Zehn Dinge, die sich bei Mixed Martial Arts (MMA) ändern müssen

Ein Artikel von Sherdog.com
von Jake Rossen

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien erstmals am 14.11.2006 auf sherdog.com

Das Jahr 2006 ist fast vorüber und die Popkultur hat einige Erschütterungen erlebt: Mel Gibson ist zu einem wandelnden Früchtekuchen mutiert, Britney und Kevin haben es nicht zusammen ausgehalten und Mixed Martial Arts (MMA) ist zum neusten Trend beim Kampfsportart im neuen Millenniums geworden.

Das explosive Wachstum unseres gewalttätigen, kleinen Güterzuges hätte nett anzusehen sein können, doch mit der zunehmenden Aufmerksamkeit gerät die interne Struktur dieses Sports immer in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Schlussfolgerung ist, dass nichts perfekt ist (Abgesehen von Beyonce, doch das gehört in eine andere Kolumne).

Was jetzt folgt sind 10 Punkte, die sich in unserem Sport bei seiner weiteren Entwicklung ändern sollten – hoffentlich zum Besseren hin.

10) Die Bewertungskriterien müssen klarer definiert werden

Was ist in den Augen der Kampfrichter wertvoller: einen Gegner auf die Bretter zu schicken oder ein Versuch ihn am Boden zu besiegen? Zählt ein Knockout genau so viel wie ein Triangle, welches den Gegner fast in die Bewusstlosigkeit geschickt hätte?

Gute Frage. Und genau hier liegt das Problem: Die Kampfrichter können subjektive Entscheidungen bezüglich der unzähligen möglichen Kampftechniken beim Freistilkämpfen treffen. Ein Kampfrichter wird den Versuch einen Gegner am Boden zu besiegen als hochwertiger als die Aktion ansehen, die diesen Kämpfer zu Boden geschickt hat, während derjenige, der direkt neben ihm sitzt, die Situation genau anders herum sieht.

Dies führt bei Fans und Kämpfern gleichermaßen zu Irritation und schadet dem Sport. Die übergeordnete Kampfsportkommission könnte umstrittene Entscheidungen verhindern, indem sie offensive und defensive Techniken und Strategien absteigend nach ihrer Wertigkeit eindeutig auflisten würde. War George St. Pierres Versuch B.J. Penn zu Boden zu schicken eindrucksvoller als das, was er zu Beginn des Kampfes einstecken musste?

Die Regeln sollten klar und deutlich vor dem Kampf schriftlich niedergelegt werden und nicht erst danach. Dann wäre sowohl den Fans als auch den Kämpfern klar, was notwendig ist um einen Kampf zu gewinnen und die Kampfrichter bräuchten beim Verlassen des Gebäudes keine Polizeieskorte mehr.

9) Legenden müssen respektiert werden

Wenige Menschen haben mehr zum späteren Erfolg des UFC beigetragen als Ken Shamrock. Man kann ihn lieben oder hassen, aber er war der Dreh- und Angelpunkt einiger der profitabelsten Veranstaltungen. Seine Kämpfe mit Tito Ortiz – so schrecklich einseitig sie auch waren – waren für Rekordeinnahmen und enorme Publicity verantwortlich. – Ereignisse, welche die Promoter zu ihrem Vorteil genutzt haben.

Und nun wird er aus dem Ring geworfen? Er wird demjenigen geopfert, den Zuffa gerade pushen möchte. Mit seinem alternden Körper war er kein Gegner für Ortiz oder Rich Franklin. Schlimmer noch, er erklärte seinen Rücktritt nachdem er – mal wieder – nach Strich und Faden vom "Huntington Beach Bad Boy" verprügelt worden war.

Bin ich der Einzige, der dies peinlich und deprimierend findet? Sollte Shamrock nach all dem, was für das Business getan hat, nicht die Chance bekommen gegen jemanden zu kämpfen, der sich in seiner Altersklasse befindet? Dasselbe gilt für Randy Couture, Mark Coleman und Royce Gracie: alles Champions, die dazu verdammt zu sein scheinen mit einer Niederlage abzugehen.

Kämpfer im Herbst ihrer Karriere gegen gleichwertige Gegner kämpfen zu lassen, ist kein Akt der Barmherzigkeit oder ein Almosen. Shamrock und Bas Rutten würden sich unbestritten einen fantastischen Kampf liefern, der auch zu annehmbaren Ticketverkäufen führen würde.

Besser noch: der Kampf selbst würde einiges an Spannung über den Ausgang mit sich bringen. Wenn zwei lebende Legenden aufeinander Treffen, dann hat zumindest einer von ihnen die Chance als Sieger von der Bühne abzutreten.

8) Dopingtests müssen bei allen Kämpfe Pflicht werden

Ich kann das Argument nicht mehr hören, dass Dopingtests bei allen Ereignissen zu teuer wären. Wir reden hier von Kämpfen, die vier Millionen Dollar an direkten Einnahmen und weitere 30 Millionen an Übertragungsrechten einbringen. Da kann wohl von Geldmangel nicht die Rede sein.

Von den 18 Kämpfern des UFC 62 wurden bisher nur 4 auf Doping getestet. Bei den Wettkämpfen von PRIDEs erster Show in Las Vegas wurden 10 Kämpfer dazu aufgefordert eine Urinprobe abzugeben. Beim UFC 64 waren es gerade einmal 4.

Tests nach dem Zufallsprinzip sollen die Kämpfer angeblich davon abhalten zu dopen. Was für einen Kämpfer gut genug ist, sollte es auch für alle anderen sein. Dopingtests sollten für jeden Kämpfer Pflicht sein, der an einem wichtigen Kampf teilnimmt, egal wie berühmt diese Person ist und für welchen Verband sie antritt.

Noch besser wären zufällige Tests in der Trainingsphase. Diese würden es für einen Kämpfer unmöglich machen vor einem Kampf rechtzeitig alle Dopingpräparate abzusetzen, sodass er nach dem Ereignis negativ getestet wird. All das würde Zeit und Aufwand kosten, doch entweder können die Kommissionen, bei ihren Bemühungen den Sport sauber zu halten, ernsthaft sein, oder sie können gerade das absolute Minimum tun, um den Schein zu wahren.

7) Die Sportkommissionen müssen entspannter werden – und auch härter

Die NSAC hatte das Herz am rechten Fleck, als sie sich weigerte "Butterbean" bei einem Freistilkampf gegen Mark Hunt starten zu lassen. Man argumentierte damit, dass die Siege von Hunt gegen Wanderlei Silva und Mirko Filipovic zeigten, dass er gegenüber dem unerfahrenen ‘Bean einen zu großen Vorteil auf dem Matte hätte.

Diese Sichtweise war jedoch reichlich oberflächlich, da sein grundlegender Kampfstil für keinen dieser Siege direkt verantwortlich war und man, wenn man seine schnelle Niederlage gegen Josh Barnett analysiert, davon ausgehen kann, dass er sich in naher Zukunft nicht zum Schrecken im Ring entwickeln wird. Ein Kampf, der einen guten Schlagabtausch versprochen hätte, wurde aufgrund einer oberflächlichen Fehleinschätzung abgesagt.

Diese Art der Ignoranz war noch ausgeprägter als in Kalifornien der Verbandsdirektor Armando Garcia kund tat, dass der Kampf von Brian Ebersole gegen Shannon Ritch verdächtig aussah und Ebersole deshalb vom Wettkampf ausgeschlossen würde. Für die Kommissionen ist die Sicherheit der Kämpfer wichtiger als alles andere, doch diese Ansicht sollte durch mehr geprägt werden, als nur ein minimales Grundwissen über Mixed Martial Arts mit all seinen vielen Facetten und Variablen.

Auf der anderen Seite hatten Garcia und sein Team kein Problem damit einen Kampf eines 0-0 Cesar Gracie gegen einen 21-7 Frank Shamrock zuzulassen. Dieser sinnlose Kampf endete innerhalb von Sekunden – und sollte auch die Einstellung der Kommissionen, dass der kommerzielle Erfolg wichtiger als die Gesundheit der Kämpfer ist, ändern.

Ich bin erschaudert als ich zusehen musste, wie Ortiz einen hilflosen Ken Shamrock zum dritten Mal in Folge erbärmlich zusammenschlug. Wenn ein 42 jähriger Mann keine Neigung zeigt wettbewerbsfähig zu sein, sollte ein solcher Kampf dann wirklich stattfinden?

Bevor man antwortet sollte man darüber nachdenken, wer mit größerer Wahrscheinlichkeit durch den Wolf gedreht wird: ein agiler junger Mann, der die Jugend auf seiner Seite hat, oder ein mühsam schuftender Mops mit mehr Mut als gut für ihn wäre.

6) Frank Shamrock muss kämpfen …

Ja Frank, wir wissen, dass du viel Geld damit verdienst Frank Shamrock zu sein und wir wissen, dass du dich nicht an Dana White und sein teuflisches Imperium verkaufen möchtest, doch würde es dich wirklich umbringen, wenn du wenigstens ab und zu in den Ring steigen würdest? So faszinierend ein Kampf gegen Phil Baroni auch ist, verdient dieser wirklich mehrere Jahre der Übertreibung?

In der internationalen Kampfliga hast du die Möglichkeit gegen Carlos Newton, Renzo Gracie oder sogar Bas Rutten anzutreten. Das alles wären gut besetzte Kämpfe, die bei den Fans auf großes Interesse stoßen würden. Wie wäre es, anstatt schmerzhaft peinliche lustige Filmchen für YouTube zu machen, diese Zeit darauf zu verwenden einen Kampf auszuhandeln und loszulegen?

Erinnere dich daran, dass die Fans dich deshalb schelten, weil es für sie frustrierend ist, dich nur an der Seitenlinie sitzen zu sehen. Sie möchten den Typen sehen, der Tito Ortiz besiegt hat und den Kopf von Igor Zinoviev wie einen Zaunpfahl durch die Matte getrieben hat und nicht den Papiertiger aus der Burger King Werbung.

Also Frank beantworte die Rufe Deiner Fans mit Aktionen und nicht nur mit Worten.

5) … und Sakuraba muss abtreten

Jeder der Zeuge davon wurde, wie Kazushi Sakuraba im August bei der K-1 HEROS Veranstaltung auseinander genommen wurde – bevor er auf geheimnisvolle Weise einen Armbar Haltegriff landen konnte - sollte auf lange Sicht um die Gesundheit dieses Mannes besorgt sein, der die japanische Kampfsportszene über Jahre getragen hat. Sakus Karriere hat ihr Haltbarkeitsdatum überschritten, besonders nachdem im Oktober ein Kampf abgesagt wurde, da Saku im Krankenhaus aufgrund von Durchblutungsproblemen im Gehirn behandelt werden musste.

Es gibt Kämpfer, die mehr Kämpfe durch ein KO verloren haben, doch hat ein Kämpfer jemals diese Art der sich ständig wiederholten knochenbrechenden Schläge über so viele Jahre erdulden müssen? Geschlagen von Igor Vovchanchyn; gebrochener Augenhöhlenknochen im Kampf gegen Cro Cop; drei KO Niederlagen gegen Silva, einer davon mit gebrochener Schulter; misshandelt von Ricardo Arona. Mit fast 40 ist sein Körper ein wandelndes Stück Narbengewebe. Und trotzdem hat er gerade einen Kampf gegen den gewaltigen Akiyama für Neujahr festgesetzt.

Wann entwickelt Japan endlich so etwas wie ein Gewissen?

4. Mixed Martial Arts Kämpferinnen brauchen auch Liebe..

Das Wichtigste zuerst: die BiDog Kampfserie, die zurzeit auf dem Men’s Health Channel läuft, ist langweilig und fade. Sie ist voll von schlecht gemachten gestellten Szenen und die bizarre Persönlichkeit des selbstverliebten Milliardärs Calvin Ayre sollte eigentlich von jedem gemieden werden, der auch nur das entfernteste Interesse daran hat, noch ein paar gesunde Hirnzellen zu behalten.

Und doch haben Ayre und seine langsam erwachsen werdende Promotion eine Sache richtig gemacht: Sie haben das Konzept des weiblichen MMA in einem Nordamerika eingeführt, das dies nicht erwartet hätte.

Während drei Wochen dieser Kampfserie kämpften Tara Larosa und Amanda Buckner einen drei Runden Krieg, der zeigte, wieweit die Ladies im Vergleich zu ihren männlichen Gegenstücken gekommen sind. Das hatte nichts mehr mit der schlampigen Show der Vergangenheit zu tun. Diese beiden Frauen übertrafen die stümperhaften Schwergewichtsshowkämpfe in späteren Fortsetzungen bei weitem. Ihre Athletik beschämte sogar einige der größeren und bekannteren Namen dieses Sports.

Der UFC und andere große Verbände müssen aufpassen, dass sich das negative Feedback, das sie in den Neunzigern von Leuten bekommen hatten, die es immer noch nicht kapiert haben nicht wiederholt, aber Frauen verdienen einen Platz im Scheinwerferlicht. Menschenmengen die Versuche von Würgegriffen akzeptieren, sind fortgeschritten genug, um Frauen wie Buckner and Larosa ihre verdiente Anerkennung zu geben.

3) Der Einsatz der Knie beim Bodenkampf muss wieder erlaubt werden

Hierfür kann man sich bei Gan McGee bedanken. Nachdem der New Jersey State Athletic Control Board Commissioner Larry Hazzard Sr. einen Kampf gesehen hatte, bei dem McGee einen Gegner mit den Knien mehr oder weniger auseinandergenommen hat, wurde diese Taktik bei Kämpfen in Amerika verboten.

Der Einsatz der Knie auf der Matte ist auch nicht gefährlicher als stehend bei der Thai Umklammerung. Wer es nicht glaubt kann gerne mal Richard Franklin fragen. Die Bedrohung durch einen möglichen Einsatz der Knie könnte dazu führen, dass die Kämpfer am Boden aufmerksamer und aktiver sind.

Soccer Kicks (weit ausholende Tritte, die an die Bewegung beim Treten eines Fußballs erinnern) sollten jedoch weiterhin verboten bleiben. Es ist einfach widerlich dabei zuzusehen, wenn ein hilfloser Gegner an den Kopf getreten wird.

2) Die Eintrittspreise müssen wieder erschwinglich werden

Wenn man einen Platz in der ersten Reihe beim nächsten Kampf von Chuck Liddell haben möchte, muss man darauf vorbereitet sein für dieses Privileg 1000 $ auszugeben. Für 700 $ hätte man einen besseren Blick auf Fedor beim ersten Ausflug von PRIDE nach Las Vegas werfen können. Wenn man alle 12 UFC Pay-Per-View Ereignisse des UFC im Jahr 2007 genießen möchte, kostet dies stolze 500 $ - und zusätzlich noch einmal 250 $, wenn man das ganze später noch auf DVD besitzen möchte.

Wenn man ein Mixed Martial Arts Fan ist, braucht man einen Teilzeitjob, nur um sein Hobby finanzieren zu können. Doch so lange die Leute zahlen, wäre der UFC dämlich, wenn er seine Preisstruktur verändern würde. Doch vielleicht könnten die Verantwortlichen bei Zuffa darüber nachdenken, zumindest einen Teil der Kampfsportereignisse realistischer auszupreisen, besonders deshalb, weil natürlich nicht alle Kämpfe gleich interessant sind (Wer will schon 40 $ zahlen um Travis Lutter bei einem Kampf gegen Anderson Silva zu sehen?).

Hinter der Preisstrategie verbirgt sich angeblich eine oft zitierte psychologische Strategie, nach der sich die Zuschauer nicht für billigere Events interessieren würden, da diese aufgrund ihres geringeren Preises nicht so interessant sein können wie teurere. Nette Idee, doch ich glaube, dass McDonalds mehr 1$ Cheeseburger verkauft als Wolfgang Puck 40 $ Filetstücke.

Es wäre auch keine schlechte Idee den DVD Fight Club Mitgliedern die Möglichkeit zu geben ihre Rechnung des Kabelfernsehens für das entsprechende Kampfsportereignis einzuschicken, um dann einen Preisnachlass für diese DVD zu bekommen.

Bei dem Überfluss an Werbung der im nächsten Jahr auf die Fans zukommen wird werden sich viele Fans genau überlegen, für was sie ihr hart verdientes Geld ausgeben wollen.

1) Rückkämpfe müssen eingeschränkt werden

Ich weiß, ich weiß, das kling wie eine Schallplatte mit einem Sprung. Doch man sollte sich einmal folgendes vor Auge halten: Der Kampf gegen Tito Ortiz im Dezember wird der fünfte Rückkampf von Chuck Liddel innerhalb von fünf Kämpfen sein. Der größte nordamerikanische Star des MMA hat seit August 2004 nicht mehr gegen einen neuen Gegner gekämpft. (Vor seinem zweiten Zusammentreffen mit Couture hatte Liddell 18 Kämpfe am Stück lang jeweils einen neuen Gegner verprügelt).

Die Kämpfe müssen spannend bleiben. Hier eine kleine Nachhilfestunde in Mathe: Von den 10 Rückkämpfen, die dieses Jahr vom UFC ausgetragen wurden hatten 7 das Selbe Ergebnis wie der ursprüngliche Kampf. Wenn ich in der Wettervorhersage höre, dass eine 70 % Regenwahrscheinlichkeit besteht, plane ich auch kein Picknick … genauso wenig werde ich mit Spannung vor meinem Fernseher hängen wenn ich mit 70 % Wahrscheinlichkeit weiß wie der Kampf ausgeht.

Zuffa hat inzwischen eine so hohe Fernsehpräsenz, dass sie wirklich jeden Kampf verkaufen können, den sie bekommen können – all das läuft dann auf SpikeTV. Die erdrückende Anzahl von Wiederholungskämpfen zeigt eigentlich nur eines: fehlendes Talent. Und das alles wird sich auch nicht ändern, wenn die Fans nicht endlich damit anfangen ihrer Langeweile eine Stimme zu verleihen.

Denkt dran, nur ihr könnt Forrest-Bonnar III verhindern.

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