Der große Einkaufs-Guide (I)

Worauf sollte ich beim Lebensmittelkauf achten?

Egal ob Wettkampfathlet oder Freizeitsportler: Die Ernährung spielt in unserem Sport eine mindestens genauso große Rolle wie das Training. Selbstverständlich kann man getreu dem Motto "If it fit your macros" einzig die Kalorien und die Makronährstoffverteilung im Auge haben, möchte man die ganze Sache ganzheitlicher angehen, sollte man sich jedoch genauer mit der eigenen Ernährung beschäftigen.

Noch lange bevor es um die Zubereitung der Mahlzeiten geht, kommt der Einkauf ins Spiel. Hier entscheidet sich, welche Qualität die nächsten Mahlzeiten haben können. Was ihr aus den Lebensmitteln macht, das steht auf einem anderen Blatt. Doch ohne die entsprechenden hochqualitativen Lebensmittel kann das Ergebnis nicht wirklich gut werden. Aus Scheiße kann man kein Gold machen. Entsprechend solltet ihr schon beim Einkauf sehr genau auf die Qualität der eingekauften Waren achten.


Supermarkt, Discounter, Bio-Markt, Einzelhandel oder der klassische Markt?

Die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist, woher man seine Lebensmittel bezieht. Dabei muss man neben qualitativen Aspekten natürlich auch den Preis und den Zeitaufwand im Auge haben.
  • Praktisch sind sicherlich Supermärkte, die als Vollversorger meist alles im Sortiment haben, was man benötigt. Zunehmend beginnen auch Discounter sich als Vollversorger zu positionieren, meistens preislich unterhalb des Supermarktes angesiedelt.
  • Bio-Märkte liegen derzeit voll im Trend. Gerade in Großstädten sprießen sie an jeder Ecke aus dem Boden. Je nach Größe entspricht ihr Angebot dem der Supermärkte, ist jedoch "spezieller" im Hinblick auf die Auswahl der Produkte. Wer speziellere Dinge sucht, wird hier häufig fündig und kann sich den Gang ins Reformhaus sparen. Jedoch zahlt man auch für den Bio-Hype. Der klassische Markt ist ein ganz anderes Einkaufserlebnis: Nirgendwo sonst bekommt man eine vergleichbare Auswahl an frischen Lebensmitteln, oft auch zu recht humanen Preisen. Als Vollversorger taugt der Markt jedoch nur bedingt: Bestimmte Lebensmittel wie Reis oder Haferflocken sucht man hier zumeist vergebens.
  • Und dann ist da noch der Einzelhandel. Wenngleich vielerorts von den großen Supermärkten und Discountern verdrängt, gibt es sie immer noch: Metzger, Bäckereien, Gemüsehändler, Fischhändler, die keiner Kette angehören. Diese kleinen Geschäfte können in der Regel preislich nicht mit den großen Märkten konkurrieren, bieten dafür jedoch eine ganz andere Qualität der Beratung und häufig lokale Spezialitäten, die man sonst nur auf dem Markt findet.
Die Frage, wo man einkaufen sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten.

Einerseits muss man natürlich den Kostenfaktor im Auge behalten. Ich plädiere grundsätzlich dafür, nicht an dem zu sparen, was man zu sich nimmt. Qualitativ hochwertige Ernährung hat eben ihren Preis. Man kann nicht ernsthaft glauben, dass Fleisch, das fünf Euro pro Kilo kostet, auch nur irgendetwas mit Qualität zu tun hat.
Der englische Sozialreformer John Ruskin schrieb einst:
"Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen.

Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen."
Wenn auch nicht in jedem Punkt passend, beschreibt dieses Zitat sehr treffend wie unsinnig es ist, zu glauben, man könne für den kleinsten Preis ansprechende Qualität bekommen. Löst euch von diesem Gedanken! Darüber hinaus:
Aus ethisch-moralischer Sicht ist ein solches Kaufverhalten schlicht pervers. Ich will hier nicht anfangen über Legebatterien und Fleischfabriken zu sinnieren, aber die Bilder sollten jedem bekannt sein. Natürlich ist das alles nur im Rahmen der eigenen finanziellen Möglichkeiten machbar. Nicht jeder kann sich täglich grasgefüttertes Bio-Rind leisten. Auf diesen Punkt werde ich noch eingehen. Aus diesem Grund minderwertige Qualität zu kaufen, sollte jedoch der letzte Weg sein.
Zurück zur Frage, wo ihr einkaufen solltet: Wenn irgendwie möglich, kauft auf Wochenmärkten und im Einzelhandel ein. Unterstützt diese Händler mit ihrem Angebot hochwertiger lokaler Waren. Hier erhaltet ihr Frische, Qualität und Beratung und unterstützt darüber hinaus eure Region und schont die Umwelt. Zudem entdeckt man häufig Lebensmittel, von denen man noch nie zuvor gehört hat, speziell, wenn man sich auf kleine Geschäfte von ausländischen Betreibern einlässt.

Insbesondere das Angebot an Gewürzen und Kräutern ist beeindruckend. Soll es ein Vollversorger sein, sollte man sich nicht von großen Namen blenden lassen. Häufig bieten Handelsmarken die gleiche Qualität wie bekannte Markenprodukte. Hier lohnt es sich zu informieren und zu vergleichen. Es kann auch sinnvoll sein, den Einkauf zu splitten: Obst und Gemüse vom Markt, Getreideprodukte vom Bäcker, Fleisch vom Metzger und Dinge wie Kaffee, Zerealien etc. aus dem Vollversorger.

Der liebe Preis

It’s all about the money. Wie bereits erwähnt, halte ich im Bezug auf Lebensmittel nichts von diesem Motto. Dennoch ist der Preis eine Größe, die das Einkaufsverhalten häufig zwangsläufig beeinflusst. Doch es gibt Strategien, hochwertige Lebensmittel zu günstigen Preisen zu erwerben.
  1. Lokal und Saisonal einkaufen: Gerade auf dem Wochenmarkt oder in Hofläden bekommt ihr zumeist keine Himbeeren im Dezember. Und wer unbedingt Exoten haben will, ist hier falsch. Doch lohnt es sich, lokalen und saisonalen Lebensmitteln insbesondere bei Obst und Gemüse eine Chance zu geben. Frischer Spargel im Frühjahr, Kürbisse im Herbst: Die Auswahl ist groß und häufig entdeckt man auf diesem Wege Lebensmittel, von denen man zwar mal von Oma gehört hat, die man selbst jedoch noch nie in der Hand hatte.

    Aber warum nicht einmal Schwarzwurzel oder Rettich versuchen? Auf diese Weise vermeidet ihr Langeweile auf dem Tisch. Weiterer Vorteil: Diese Produkte wurden nicht aufwändig um die halbe Welt geschifft, was einerseits der Umwelt hilft, meist aber auch den Preis drückt. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Spargel, den ihr beim Bauer häufig frischer und deutlich günstiger bekommt als im Supermarkt.

    Das klappt übrigens auch bei Fleisch und Fisch: Es muss nicht immer exotisch sein: Forellen und Saiblinge gibt es häufig günstig in der nah gelegenen Zucht und diese Zuchtbetriebe haben nichts mit den Aquakulturen zu tun, in denen die beliebten Pangasius in ihrer eigenen Gülle vor sich hinvegetieren.
  2. Größere Mengen einkaufen: Gerade bei Fleisch bietet sich das an. Viele Bauern geben sehr gute Preise bei der Abnahme von größeren Mengen, insbesondere bei Rind, Jäger gleiches bei Wild. Wer sich mit ein paar Freunden zusammenschließt und ein ganzes Rind, ein ganzes Reh oder ein ganzes Wildschwein nimmt, bekommt in der Regel gute Preise. Das Fleisch erhaltet ihr meist portioniert, zumindest aber zerlegt. Jetzt braucht ihr nur noch ein großes Gefrierfach und das Fleisch für die nächste Zeit ist gesichert.
  3. Produkte mit geringer Mindesthaltbarkeit kaufen: Gerade in Supermärkten und Biomärkten gibt es häufig Milchprodukte oder auch Fleisch günstiger, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum naht. Wer nicht vor hat, die Sachen zu horten, kann hier kräftig sparen.

Sattelt die Einkaufwägen!

Im Folgenden werde ich nicht mehr explizit auf die oben genannten Punkte eingehen. Die Aussagen treffen auf alle Möglichkeiten des Einkaufs zu. Grundsätzlich sollte man, sofern möglich, Zeit für den Einkauf haben. In der Praxis sieht es meistens so aus, dass man gehetzt durch einen Supermarkt hechtet. Sinnvoll ist das sicher nicht.

Erstens übersieht man so tolle Angebote und greift zweitens letztlich doch zum Billigfleisch, weil es eben gerade greifbar ist. Ein Wocheneinkauf auf dem Markt, dazu eine Fahrt zum nah gelegenen Bauern, das kann auch ein schöner Familienausflug sein, bzw. eine interessante Alternative für ein Date zum gängigen Café. So erhält man auch einen anderen Bezug zu dem, was man isst. Aber auch für den Einkauf im Supermarkt sollte man nicht übermäßig gestresst sein und Zeit mitbringen.

Tiefkühlware oder frisch? Was sollte ich kaufen?

Bevor wir nun die einzelnen Produkte durchgehen, beschäftigen wir uns mit der Frage, ob frische Produkte immer die bessere Wahl sind, oder ob in bestimmten Fällen TK oder gar Konserven überlegen sind.

Grundsätzlich bevorzuge ich frische Produkte. Man sieht direkt, was man hat und die Nährstoffdichte ist in aller Regel am höchsten. Das trifft jedoch nur zu, wenn die Produkte wirklich frisch sind, denn mit jedem Tag verlieren sie in der Regel an Qualität.
Produkte, die aktuell keine Saison haben und von denen man weiß, dass sie einen langen Transport hinter sich haben, bis sie in der Auslage liegen, sollte man meiden oder auf TK zurückgreifen. Vor allem als Notreserve eignet sich TK wunderbar, insbesondere bei Spinat, Kaisergemüse o.ä.
Aber Vorsicht: Viele Gemüsemischungen enthalten eine Gewürzmischung. Diese ist in den meisten Fällen in Form einer Mischung aus Fett und Zucker mit beigefügten Geschmacksstoffen enthalten. Hier hat man massig versteckte Kalorien und zudem unzählige Stoffe, die in Gemüse nichts zu suchen haben.

Auch bei Obst sollte man aufpassen: Keine bereits gezuckerte Varianten kaufen. Wer Obst süßen möchte, kann das immer noch nach dem Auftauen tun.
Wichtig ist, dass die Kühlkette eingehalten wurde. Das lässt sich recht einfach feststellen: Schüttelt man eine Packung, sollte man die einzelnen Früchte rascheln hören. Kleben diese aneinander oder ist sichtbarer "Schnee" erkennbar, wurde die Kühlkette unterbrochen. Dann sollte man einen Kauf meiden.
Konserven sollte man tunlichst meiden, denn in aller Regel enthalten diese fast keine Nährstoffe mehr.

Fazit: Frisch ist die erste Wahl, aber nur bei den Produkten, die vorher nicht tage- oder wochenlang um den Globus geschippert wurden. Wenn es dennoch einmal solche Produkte sein sollen, ist TK eine gute Alternative.

Insbesondere gilt diese Regel natürlich für Obst und Gemüse. Dies ist die erste Produktgruppe, der wir uns im nächsten Teil zuwenden.

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