Leseprobe

Finde als Frau einen Wettkampf-Coach

Der vorliegende Text ist eine Leseprobe aus dem Buch "Eisennixe - Auf die Bühne und wieder zurück", das es exklusiv auf Amazon zu kaufen gibt. Das von Sabrina Fink geschriebene Buch richtet sich an Frauen, die erstmals auf die Wettkampfbühne wollen und Antworten auf ihre offenen Fragen suchen.


Die erste und wichtigste Frage, die du dir stellen musst, ist: Brauche ich überhaupt einen Coach? Im Nachfolgenden verwende ich hierfür der Einfachheit halber die männlichen Form, es gibt aber auch sehr viele weibliche Coaches. Im Fitness-Studio sehe ich Männer wie Frauen, die richtig gut aussehen und mit Ambitionen trainieren. Natürlich ist der Bühnen Look noch einmal anders als der fitte Alltags Look, aber die Werkzeuge sind dieselben. Daher hat die oben genannte Frage für mich durchaus ihre Berechtigung.

Zunächst einmal ist ein Coach ein Dienstleister. Du bezahlst ihn für seine Arbeit an und mit dir. Was darfst du erwarten?
  • Ernährungsplan
  • Trainigsplan inkl. Cardio-Einheiten
  • Regelmäßige Treffen inkl. Formchecks
  • Rat und Mentoring
  • gegebenenfalls Begleitung und Betreuung am Wettkampftag vor Ort
Nicht jeder Coach bietet dieses Paket komplett an.

Die einen schreiben dir einen festen Ernährungsplan (8 Uhr Haferflocken, 12 Uhr Huhn etc.). Die anderen geben dir schlicht die Makros und nur Empfehlung für die Auswahl der Nahrungsmittel. Einige schreiben dir einen detaillierten Trainingsplan inkl. Übungen und Gewichten. Andere gehen davon aus, dass du schon weißt, wie man trainiert. Einige geben das Cardiogerät vor, andere nur die Dauer der Einheiten.

Regelmäßige Treffen können live geschehen, was in meinen Augen die beste Variante ist. Bei anderen Coaches ist es aufgrund der Distanz nur via Skype möglich. Die Treffen können monatlich sein, zum Ende der Diät hin wöchentlich passieren.

Einige Coaches bieten eine WhatsApp-Gruppe, eine private Facebook-Gruppe, einen 24/7-Service per SMS an, andere sprichst du nur bei den Formchecks. Und nicht jeder wird dir tägliche Motivations-E-Mails schicken, was in meinen Augen auch nicht seine Aufgabe ist. Ein Coach ist nicht deine beste Freundin oder Mutter. Dennoch sollte er in der Lage sein, auf deine Fragen richtig zu antworten und sie nicht beiseite zu wischen mit einem "Das machen wir so, weil ich es will!".

Eine Betreuung am Wettkampftag kann und will nicht jeder Coach leisten. Mitunter hat er zu viele Athleten oder es ist einfach nicht sein Ding. Darüber solltest du frühzeitig sprechen, ob es gegebenenfalls Betreuer vom Team, dem jeweiligen Landesverband oder Studio gibt, für das Du startest. Oder du lässt dich vom Partner oder Freunden betreuen.

Was für Voraussetzungen sollte der Coach also mitbringen?


Hier gibt es eine Reihe an Punkten:
  • Wissen
  • Erfahrungen
  • Neutraler Blick
  • Engagement/Leidenschaft
Das sind für mich die wichtigsten Punkte.

Wissen ist hierbei relativ. Ich kenne Coaches, die sämtliche Lizenzen und Workshops absolviert haben, und doch hapert es dann bei der Umsetzung. Es braucht in meinen Augen keine zig Lizenzen, wenn man sich intensiv damit auseinandersetzt. Hier ist ein fließender Übergang zum nächsten Punkt: Erfahrung. Mit den Jahren im Wettkampfsport sammelt man immer mehr Erfahrungen. Man hat mehr Erfahrungen im Umgang mit Menschen, mit verschiedenen Charakteren, wer worauf und wie reagiert. Der eine braucht täglich ein Schulterklopfen, der andere kann besser mit einem Tritt in den Po umgehen.

Foto: Oliver Rink

Jeder Körper reagiert anders auf verschiedene Diät- und Trainingsansätze. Auch sind in den verschiedenen Klassen durchaus unterschiedliche Ansätze angebracht.
Ich habe es schon oft erlebt, dass "alte Bodybuilding-Hasen" sich mit der Vorbereitung für die Bikini-Klasse schwergetan haben, weil der bloße Bodybuilding-Ansatz hierfür eben nicht ausreicht. Wie schon ausgeführt, sind die gewollten Looks je Klasse teilweise sehr unterschiedlich. Das heißt ja aber nicht, dass derjenige keine ausreichende Expertise hat. Nur eben nicht für diese Klasse. Und vielleicht auch nur für diesen Moment, denn wir alle können dazu lernen und uns weiterentwickeln.
Nicht jeder Coach hat einen neutralen Blick. Das ist eine der wichtigsten Eigenschaften.

Ich tendiere meist eher dazu, mit den Athleten, die ich persönlich gut kenne, zu hart ins Gericht zu gehen. Ich will und wollte nie "zu nett" sein. Der neutrale Blick heißt, dein Coach (oder jemand anderes) sieht dich in regelmäßigen Abständen für einen kleinen Formcheck. Er gibt dir dann eine Einschätzung, ob du gut im Zeitplan für den Wettkampf bist, oder gegebenenfalls etwas mehr oder weniger Gas geben solltest. Auch hierfür braucht es natürlich Erfahrung.

Das Engagement und die Leidenschaft für die Sache zeigt nicht jeder. Coaching ist ein Job. Dafür wird Geld gezahlt. Aber es ist mehr. Der Athlet vertraut dem Coach seinen Körper, seine Gesundheit, sein Herzblut an. Man lernt sich während einer Vorbereitung sehr intensiv kennen, kommt sich sehr nah. An guten und schlechten Tagen, redet am Ende sogar über den Stuhlgang, sieht sich regelmäßig leicht bekleidet. Noch intensiver geht es kaum. Deshalb ist Engagement wichtig. Du willst nicht nur eine Nummer sein beim Coach, sondern das Gefühl haben, ernst und wichtig genommen zu werden. Viele Coaches schaffen das auch mit 20 Athleten pro Saison, andere nicht mit 5. Es hängt von dem Menschen ab.

Natürlich ist es in meinen Augen auch wichtig, dass dein Coach sich mit dem Verband und seinem Regelwerk auskennt. Er sollte schon wissen, was es heißt, Newcomer zu sein, oder bis wann man Junior ist nach den Statuten deines Wunschverbandes. Tatsächlich sollte er ein Gefühl dafür haben, welcher Look für welche Klasse notwendig ist. Ansonsten kann er dich wohl eher schlecht als recht auf deinem Weg zur Bühne begleiten. Selbst wenn er es noch nicht weiß, dann sollte er den Einsatz zeigen und sich informieren, um dich gut beraten zu können.

Wo finde ich nun einen Coach?

Zunächst sollte man sich einen Zeitpunkt überlegen. Will ich mit dem Coach nur die reine Wettkampfvorbereitung machen oder schon vorher an möglichen Schwachpunkten arbeiten? Langfristig erreicht man gemeinsam mehr, körperlich wie auch mental. Ein Coach wird dir eine Einschätzung geben und dir notfalls raten, noch ein wenig länger zu trainieren und dann erst auf die Bühne zu gehen. Es braucht die gewisse Grundmuskulatur, bevor es sich lohnt, in eine Diät zur Definition zu starten.

Du bist sicher in einem Studio angemeldet. Vielleicht gibt es dort Coaches mit einer entsprechenden Expertise. Das wird in Zeiten der großen Ketten aber leider immer weniger. Du kannst natürlich im Internet suchen, einen Aufruf bei Facebook oder Instagram starten. Oder Du wendest dich an deinen jeweiligen Verband/Landesverband. Vielleicht können sie dir jemanden in deiner Stadt oder Nähe empfehlen. Vielleicht schreibst du anderen Athletinnen an und fragst sie nach ihrem Coach.
Wichtig ist: Suche dir mit gesundem Menschenverstand deinen Coach aus!
Der Begriff "Coach" ist nicht geschützt. Jeder kann sich als Coach bezeichnen. Und leider gibt es genug "schwarze Schafe". Da wird dir ein vorgefertigter Diätplan für mehrere Wochen gemailt und du hörst nie wieder was von ihm. Hast du ein komisches Gefühl, dann lasse lieber die Finger davon. Es gibt so viele Feinheiten zu beachten und durchaus auch Risiken bei einer Vorbereitung. Essstörung und Stoffwechselschädigung lassen grüßen! Daher kein Risiko eingehen.

Wenn du die Möglichkeiten hast, fahr hin, unterhalte dich persönlich oder telefoniere wenigstens mit ihm. Oftmals lohnt es sich, ein paar Kilometer zu fahren. Ich finde, dass ein Coach erreichbar sein muss. Jemand in den USA mag tolle Kenntnisse haben und Profi-Athleten betreuen. Es bringt dir aber relativ wenig, wenn der Formcheck nur via Skype stattfinden kann. Du dann nur die Überweisung 324 bist und maximal eine E-Mail im Monat mit einem neuen Plan erhältst. Gerade für Anfänger ist das sicherlich suboptimal.

Frage den Coach, wie er arbeitet, mit welcher Diät- und Trainingsform. Einige schwören auf Eiweiß-Fett-Diät, andere wiederum machen Oldschool nur Reis, Gemüse und Pute. Einige machen mit dir Track-Workouts, HIIT oder gar kein Cardio, andere lassen dich 60 Minuten täglich Rad fahren. Jeder hat da andere Erfahrungen und andere Vorlieben. Deshalb vorab klären, wo der Weg hingeht, damit es hinterher keine Überraschungen gibt.

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