Mogelpackung?

Whey Hydrolysat: Werbegag oder sinnvolle Optimierung?

Whey Hydrolysat wirbt mit einer verbesserten Aufnahmefähigkeit im Vergleich zu anderen Proteinpulvern, da die Proteinketten bereits aufgespalten sein. Der folgende Artikel soll erläutern, was hinter dem Produkt Whey Hydrolysat steht, und ob dieses als Supplement für Bodybuilding und Kraftsportler sinnvoll ist.

Whey, Whey Isolat und Whey Hydrolysat: Wo ist der Unterschied?

Schaut man sich auf dem Proteinpulvermarkt nur lang genug um, findet man vermutlich mehr verschiedene Pulverarten, als man Modern Talking Songs aufsagen könnte. Neben Klassikern wie Whey und Casein existieren zum einen vor allem Mehrkomponentenproteine in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen und zum anderen ist die Palette an pflanzlichen Proteinpulvern erstaunlich vielfältig.

Doch auch beim Molkeprotein, was unter dem Namen Whey deutlich gebräuchlicher in Bodybuildingkreisen ist, gibt es verschiedene Varianten, wenn der Verbraucher etwas genauer hinschaut.

Foto: Matthias Busse

Was ist Molke(protein)?

Aus Milch sind bekanntlich eine Vielzahl an verschiedenen Produkten herstellbar. Neben der eigentlichen Milch zählen vor allem Quark, Sahne, Joghurt und eben Käse zu den typischen Milchprodukten, die wir im Supermarkt finden.

Molke entsteht bei der Käseproduktion. Wenn die Milch zu Käse gerinnt, bleibt eine Flüssigkeit übrig, die zum allergrößten Teil aus Wasser besteht: die Molke. Bis zu einem Prozent dieser Flüssigkeit, die praktisch fettfrei ist, stellt das Molkeprotein dar, was wir besser unter dem Produktnamen Whey kennen.

Dieses ist aufgrund der Aminosäurenzusammensetzung und der leichten Verdaulichkeit sehr hochwertig und entsprechend als Nahrungsergänzungsmittel unter Bodybuildern und Kraftsportler beliebt.

Isolat und Hydrolysat

Das Whey-Pulver kann nun noch weiter verarbeitet werden. Ein Whey Isolat zeichnet sich dadurch aus, dass Fett- und Lactoseanteil des Rohstoffs unter 1 % liegen, wobei Aromen bzw. Geschmackszusätze diesen Anteil im letztendlichen Pulver natürlich leicht anheben können. Die Herstellung eines Whey Isolats ist dabei entweder mittels Ionenaustausch-Verfahren möglich oder durch das sogenannte Mikrofiltrationsverfahren. Letzteres ist schonender und erhält bioaktive Proteinfraktionen.

Deutlich seltener bieten einige Hersteller dagegen Hydrolysat als weitere vermeintliche Optimierung an. Bei einem Hydrolysat werden die Proteinstrukturen mittels Pepsin-Enzymen gespalten, so dass aus langen Aminosäurenketten deutlich kürzere Peptide (Aminosäurenketten bis zu einer Länge von ca. 100) werden. Bringt das überhaupt einen Vorteil?

Die Verdauung und Aufspaltung von Protein

In einem vor kurzem veröffentlichen Artikel zu kollagenem Eiweiß erklärte ich bereits, wie der Körper Aminosäuren bei Bedarf umwandelt, und dass die biologische Wertigkeit bei einer reichhaltigen Proteinkombination und -zufuhr keine Bedeutung in der Praxis hat. Wie sieht es aber mit der Vorspaltung in Peptid-Ketten aus?

Proteine werden im Magen mittels dort zugeführten Pepsin-Enzymen zerteilt. Streng genommen also genau das Gleiche, was im Rahmen der Hydrolysat-Herstellung durchgeführt wird. Supplement-Anbieter werben in diesem Zusammenhang damit, dass dies eine Zeiteinsparung bedeuten würden, da die Spaltung zum einen bereits (zum Teil) erfolgt ist und zum anderen eine Aufnahme über die Magenschleimhaut anteilig erfolgen würde.

Der größte Teil der eigentlichen Aufnahme der Aminosäuren muss aber auch bei einem Hydrolysat über den Dünndarm stattfinden. Inwiefern dies praktisch tatsächlich schneller als bei einem Whey-Protein geschieht, das nach ca. 30 Minuten bereits für einen Aminosäurenanstieg im Blut sorgt, ist fraglich und Argumente dahingehend eher theoretischer Natur.

Eine bessere Zielgruppe wären Personen, die Probleme mit der Pepsin-Enzym-Produktion haben, wobei dies bei gesunden Trainierenden nicht der Fall sein sollte. Diese Menschen könnten tatsächlich sinnvoll von einem Hydrolysat profitieren. In der Praxis wird die tatsächlich Besserung jedoch auch eingeschränkt sein, denn reine Hydrolysate haben dasselbe Probleme wie freie Aminosäuren: Es schmeckt scheiße!

Schoko, Vanille und Kotze: Soll es schmecken oder wirken?

Schon einmal Arginin pur gelöffelt? Oder bei einem BCAA-Produkt den typischen Geschmack trotz hinzugefügtem Aroma bemerkt? Dann stell dir einen Shake, der komplett auf diese Weise schmecken würde vor und du hast ein Whey Hydrolysat.
Aus diesem Grund kombinieren Abfüller reines Hydrolysat mit Whey (Isolat), wobei der Anteil des Hydrolysats oftmals lediglich um die 5 % beträgt. Das Kombiprodukt wird dennoch als "Whey Hydrolysat" betitelt.
In gewisser Weise ist die Bezeichnung auf dem Produkt also durchaus trügerisch. Reines Hydrolysat-Pulver wird in erster Linie für die Herstellung von Aminosäuren-Tabletten verwendet, bei denen der Geschmack nicht wichtig ist.

Gesunde Bodybuilder und Kraftsportler werden somit von handelsüblichen Hydrolysaten keinerlei Vorteile haben und können ihr Geld lieber in kostengünstigeres Whey Protein investieren.

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