Auch die kann man immer gebrauchen

Ein paar weitere simple Diät-Tipps

Diäten sind ein interessantes Phänomen unserer Tage. Im Zeitalter des Überflusses gehen wir freiwillig Hungerphasen ein und legen dabei teilweise eine Ernährung an den Tag, die einen Bewohner der Sahel-Zone ehrfürchtig den Hut ziehen lassen würde, wenn er die Kraft dazu hätte. Nachdem ich vor über einem Jahr ein Quintett an simplen Diät-Tipps unters Volk gebracht hatte, ist es an der Zeit erneut den Ernährungsguru raushängen zu lassen. Hier also ein paar weitere simple Diät-Tipps.

Kaltes klares Wasser

Der Amerikaner Tim Ferriss verspricht mit seinem 4-Stunden-Körper-Konzept maximalen Erfolg, wenn man unter anderem dazu bereit ist regelmäßig Eisbäder zu nehmen. Wer die Idee super findet und daraus nur eine logische Weiterentwicklung von Kleopatras Ziegenmilchbädern sieht, muss leider enttäuscht werden: Es sind nicht lactosehaltige Kalorienbäder gemeint, sondern einfach nur verdammt kaltes Wasser. Ehrlich gesagt, kann ich diesem Tipp nicht viel abverlangen. Nachdem ich zwei Mal am Braveheart Battle teilgenommen hatte und mehrfach nur mit Schottenrock und Laufschuhen bekleidet in 2° kaltes Flusswasser gesprungen bin, kenne ich nicht nur die Bedeutung von klein deutlich besser, sondern weiß auch meine heiße Dusche am Morgen umso mehr zu schätzen.

Als Getränk dagegen ist eiskaltes Wasser – oder auch ein Light-Getränk der eigenen Wahl – durchaus eine ernstzunehmende Option in der Diät. Dabei geht es weniger um den Kalorienverbrennungseffekt als um die Tatsache, dass mich persönlich eiskalte Getränke besser "sättigen" als Getränke auf Zimmertemperatur. Und das beste: Sitt machen sie auch noch!

Lass jeden Tag Freitag sein

In der christlichen Tradition ist an jedem Freitag der Verzehr von Fleisch verboten, da dem Tod des wohl berühmtesten Wanderpredigers gedacht wird. Doch wie auch manch Vollzeit-Vegetarier wussten sich die gläubigen Freitags-Pescetarier zu helfen, indem stattdessen vermehrt auf Fisch gesetzt wird.

Bevor der Leser nun aber den nächsten Käpt'n Iglo Kutter kapert, muss dem exzessiven Verzehr von Fischstäbchen leider ein Riegel vorgeschoben werden. Die Chicken-McNuggets der Meere haben in der Diät leider genauso viel auf dem Teller zu suchen, wie Pommes als Gemüsebeilage.

Andere, fettarme Fischsorten haben dagegen im Vergleich zu Hähnchen oder Rind den Vorteil, dass ihr Eiweißgehalt pro 100g niedriger ist und man somit deutlich mehr davon essen darf. In Zeiten, in denen die Reiskörner abgezählt werden, sicherlich ein immenser psychologischer Vorteil.

Geduld

In einer Sportart, in der so viele Hobby-Sportler wie vermutlich in keiner zweiten zur Hilfe aus dem Medizinschrank greifen, weil der Bizeps nach drei Jahren intensiven Trainings an sein genetisches Limit gestoßen ist, kann das Thema Geduld vermutlich nicht oft genug erwähnt werden. Geduld ist nicht nur eine Tugend, sondern auch der Hauptgrund, dass Anfänger in Internetforen Fragen beantwortet kommen, die letzte Woche schon zehn Mal gestellt wurden. Sie macht nicht nur aus einem Padavan den Jedi, sondern kann in einer Diät auch vor voreiligen Entschlüssen und radikalen Maßnahmen schützen.

Gerade in Phasen, in denen man das Gefühl hat, dass es nicht mehr weiter geht, obwohl man bereits an der Kalorienschraube gedreht hat, bedarf es manchmal etwas Geduld, bis der Körper bereit ist, entscheidende Zentimeter Hüftgold zu verlieren. Drosselt man in dieser Phase der Diät die Kalorien jedoch noch weiter, verschießt man nur unnötig sein Pulver, das man möglicherweise noch für eine lange Schlacht braucht.

Werde zum Graf Zahl

Da die Wenigsten für eine bestimmte Gewichtsklasse als viel mehr für ein gewisses Schönheitsideal abnehmen werden, sind Zahlen nichts als Schall und Rauch. Die Freibadmiezen interessiert es nicht, ob man 80 oder 100kg wiegt, solange man(n) optisch überzeugen kann und jeder, der schon einmal halbwegs in Form war, wird die optische Täuschung eines dünneren, aber definierten Oberarms kennen. Zahlen sind also ein komplexes Thema in einer Diät, die eigentlich einen Artikel für sich selbst verdient hätten, doch an dieser Stelle soll ein simpler Tipp genügen:

Während Brigitte, Tina und Petra die Waage als Feind betrachten und im Horoskop schreiben, dass die nächste Kohldiät garantiert 4 Pfund in 5 Tagen bringen wird, sollten erfolgsorientierte Diätende die Waage viel mehr als hilfreichen Freund verstehen. Zwischen Morgentoilette und erschrockenem Blick in den Spiegel gehört daher tagtäglich der Gang über die Waage, so dass das eigene Gewicht für jeden Tag im möglichst gleichen Zustand dokumentiert wird. Mit der Zeit wird man ein Gefühl dafür bekommen, wie lange das Wasser vom Carb-Reload sich auf der Waage bemerkbar macht, welche Gewichtsschwankungen ein paar Leinsamen mehr ausmachen können und in welche Richtung sich das eigene Gewicht mittelfristig tatsächlich bewegt. Zusammen mit regelmäßigen Maßbandmessungen an Hüfte und Armen (oder einer anderen Muskelgruppe, an der man leicht dazu neigt Volumen zu verlieren) hat man eine objektive Einschätzung der eigenen Entwicklung, die jeden "Auf welchen KFA schätzt ihr mich?"-Thread im Internet mit dazugehörigen von Lichtspielereien geschwängerten Fotos um Meilen schlägt.

Vertraue keinem Supplement, das du nicht selbst verkaufst

Ich kann mich an eine Diät vor gut 6 Jahren erinnern, in der ich für einen Powerlifting-Wettkampf Gewicht gemacht hatte und entsprechend ein paar Kilos runter mussten. Jeder, der schon einmal die ein oder andere Diät durchgezogen hat, wird sich früher oder später an die abstrusesten Strohhalme klammern und so investierte auch ich mein Geld in einige Supplemente, die aus heutiger Perspektive vermutlich einen so deutlichen Unterschied machten, als ob ich ab morgen nur noch mit dem linken statt dem rechten Fuß zuerst aufstehe. Wer schon dachte, dass der Supplemente-Markt für den erfolgreichen Masseaufbau überfüllt wäre, hat sich bisher wohl noch nicht mit bunten Dosen rund um die Diät beschäftigt – und kann sich die Zeit auch in Zukunft getrost sparen. Wer allerdings erhofft, seinen Diät-Erfolg von ein paar Kapseln oder einem Scoop Pulver seiner Wahl pro Tag abhängig zu machen, hat den Sinn einer sinnvollen Diät nicht verstanden.

Im Prinzip fährt man gut damit in der Diät die gleichen Supplemente zu nutzen, die man auch außerhalb der Diät sinnvoll einsetzt, wobei das ohne Frage eine weit auslegbare Festlegung ist. Andererseits hat der ein oder andere damit vielleicht zumindest verstanden, dass zerschredderte Cornflakes und Haferflocken mit etwas Eiweißpulver in einer bunten Dose auch in der Aufbauphase ihr Geld nicht wert sind.

Schluss

Das waren fünf weitere simple Diät-Tipps, die sicherlich allesamt keine Geheimnis sind. Aber das ist ja das Schöne an einer erfolgreichen Diät: Das Geheimnis ist, dass es keine Geheimnisse gibt – wir vergessen nur manchmal die simpelsten Tricks und Kniffe.

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