enzyms damit in Verbindung stehen könnten, wie der Körper Kortisol produziert und mit Kortisol und Übergewicht umgeht.

Und das ist nur ein kurzer Blick auf einige der Dinge, die die Fettzellen im Körper tun. Mit jeder kommenden Woche scheinen die Wissenschaftler etwas Neues herauszufinden. Nebenbei erwähnt, hat die Entdeckung, dass Fettzellen mehr als nur ein passiver Ort zur Speicherung von Energie sind, die Untersuchungen im Bereich des Übergewichts und der Fettsucht revolutioniert. Anstelle von dutzenden von Studien, die zeigen, warum Ballaststoffe für einen Gewichtsverlust wichtig sind, gibt es nun hunderte oder tausende Studien, die sich mit der Vielzahl von Hormonen, die von den Fettzellen ausgeschüttet werden und deren Einfluss auf den Stoffwechsel beschäftigen.

Auch wenn zum augenblicklichen Zeitpunkt viele dieser Faktoren nicht kontrolliert werden können, hat ihre Entdeckung einen völlig neuen Bereich der Möglichkeiten bezüglich der Manipulation der Körperkomposition und der Körperfettspiegel erschlossen. Zumindest wissen wir jetzt mehr darüber, warum unser Körper auf eine bestimmte Art und Weise reagiert. Das Wissen, warum etwas geschieht, gibt uns zumindest die Möglichkeit zu erkennen, wie man diesbezüglich etwas tun könnte.

Der wichtigste Punkt für den Leser ist, dass Fettzellen weitaus mehr als passive Speicherorte für überschüssige Energie sind. Ja, sie haben sich erstaunlich gut an ihre Rolle bezüglich der Speicherung von Energie angepasst, doch sie tun noch weitaus mehr.

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